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Emotionale Abschieds-JHV

'Oh, jetzt ist dann doch Schluss'

Es war schon kurz vor Mitternacht, als Franz Beckenbauer das Podium zu seiner ersten Pressekonferenz als Nicht-Mehr-Bayern-Funktionär betrat. Nach ein paar launigen Sätzen des bestens aufgelegten „Kaisers“ gesellte sich auch Uli Hoeneß hinzu. Für den Ex-Manager war es der erste Medienauftritt nach seiner Wahl zum Bayern-Präsidenten. Gemeinsam resümierten sie die vergangenen fünf Stunden einer historischen Jahreshauptversammlung, die für die Protagonisten viel harmonischer verlaufen war als gedacht.

Hoeneß berichtete von „Muffensausen“, als er am Freitag die Halle C1 der Neuen Messe in München-Riem betrat. „Ich habe mit mehr Druck gerechnet“, glaubte der 57-Jährige ob der bisher sportlich nicht gerade wunschgemäß verlaufenen Saison. „Am Anfang war das eine neutrale Stimmung. Am Ende hatte ich das Gefühl, dass alles sehr harmonisch war. Wir haben tolle Mitglieder“, so Hoeneß, der selbst mit für bayerische Verhältnisse imposanten 99,3 Prozent zum Vereins-Oberhaupt gekürt und anschließend mit „Uli,Uli“-Rufen gefeiert wurde.

Es war nicht der einzige emotionale Moment an diesem Abend. Als zu den Klängen von Carl Orffs Carmina Burana Bilder aus Hoeneß' bewegter Spieler- und Manager-Karriere über die Großleinwände der Messehalle flimmerten, wurde auch ihm ganz warm ums Herz. „Als der Film kam, habe ich gedacht, 'oh jetzt ist dann doch Schluss.' Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass ein ganz anderer Tag ist als sonst. Das ist schon an die Nieren gegangen“, schilderte der 57-Jährige. Nach eigener Aussage hatte er bis 16.00 Uhr in seinem Büro an der Säbener Straße gesessen und „busines as usual“ betrieben.

Zumindest bis zum Jahresende will Hoeneß, der ein sehr aktiver Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident sein möchte, daran auch nichts ändern. Erst dann komme „der Schnitt. Ich werde mich total umstellen müssen und ich werde auch bewusst nicht mit ins Trainingslager nach Dubai fahren.“ Wenn Bedarf sei, wolle er aber da sein mit „Rat und Hilfe“, speziell für seinen sportlichen Nachfolger Christian Nerlinger, „aber ohne ihn zu erdrücken.“

Der Hoeneß-Nachfolger im wirtschaftlichen Bereich muss erst noch gefunden werden. Bis zum 30 Juni 2010 soll auch diese Personalie abgeschlossen sein. Noch ist aber offen, ob es eher der „totale Fachmann“ sein soll oder „einer mit Bezug zum FC Bayern. Für die Fans ist die Beziehung zum Klub, das Herzblut sehr wichtig“, gab Hoeneß zu bedenken. „Einen, den ich im Auge habe, hat mit Bayern nicht so viel zu tun.“

Kämpferisch hatte Hoeneß zuvor bei seiner Amtsansprache zu den fast 4.800 anwesenden Mitgliedern gesprochen. „Wir müssen dieses Mia-san-mia auch leben. Wir müssen uns mehr wehren. Wir müssen der Klub sein, der, nicht arrogant, aber selbstbewusst und zielstrebig seine Ziele gnadenlos anstrebt und am Ende auch verwirklicht“, forderte Hoeneß. „Wir werden alles tun, um den FC Bayern auch sportlich dahin zu bringen, wo wir wirtschaftlich in Europa schon sind: ganz weit vorne.“

Für Beckenbauer - der ebenfalls mit einem emotionalen Filmbeitrag verabschiedet wurde - ist die Arbeit beim FCB zumindest in offizieller Funktion beendet. „Auf eine schöne Zeit“, blickte der 64-Jährige zurück und beschrieb in seiner unnachahmlichen Art und Weise noch mal den Weg des FC Bayern „vom Giesinger Dorfklub bis hin zur Weltmarke.“ Er erzählte Geschichten, von der Holzhütte damals an der Säbener Straße, in der er sich als Jugendlicher umziehen musste, und bekam Applaus. Von der Damenabteilung, die es damals eben noch nicht gab, was schade gewesen sei, „in der engen Holzhütte“.

Auch in Zukunft soll die „größte Persönlichkeit, die der FC Bayern je hervor gebracht hat“ (Rummenigge), dem FC Bayern eng verbunden bleiben: „Nach 51 Jahren kannst du ja nicht einfach sagen: Tschüss, das war's.“ Auf Lebzeiten ist Beckenbauer zu allen Veranstaltungen des Vereins eingeladen. Im August des kommenden Jahres wird er sogar noch mal eine Hauptrolle übernehmen. Dann bestreitet der FCB für den „Kaiser“ ein verspätetes Abschiedsspiel. Der Gegner hätte kaum passender sein können: Die „Königlichen“ von Real Madrid.

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