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'Es bedarf jetzt Siege'

FCB in der Königsklasse unter Druck

Als Karl-Heinz Rummenigge fünf Minuten vor Mitternacht im Mannschaftshotel „The Regent“ am „Place de la Comédie“ seine Bankettrede eröffnete, war dem Vorstandschef des FC Bayern ganz und gar nicht nach Späßen zumute. Vielmehr sprach er nach der „verdienten Niederlage“ im Champions-League-Spiel bei Girondins Bordeaux Tacheles und sparte dabei nicht an Kritik an der Mannschaft von Cheftrainer Louis van Gaal.

„Ich möchte euch dringend empfehlen und anregen, eine andere Gangart hinzulegen als in der ersten Halbzeit. Das wird sonst nicht der Erfolgsweg des FC Bayern in dieser Saison sein“, sagte der FCB-Boss. Das 1:2 (1:2) war die erste Niederlage in der Gruppenphase der „Königsklasse“ seit vier Jahren. Durch die rutschte der Rekordmeister mit nur vier Punkten aus den ersten drei Partien (schlechtester Auftakt in der Champions League seit 2002) in der Tabelle von Platz eins auf drei und steht jetzt unter Druck. „Wir müssen aus den nächsten beiden Heimspielen gegen Bordeaux und Haifa sechs Punkte holen“, forderte Rummenigge.

Dabei hatten die Bayern die große Chance, schon am Mittwochabend in Bordeaux die Weichen frühzeitig auf Achtelfinaleinzug zu stellen. Schon in der sechsten Minute waren sie durch ein Eigentor von Michael Ciani in Führung gegangen. „Das Spiel war nach sechs Minuten wie gemalt“, sagte Rummenigge. Er hätte auch auf gut Bayrisch sagen können: Das Spiel war eine gmahde Wiesn.

„Wir haben ein Geschenk aus dem Himmel bekommen“, sagte Van Gaal, „doch nach dem Tor haben wir jeden Ball an die andere Farbe gespielt.“ In der Tat bekamen die Bayern durch die Führung überhaupt keine Sicherheit und bauten stattdessen die Franzosen durch viele Ballverluste erst wieder auf. „Nach dem 1:0 muss man in einem Auswärtsspiel eigentlich kontrollieren und dominieren, das haben wir aber nicht geschafft“, sagte Kapitän Mark van Bommel.

Hinzu kamen viele (unnötige) Fouls in der Gefahrenzone am eigenen Strafraum. „Wir wollten Standards vermeiden und nicht so viel rund um den Sechzehner Foul spielen. Das ist uns überhaupt nicht gelungen“, bemängelte Philipp Lahm. Sowohl der Ausgleich von Ciani (28.) als auch der Siegtreffer von Marc Planus (40.) resultierten aus Standardsituationen.

Zu diesem Zeitpunkt spielten die Bayern nach der Gelb-Roten Karte für Thomas Müller schon in Unterzahl. „Ich habe der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen und dem Verein Schaden angerichtet. Das tut mir leid, dafür habe ich mich bei der Mannschaft entschuldigt“, sagte der reuige „Sünder“ nach dem Spiel. Zwei Mal war er zu spät im Zweikampf gewesen und hatte statt den Ball jeweils nur seinen Gegenspieler getroffen. „Es war ein bitterer Abend für mich“, sagte Müller, „ich denke nicht, dass Girondins so stark, sondern dass wir in der ersten Halbzeit so erschreckend schwach waren.“

Für Rummenigge hat Müllers Platzverweis - in den Schlussminuten sah auch noch Daniel van Buyten nach einer Notbremse die Rote Karte - „schwer gewogen“, war aber nicht der Knackpunkt der Partie. „Wir haben in der ersten Halbzeit alles vermissen lassen: Laufbereitschaft, kämpferischen Einsatz, Cleverness“, meinte Rummenigge. Zudem machte sich das Fehlen von Kreativspielern wie Franck Ribéry und Arjen Robben deutlich bemerkbar. Van Gaal hatte schon vor dem Spiel gesagt, dass beide „nicht zu ersetzen sind“. Für eine Spitzenmannschaft wie den FC Bayern „nicht würdig“ empfand Van Bommel die Leistung vor der Pause.

Nach dem Seitenwechsel hatten die Bayern trotz Unterzahl mehr Spielanteile als zuvor und durch Luca Toni, Einzelkämpfer in vorderster Front, sogar die große Chance zum Ausgleich. Doch der Italiener traf mit dem Kopf aus zwei Metern nur den Pfosten (72.). „Mit ein bisschen Glück machen wir das 2:2 durch Luca. Im Nachhinein müssen wir aber auch froh sein, dass das Spiel nur 1:2 ausging“, sagte Van Bommel.

Rummenigge fordert 'eine Reaktion'

Mit zwei gehaltenen Strafstößen gegen Joann Gourcuff (66.) und Jussie (88.) verhinderte Keeper Jörg Butt eine höhere Niederlage, was im direkten Vergleich mit Bordeaux noch sehr wertvoll werden könnte. Schon mit einem 1:0-Heimsieg im Rückspiel in zwei Wochen würden die Bayern dann wieder an den Franzosen in der Tabelle vorziehen.

„Wir haben immer noch alle Möglichkeiten, aber wir wissen natürlich, dass wir besser spielen müssen“, sagte Lahm. Für Rummenigge gilt das aber nicht nur bei den internationalen Aufgaben. „Es ist jetzt eine Reaktion der Mannschaft gefragt, und das bezieht sich nicht nur auf die zwei Spiele in der Champions League, sondern damit müssen wir schon am Samstag in der Bundesliga gegen Frankfurt anfangen“, sagte der Vorstandschef und nahm die Mannschaft in die Pflicht: „Es bedarf jetzt Siege.“

Für fcbayern.de in Bordeaux: Dirk Hauser

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