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Zé Roberto im Interview

'Ein ganz besonderes Spiel für mich'

Insgesamt sechs Jahre lang spielte Zé Roberto für den FC Bayern. Nach Ablauf seines Vertrages im letzten Sommer kehrte der 35-Jährige dem Freistaat den Rücken und wechselte in den hohen Norden zum Hamburger SV, wo der 84-malige brasilianische Nationalspieler seinen x-ten Frühling als Profi-Fußballer erlebt. Vor dem Spitzenspiel gegen den Rekordmeister sprach fcbayern.de mit dem Ballzauberer, der schon drei Saisontreffer erzielt hat.

Das Interview mit Zé Roberto

fcbayern.de: Zé, Du bist jetzt seit gut drei Monaten beim Hamburger SV. Wie lautet Dein erstes Fazit nach dieser Zeit?
Zé Roberto: „Das ist ein sehr guter, sehr seriös geführter Verein. Und wir haben eine sehr gute Mannschaft mit vielen jungen Spielern, die über viel Qualität verfügen. Ich glaube, das Team hat eine große Zukunft.“

fcbayern.de: Und mittendrin ist ein „Alter“ mit großer Qualität!
Zé Roberto: (lacht) „Ja, richtig. Mit Frank Rost bin ich der Älteste in der Mannschaft. Ich glaube, wir haben eine gute Mischung. Es ist wichtig, den einen oder anderen älteren Spieler zu haben, der den Jungen mit seiner Erfahrung weiterhilft.“

fcbayern.de: Im Pokal in Osnabrück hat es aber nicht so gut geklappt, Ihr seid im Elfmeterschießen ausgeschieden. Woran lag’s?
Zé Roberto: „Ja, leider haben wir da verloren. Es ist immer schade, wenn man auf diese Weise ein Spiel verliert. Aber sowas passiert. Jetzt müssen wir nach vorne schauen. Ein Wettbewerb ist weg, in dem wir möglichst weit kommen wollten. Aber wir haben ja noch die Europa League und die Bundesliga.“

fcbayern.de: Am Samstag kommt es zum Spitzenspiel gegen Deinen Ex-Klub. Freust Du Dich schon?
Zé Roberto: „Sehr. Das ist ein ganz besonderes Spiel für mich. Ich habe zwar in der Vorbereitung beim T-Home-Cup schon gegen Bayern gespielt, aber ein Pflichtspiel ist etwas ganz anderes. Da ist eine ganz andere Stimmung und Atmosphäre als bei einem Freundschaftsspiel. Ich freue mich, weil ich viele gute Erinnerungen an den FC Bayern habe. Ich habe da sechs Jahre gespielt, habe acht Titel gewonnen und dazu eine Menge Freunde. Das war eine wunderbare Zeit.“

fcbayern.de: Der FC Bayern ist Euch auf dicht auf den Fersen, was ist für Euch drin?
Zé Roberto: „Wir sind noch Tabellenführer, und auch wenn wir die letzten drei Spiele nicht so gut gespielt haben, so haben wir noch genügend Selbstvertrauen, um diesem Platz zu verteidigen.“

fcbayern.de: Wirst Du denn überhaupt spielen können?
Zé Roberto: „Das hoffe ich. Ich habe gegen Osnabrück wegen Wadenproblemen nur eine Halbzeit gespielt. Inzwischen fühle ich mich aber schon viel besser. Ich werde mich am Freitag noch intensiv behandeln lassen und hoffe, dass ich es bis Samstag schaffe. Ich möchte sehr gerne spielen.“

fcbayern.de: Auf wen freust Du Dich am meisten beim FCB?
Zé Roberto: „Natürlich auf die Physiotherapeuten wie Fredi Binder und Gerry Hoffmann, zu denen hat man im Laufe der Jahre eine ganz besondere Verbindung aufgebaut. Aber auch auf viele ehemalige Kollegen wie Philipp Lahm, Schweini, Breno, Andi Ottl, Jörg Butt oder Hamit Altintop. Ich hatte zu vielen Spielern ein gutes Verhältnis. Schade, dass Mark van Bommel und Micho nicht dabei sind.“

fcbayern.de: Für Außenstehende ging der Wechsel nach Hamburg damals sehr plötzlich über die Bühne. Für Dich auch? Du hattest sicher mehrere Angebote?
Zé Roberto: „Ja, zunächst einmal hatte ich das Angebot vom FC Bayern. Leider konnten wir uns am Ende nicht auf eine Fortsetzung unserer Zusammenarbeit einigen. Dann bekam ich das Angebot aus Hamburg. Für mich war wichtig, nach all den Jahren in Deutschland bleiben zu können. Deswegen musste ich nicht lange überlegen. Hier kann ich noch zwei Jahre auf gutem Niveau spielen und habe anschließend die Chance auf eine Tätigkeit nach meiner aktiven Karriere. Es gab zwar noch andere Anfragen, aber im Hinblick auf meine Familie - meine Kinder sind in Deutschland geboren und meine Frau fühlt sich auch sehr wohl hier - war die Entscheidung nicht schwer.“

fcbayern.de: Du hast viele Jahre in München gelebt, wie gefällt es Dir in Hamburg?
Zé Roberto: „Mir gefällt die Stadt sehr gut. Ich kannte sie ja bisher nicht, nur das Hotel und das Stadion von den Auswärtsspielen. Aber ich bin sehr angetan von der Stadt, sie ist sehr schön, hier kann man auch sehr gut leben.“

fcbayern.de: Du wohnst aber noch im Hotel und Deine Familie in München. Warum?
Zé Roberto: „Ja, das stimmt. Ich habe hier noch kein passendes Haus gefunden. Ich habe da aber jetzt keinen Zeitdruck und denke, das wird noch bis Ende des Jahres dauern. Dann wird meine Familie nachkommen. So ein Umzug ist immer eine komplizierte Sache, gerade mit schulpflichtigen Kindern. Ich gehe aber davon aus, dass sie Anfang nächsten Jahres besser die Schule wechseln können.“

fcbayern.de: Bis dahin ist das Familienleben von Zé Roberto eine Fernbeziehung. Wie sehr vermisst Dich Deine Familie und Du sie?
Zé Roberto: „Wenn wir, wie im Moment, englische Wochen haben, hält es sich in Grenzen, weil wir alle drei Tage ein Spiel haben und die Konzentration sich darauf richtet. Aber wenn ich mal ein, zwei Tage frei habe, fliege ich nach München oder meine Frau kommt mit den Kindern nach Hamburg, dadurch hält sich die Sehnsucht in Grenzen.“

fcbayern.de: In München läuft gerade das Oktoberfest, wirst Du Gelegenheit haben, mal auf die Wiesn zu gehen?
Zé Roberto: „Nein, dieses Jahr leider nicht. Da wir nächste Woche Donnerstag in der Europa League ran müssen, spielen wir am letzten Wiesn-Sonntag in Berlin. Aber vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr wieder.“

Das Interview führte: Carsten Zimmermann

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