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Platz 3 im Visier?

Maccabi Haifa macht auf Understatement

Zehn Spiele, zehn Sieg und mit neun Punkten Vorsprung Tabellenführer - die Bilanz von Maccabi Haifa in der israelischen „Ligat Ha'al“ ist mehr als eindrucksvoll. Am letzten Spieltag feierte der Titelverteidiger einen ungefährdeten 4:1-Heimsieg gegen Maccabi Ahi Nazareth. Kein Team hat mehr Tore geschossen (24) und keines weniger kassiert (7). Maccabi - seit 22 Ligaspielen ungeschlagen - ist aktuell das Maß aller Dinge im israelischen Fußball.

International sieht Maccabis Bilanz ganz anders aus. In der Champions-League-Vorrundengruppe A liegt Haifa nach vier Spielen mit null Punkten und null Toren auf dem letzten Tabellenplatz. Chancen auf das Erreichen des Achtelfinales hat das Team von Meistertrainer Elisha Levi keine mehr, aber was ist denn mit Platz drei und damit dem Einzug in die Europa League?

Haifa ohne Druck

„Sofern rechnerisch noch was möglich ist, werden wir auch alles dafür tun“, sagte Levi am Tag vor dem Rückspiel beim FC Bayern. Zu einer Kampfansage an den deutschen Rekordmeister ließ er sich aber nicht hinreißen, sondern machte ganz bewusst auf Understatement: „Das Spiel gegen Bayern in der Allianz Arena ist für uns das schwerste Auswärtsspiel in dieser Gruppe.“

Nur mit einem Sieg könnten die Israelis dem FCB, der vier Punkte auf dem Konto hat, noch von Platz drei verdrängen. „Wir wollen ein gutes Ergebnis holen“, sagte Levi. Schon ein Remis - die damit verbundene UEFA-Punktprämie würde fast zehn Prozent von Haifas Jahresetat ausmachen - würde er wahrscheinlich als großen Erfolg bewerten. „Wir wollen endlich ein Tor machen“, sagte Kapitän Yaniv Katan, „aber wir stehen nicht unter Druck.“ Im Gegensatz zum FC Bayern. „Sie müssen gewinnen“, meinte Levi.

Matthäus lobt

Maccabi, das sich in diesem Jahr erst zum zweiten Mal überhaupt für die Gruppenphase der Königsklasse qualifizierte, kann am Mittwochabend befreit aufspielen. „Wie werden uns nicht verstecken und erfrischenden Angriffsfußball zeigen“, sagte Katan. Im Hinspiel war das seiner Mannschaft zumindest phasenweise gelungen. „Wir haben die Partie lange ausgeglichen gestaltet. Dann haben wir das 0:1 kassiert, haben aufgemacht und zum Schluss noch zwei Kontertore bekommen“, erinnerte sich Innenverteidiger Dekel Keinan an das 0:3.

Alle anderen Spiele gegen Juventus Turin und Girondins Bordeaux hat Maccabi lediglich jeweils mit 0:1 verloren. „Meine Mannschaft hat gezeigt, dass sie mithalten kann. Teilweise haben wir sehr unglücklich verloren“, sagte Levi. „Haifa ist eine sehr spielstarke Mannschaft, mit viel individueller Qualität und technisch starken Spielern. Was sie vom europäischen Topfußball unterscheidet, ist die Disziplin und die psychische Stärke“, charakterisierte Ex-Bayern-Kapitän Lothar Matthäus Maccabi in der „tz.“ Der Rekordnationalspieler kennt Haifa bestens aus der letzten Saison, als er in Israel Trainer bei Maccabi Netanya war.

Um sich „optimal auf das Spiel vorzubereiten“ (Levi), reiste Maccabi bereits am Montag nach München an und nicht wie sonst üblich in der Champions League erst einen Tag vor dem Spiel. Am Dienstagmorgen stand aber ein ganz anderer Tagesordnungspunkt auf dem Programm. Die gesamte Mannschaft samt Betreuern, Trainern und Verantwortlichen besuchte die KZ-Gedenkstätte in Dachau und legte für die Opfer des NS-Regimes einen Kranz nieder. „Unser Fokus“, betonte Levi, „liegt aber auf dem Sportlichen. Wir wollen gewinnen.“

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