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Bayern (fast) glücklich

Mit Offensivpower in die Erfolgsspur

Am Ende kam Louis van Gaal kaum noch aus dem Jubeln heraus. Als Thomas Müller in der 88. Minute mit einem sehenswerten 22-Meter-Schuss den 5:1-Endstand erzielte, stand der neue Bayern-Trainer sekundenlang freudestrahlend und mit hochgestreckten Armen an der Außenlinie. Auch etwas weiter oben in der Ehrenloge auf der Haupttribüne, wo die Vorstände Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Karl Hopfner Seite an Seite die Partie bei Borussia Dortmund verfolgten, war ein absolutes Stimmungshoch auszumachen. Mit der geballten Siegerfaust erhob sich Hoeneß nach dem Schlusspfiff von seinem Platz, Rummenigge rieb sich genüsslich die Hände.

Nach dem zweiten überzeugenden Sieg in Folge herrscht beim FC Bayern fast schon wieder eitel Sonnenschein. Der schlechteste Saisonstart seit über 40 Jahren mit nur zwei Punkten aus drei Spielen und der 1:2-Schlappe in Mainz als Krönung - fast schon vergessen. „Wir waren nach Mainz nicht deprimiert, sondern enttäuscht. Heute sind wir hochzufrieden, aber nicht euphorisch“, sagte Rummenigge in den Katakomben des Signal Iduna Parks in die Mikrofone und legte damit die Betonung eindeutig auf fast.

Denn so schön wie der historisch höchste Bundesligasieg der Bayern in Dortmund auch war - erstmals seit 1991 und erst zum zweiten Mal überhaupt gewann der FCB nach einem Rückstand beim BVB: Es war nicht alles Gold, was glänzte. „Wir haben schlecht angefangen. In den ersten 15 Minuten haben wir keinen Ball getroffen“, erinnerte Van Gaal an den fahrigen Auftakt seiner Mannschaft mit „zu vielen einfachen Ballverlusten“, wie Philipp Lahm bemängelte.

Dortmund nutzte die Münchner Unkonzentriertheiten durch den Ex-Bayer Mats Hummels verdientermaßen zur 1:0-Führung (10.). „Die ersten 20, 25 Minuten haben wir zu wenig gemacht. Da hatten wir Schwierigkeiten“, gestand Daniel van Buyten, der von einer ordentlichen Kabinenpredigt in der Halbzeitpause berichtete: „Der Trainer war sehr laut.“ Lediglich das Pausenergebnis - Mario Gomez hatte in der 36. Minute per Kopf den Ausgleich erzielt - dürfte Van Gaal bis dahin halbwegs zufrieden gestellt haben.

Die zweite Halbzeit dürfte dann allerdings ganz nach dem Geschmack des Trainer-Routiniers gewesen sein. „Da haben wir insgesamt besser gespielt und taktisch viel besser gestanden. Da haben wir kaum noch Chancen zugelassen und einige tolle Tore geschossen“, sagte Schlussmann Jörg Butt, der im zweiten Abschnitt kaum noch geprüft wurde. Drei der vier Tore nach dem Seitenwechsel erzielten die eingewechselten Franck Ribéry (65.) und Thomas Müller (78./88.).

„Das Ergebnis sieht natürlich super aus und wir haben schöne Tore gemacht, aber aufgrund der ersten Hälfte war es nicht unser bestes Saisonspiel“, sagte Bastian Schweinsteiger, der in der 49. Minute für die wichtige Führung gesorgt hatte. „In der zweiten Halbzeit hat die individuelle Qualität meiner Mannschaft den Unterschied ausgemacht“, analysierte Van Gaal, der nach der Pause mit Müller, Ribéry, dem erneut sehr fleißigen Ivica Olic und Arjen Robben vier Stürmer auf dem Platz hatte. „Wenn ich das Gefühl habe, mache ich das. 5:1 - ich denke, es hat gepasst“, so Van Gaal augenzwinkernd.

FCB bereit für die Königsklasse

Rechtzeitig vor dem Start in die Champions League am Dienstag in Tel Aviv ist beim FC Bayern das alte „Mia-san-mia“-Gefühl zurück. „Es sieht so aus, als ob sich die Mannschaft im 4-3-3 wohlfühlt. Wir haben damit 3:0 gegen Wolfsburg gewonnen und hier in Dortmund 5:1“, sagte Schweinsteiger. Aber nicht nur in der Offensive, in der am Samstag mit Miroslav Klose und Luca Toni der komplette Stammsturm der letzten Saison fehlte, haben die Bayern zugelegt. Auch die Defensive wirkte zuletzt stabiler.

„Gegen Wolfsburg hat man schon gesehen, dass die Mannschaft kompakter steht und eine ganz andere Leidenschaft hat. Das haben wir heute vor allem in der zweiten Halbzeit umgesetzt, deswegen hat es auch zum Sieg gereicht“, sagte Müller. Und Schweinsteiger ist sich sicher: „Wenn wir immer so spielen wie heute in der 2.Halbzeit, dann können wir in dieser Saison alle Ziele erreichen.“

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