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'Haben einen Freund verloren'

DFB sagt Chile-Länderspiel ab

Nach dem erschütternden Selbstmord von Nationaltorhüter Robert Enke hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) das für kommenden Samstag angesetzte Länderspiel gegen Chile abgesagt. „Für uns war alle einvernehmlich klar: Wir können das Spiel gegen Chile nicht austragen. Wir bitten sie um Verständnis, diese Entscheidung ist alternativlos. Wir müssen auch einmal innerhalten können“, teilte DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger am Mittwoch mit.

Bundestrainer Joachim Löw sagte: „Niemand fühlt sich in der Lage, in dieser Situation einfach zur Tagesordnung überzugehen. Wir haben einen Freund verloren. Das ist ein Moment, bei dem man auch im Fußball innehalten muss. Wir trauern tief um Robert Enke.“

Spieler bestürzt

Im deutschen Mannschaftsquartier in Bonn hatten sich am Vormittag Zwanziger, Löw, DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach sowie Teammanager Oliver Bierhoff auf die Länderspiel-Absage verständigt. Zuvor hatte sich auch ein Großteil der Mannschaft für eine Absage ausgesprochen. Zwanziger berichtete von einem Gespräch mit dem Spielerrat, „auf dessen Inhalt und Ernsthaftigkeit ich sehr, sehr stolz bin“. Er habe Spieler erlebt, „die nicht sofort wieder zur Tagesordnung übergehen, sondern ehrliche Trauer zeigen und die zeigen, dass sie dafür Zeit brauchen“.

Die Mannschaft hat inzwischen das Teamquartier verlassen. Erst nach der Trauerfeier, die für Sonntag geplant ist, werden die Spieler in Düsseldorf wieder zusammenkommen, um sich auf das Länderspiel am 18. November in Gelsenkirchen gegen die Elfenbeinküste vorzubereiten.

Trauerflor und Gedenkminute

Derweil hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) bekannt gegeben, dass die Mannschaften der Bundesliga und 2. Liga aus Respekt vor Robert Enke am nächsten Spieltag mit Trauerflor auflaufen werden. Darüber hinaus wird es in den Stadien eine Gedenkminute für den Torwart von Hannover 96 geben.

Enke, der nicht zum Kader für die letzten Länderspiele des Jahres zählte, hatte sich am Dienstagabend nahe Hannover vor einen Zug geworfen. Der 32-Jährige hatte schon seit Jahren unter Depressionen gelitten. „Keiner, aber wirklich keiner, hat irgendeinen Anlass gehabt, zu glauben, dass Robert Enke an dieser Krankheit leidet“, betonte Bierhoff.

Löw 'schockiert' und 'völlig leer'

„Es fällt mir schwer, die Gefühle zu beschreiben“, sagte Löw, „ich bin völlig schockiert, völlig leer. Mein ganzes Mitgefühl gilt seiner Frau und seiner Familie. Robert war nicht nur ein herausragender Spieler, sondern auch ein toller Mensch. Wir haben wunderbare Gespräche geführt. Er konnte zuhören und ist anderen mit unglaublichem Respekt begegnet. Fairness war für ihn immer ein wichtiger Lebensinhalt. Sein Tod ist ein immenser Verlust. Er wird uns fehlen, als erstklassiger Sportler und als außergewöhnlicher Mensch.“

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