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FCB robbt sich heran

Hoeneß lobt: 'Die Mannschaft lebt'

Nach einem nervenaufreibenden Spiel und dem späten Siegtreffer durch Daniel van Buyten, den Uli Hoeneß euphorisch in den Armen von Vorstandskollegen Karl Hopfner feierte, brauchte der Manager des Rekordmeisters erst mal eine kurze Verschnaufpause. „Ich komme gleich“, sagte Hoeneß zu den wartenden Journalisten, als er kurz nach dem Schlusspfiff zum ersten Mal durch die Mixed-Zone der Allianz Arena Richtung Kabinentrakt schritt. Knapp 15 Minuten später kam er zurück und analysierte sachlich und unaufgeregt die Geschehnisse an diesem Nachmittag.

„Dieses 2:1 entspricht mindestens dem Spielverlauf. Ein 4:1 oder 5:1 wäre gerechter gewesen“, sagte Hoeneß nach dem Sieg gegen Eintracht Frankfurt, „Im Moment müssen wir schauen, dass wir vernünftige Ergebnisse erzielen und dadurch Selbstvertrauen zurückbekommen - und dazu gehört, wie heute gehabt, auch ein bisschen Glück.“

Es war aber das Glück des Tüchtigen und der gerechte Lohn eines langen Sturmlaufes. Drei Tage nach der enttäuschenden Vorstellung beim 1:2 in Bordeaux zeigte die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal eine gute Reaktion, spielte sich schon in der ersten Halbzeit ein halbes Dutzend bester Torchancen heraus und ließ sich auch von einem zwischenzeitlich Rückschlag nicht aus der Bahn werfen. „Ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft lebt, dass da viel Geist drin ist. So wie sie gearbeitet hat nach dem 0:1, das hat mir gut gefallen. Wir haben eine sensationelle Reaktion gezeigt“, sagte Hoeneß. „Die Mannschaft hat Moral gezeigt und hat die Kraft, bis zum Schluss Volldampf zu gehen“, sagte Philipp Lahm.

Die Überlegenheit der Bayern in diesem Spiel war eindeutig. 25:9 Torschüsse, 9:3 Ecken, 15:3 Flanken und über 59 Prozent Ballbesitz hatten die Statistiker am Ende für den Rekordmeister gezählt. Hinzu kam noch ein Pfostenschuss von Luca Toni – bereits der siebte Aluminiumtreffer eines Bayern-Spielers in dieser Saison. „Wir haben momentan nicht das Quäntchen Kaltschnäuzigkeit, um klarste Torchancen zu verwerten“, sagte Hoeneß. Erst eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Einwechslung beim Stand von 1:1 brachte den so wichtigen Erfolg.

Vier Minuten vor dem Ende nahm Trainer-Fuchs Louis van Gaal Mittelstürmer Luca Toni aus dem Spiel und brachte Abwehrspieler Martin Demichelis - und beorderte gleichzeitig Van Buyten in vorderste Front. Und der Abwehrchef erzielte in der 88. Minute den umjubelten Siegtreffer, den Van Gaal mit mehrmaligem Tippen des Zeigefingers an seine Stirn feierte. „Ich denke, wenn ich durch solch einen Wechsel ein Spiel gewinnen kann, dann mache ich das“, sagte Van Gaal, der zuvor schon mit den Einwechslungen von Arjen Robben und Mario Gomez „Köpfchen" bewiesen hatte.

Robben hatte in der 70. Minute die völlig überraschende Führung der Eintracht mit ihrer ersten Chance durch Alexander Meier (60.) ausgeglichen, das Tor aber schrieb Hoeneß Gomez gut. „Das Tor von Robben hätte jeder gemacht, den Kopfball davor aber nicht. Das 1:1 war Marios Tor“, sagte der Manager, der sich sicher ist: „So einen Beitrag zum Ausgleich geleistet und damit die Grundlage zum Sieg geschaffen zu haben, wird ihm helfen.“

Hoeneß gab zu, dass er zwischen der Frankfurter Führung und Van Buytens Kopfballtreffer „schon leichte Bauchschmerzen“ bekommen hatte, „vielleicht sogar zum ersten Mal seit langer Zeit. Deswegen ist große Erleichterung bei uns da, dass wir das Spiel am Ende völlig verdient gewonnen haben.“ Ein Remis oder gar eine Niederlage hätte den (öffentlichen) Druck auf den FC Bayern enorm erhöht. So aber konnten Van Gaal und seine Mannschaft die Aufholjagd in der Bundesliga fortsetzen.

„Wir haben es geschafft, innerhalb einer Woche den Rückstand von acht auf vielleicht vier Punkte zu verringern“, stellte Van Gaal zufrieden fest. „Wir sind jetzt in der Bundesliga mehr oder weniger wieder voll dabei“, sagte Hoeneß, äußerte aber auch eine klare Forderung: „Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft wieder dominanter auftreten muss. Der FC Bayern, der immer seine Spiele so lala gewinnt, das ist nicht der FC Bayern. Mia san mia ist nicht das, was wir momentan spielen.“

Vielleicht gelingt das ja schon am Mittwoch im zweiten Duell mit den Hessen. Dann gastiert der FCB zum DFB-Pokalachtelfinale bei der Frankfurter Eintracht. „Ich hoffe, dass es einen offenen Schlagabtausch geben wird. Bei einem Pokalspiel ist es wichtig, dass die Zuschauer was erleben und dass es hin und her geht“, sagte Hoeneß und betonte: „Wir wollen weiterkommen und wieder nach Berlin - und Frankfurt ist zumindest schon mal der halbe Weg.“

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