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'Herausragende Persönlichkeit'

Butts dritter Elfer-Streich gegen Juve

Gut 80 Meter werden es im Turiner Olympiastadion von einem Strafraum zum anderen sein. 80 Meter, die je nach Situation ziemlich lang werden können. Jörg Butt legte sie in der 30. Minute zurück. Alle Augen waren in diesem Moment auf ihn gerichtet, auf den Torwart des FC Bayern, der zu einer vielleicht vorentscheidenden Situation in diesem Spiel an den gegnerischen Elfmeterpunkt eilte. Es war klar: Der Strafstoß muss sitzen. Butt wusste das.

„In der Situation musst du einfach alles ausblenden“, berichtete der Routinier hinterher gelassen. Mit höchster Konzentration trat er beim Spielstand von 0:1 zum Elfmeter an. Ihm gegenüber stand sein Torwartkollege Gianluigi Buffon, einer der weltbesten Keeper überhaupt. Schon einmal hatte er ihn bezwungen. Im März 2002 traf er für Leverkusen zum 1:0 gegen Buffon und Juve. Ein Jahr zuvor hatte er bei seiner Premiere in der Champions League im HSV-Trikot ebenfalls einen Elfer gegen die Turiner verwandelt, damals gegen Edwin van der Sar.

Ob sich Butt bei den 80 Metern daran erinnerte? Sicher sei er sich gewesen, teilte er nach dem Spiel mit. „Einige Mitspieler haben mich nach vorne gerufen“, berichtete die 35-Jährige Nummer 1 des FCB - und das in Doppelfunktion. „Ich habe immer eine Reihenfolge: Butt ist eins, Robben zwei, Schweinsteiger drei. Wenn Butt in guter Verfassung ist, muss er den Elfmeter nehmen", erklärte Trainer Louis van Gaal später die ungewöhnliche Maßnahme, den Keeper schießen zu lassen. 26 Elfmeter hat Butt bereits in der Bundesliga verwandelt.

Nun also der dritte Versuch gegen die „Alte Dame“. Butt wollte anlaufen, doch Schiedsrichter Busacca unterbrach ihn dabei. Juve-Verteidiger Cannavaro hatte sich schon zu weit in den Strafraum vorgemogelt, der Schweizer Referee schickte ihn zurück. Dann gab Busacca den Ball frei. Butt nahm vier, fünf Schritte Anlauf, verzögerte kurz, schickte Buffon ins rechte Ecke und schoss dann ganz cool links unten ein. Es war die identische Ausführung wie beim ersten Mal gegen Buffon.

Vollstes Vertrauen in Elferschützen Butt

„Die Art und Weise war unglaublich", lobte Louis van Gaal seinen eiskalten Schützen „Ich habe viel Vertrauen in ihn. Wenn ich das nicht hätte, hätte er niemals den Foulelfmeter schießen dürfen." Auch Lahm hatte vollstes Vertrauen in den Schlussmann. „Er ist so erfahren, hat schon so viele Elfmeter verwandelt. Ich war sicher, dass er den Torwart wieder verlädt, das kann er einfach.“ Butt berichtete: „Ich glaube, nach dem Elfmeter war mein Herzschlag höher.“

Was für eine Woche für Jörg Butt! Am Freitag rettete er seiner Mannschaft im Spiel gegen Gladbach mit Weltklasse-Paraden das 1:1 in die Pause und legte damit den Grundstein für den späteren 2:1-Sieg. Und in Turin strahlte er einmal mehr große Sicherheit aus und beeindruckte erneut als eiskalter Schütze vom Elfmeterpunkt. „Nicht nur wegen des Elfmeters, sondern auch wegen der Leistungen in den letzten Wochen und Monaten muss ich sagen: Er ist ein herausragender Spieler und eine herausragende Persönlichkeit für den FC Bayern“, schwärmte Sportdirektor Christian Nerlinger.

Ein Titel fehlt noch

Seit Sommer 2008 steht Butt nun beim FC Bayern unter Vertrag. Als Nummer 2 hinter dem designierten Kahn-Nachfolger Michael Rensing hatten ihn die Münchner Verantwortlichen an die Säbener Straße geholt. Die letzten acht Spiele der letzten Saison stand Butt dann zwischen den Pfosten, in dieser Saison durchgehend bei allen Pflicht-Spielen seit Ende August. Ende Juni 2010 läuft sein Vertrag beim Rekordmeister aus.

„Im Moment mache ich mir keine Gedanken darüber, was im kommenden Sommer ist. Ich habe immer gesagt, dass ich spielen und der Mannschaft helfen will“, sagte Butt bescheiden wie immer. „Aber natürlich kann ich mir vorstellen auch über den Sommer hinaus hierzubleiben.“ Schon vorher soll's endlich mit seinem ersten Titel in seiner Karriere klappen, vielleicht sogar in der Königsklasse. „Die Mannschaften, die die Gruppenphase überstehen, können auch ins Finale kommen."

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