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Ein stürmischer Abend

Geplatzte Knoten und ein Tausendsassa

Und plötzlich war alles ganz einfach. Van Bommel chippte den Ball über die Abwehr und Miroslav Klose lupfte den Ball über Frankfurts Keeper Oka Nikolov ins Tor. Fünf Minuten später legte Thomas Müller zurück und der Bayern-Stürmer vollstreckte mit einem Flachschuss zum 2:0. Klose traf wie selbstverständlich, dabei waren Tore zuletzt keine Selbstverständlichkeit für ihn: Nach siebeneinhalb Monaten - oder, wer es genau wissen will, 232 Tagen - hat der 31-Jährige am Mittwoch erstmals wieder für den FC Bayern getroffen.

„Ich stelle mir natürlich eine andere Torquote vor. Aber manchmal macht man eben eine Durststrecke durch“, sagte Klose zum Ende seiner Torflaute, das er sogar mit einem Hattrick hätte krönen können. Allein vor Nikolov spielte er aber quer auf Müller, der den Ball zum 3:0 ins leere Tor schob.

„Tja, so bin ich“, meinte Klose zu seiner ersten Torvorlage ebenfalls seit 232 Tagen, „ich habe Thomas im Augenwinkel gesehen und bin auf Nummer sicher gegangen.“ Van Gaal lobte Klose wegen seines Auges für den Mitspieler als „sozialen Menschen. So spielt er auch Fußball. Das schätze ich sehr hoch ein.“

Freiwillige Zusatzschichten

Zwei Tore und eine Vorlage waren Balsam für Kloses Stürmer-Seele. In der letzten Saison war der 31-Jährige noch Toptorjäger des FCB (20 Tore) und stellte mit sieben Treffern in der Champions League einen neuen deutschen Rekord auf. Eine Sprunggelenksverletzung mit anschließender Operation (März) und eine Knochenhautentzündung (August) bremsten Klose allerdings in den letzten Monaten aus.

„Er hatte keine gute Vorbereitung, jetzt habe ich eine Steigerung gesehen. Heute hat er zwei Tore gemacht und eines vorbereitet. Ich freue mich für ihn und hoffe, dass er das auch in den nächsten Spielen zeigen kann und nicht nur in einem Spiel“, sagte Van Gaal, der Klose Mitte September eine Auszeit gewährt hatte, die dieser für ein spezielles Aufbautraining nutzte. „Ich brauche eine gewisse Fitness, um gut Fußball zu spielen. Die habe ich jetzt“, erklärte er.

Toni trifft zum ersten Mal

Die intensive Arbeit hat sich also gelohnt - das gilt auch für Luca Toni. Der Italiener hatte lange Zeit mit Achillessehnenproblemen zu kämpfen und arbeitete sich auch über Spiele in der zweiten Mannschaft wieder in Van Gaals Startformation. Nach zwei Pfostentreffern in den letzten beiden Partien platzte auch für ihn in Frankfurt der Knoten: Mit einem herrlichen Flugkopfball traf er zum 4:0 - es war sein erstes Saisontor.

Komplett machte die Bayern-Gala in Frankfurt Youngster Müller. Der offensive Tausendsassa des FC Bayern - Müller spielte in dieser Saison schon im Sturm, hinter den Spitzen, im linken und rechten Mittelfeld - bereitete zwei Tore vor und traf einmal selbst. „Heute ist es für mich perfekt gelaufen“, meinte der 20-Jährige, der in den letzten elf Pflichtspielen an elf Treffern beteiligt (7 Tore, 4 Vorlagen) war.

'Lasse mich nicht unterkriegen'

Auch die gelb-rote Karte vor einer Woche in Bordeaux hat Müller offenbar problemlos weggesteckt. „Solche negative Erfahrungen gehören zum Fußball leider dazu. Aber da wir zurzeit so viele Spiele haben, hatte ich keine Zeit, nachzudenken“, meinte er, „Fußball macht mir Spaß, da lasse ich mich von einer gelb-roten Karte nicht unterkriegen.“

Nicht unterkriegen lassen, will sich auch Mario Gomez. Trotz gutem Start (5 Tore in den ersten 6 Spielen) rutschte er aus der ersten Elf von Trainer Van Gaal. Doch der 24-Jährige hat sich nicht hängen lassen und im Training den Konkurrenzkampf angenommen. Das freute Van Gaal, der glaubt, das Gomez das Tal durchschritten hat. „Er war sehr enttäuscht, aber das ist logisch. Ich denke, dass er zurückkommt.“

Klose macht Gomez Mut

„Im Moment haben Luca und ich den Vortritt. Aber es wird auch wieder so sein, dass Mario spielt und den entscheidenden Treffer macht“, weiß Klose, wie schnell es gehen kann. Vielleicht bekommt Gomez ja schon am Samstag wieder eine Chance, wenn der FC Bayern bei seinem Ex-Klub VfB Stuttgart antritt. Ein Tor dort würde auch ihm weiter Schub geben. Denn, wie Mark van Bommel sagte: „Für einen Stürmer ist es wichtig, dass er trifft - egal wie, ob ins leere Tore oder mit einem Lupfer.“

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