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Mario Gomez im Interview:

'Das war ein Wechselbad der Gefühle'

Mario Gomez hatte den ersten Rekord schon vor seinem ersten Spiel beim FC Bayern aufgestellt. Nie zuvor hatte sich der Rekordmeister die Unterschrift eines Spielers so viel kosten lassen wie beim Transfer des 24-jährigen Stürmers von Stuttgart nach München. Mit elf Pflichtspieltreffern ist Gomez der bisher beste Torjäger der Bayern in dieser Saison, von seinen sieben Bundesligatreffern waren sechs das erste Bayern-Tor im Spiel.

Gomez hatte aber auch schwierige Wochen beim Rekordmeister zu überstehen, als ihn Trainer Louis van Gaal nur noch als Joker einsetzte. fcbayern.de traf sich mit dem Nationalstürmer zu einem ausführlichen Fazit seines ersten halben Jahres in München. Im ersten Teil bewertet Gomez diese Zeit sportlich. Im zweiten Teil, der hier zu Beginn der nächsten Woche veröffentlicht wird, berichtet Mario, warum es ihm auch privat so gut in München gefällt.

Das Interview mit Mario Gomez, Teil 1

fcbayern.de: Mario, Du schreibst auf Deiner Homepage: Ein erfolgreiches Wochenende ist für mich ein Sieg des FC Bayern sowie drei Punkte meiner Freunde. Hat der SV Unlingen am letzten Wochenende gewonnen?
Mario Gomez: „Alle meine Freunde spielen Bezirksliga in einer Mannschaft. Die meisten kenne ich, seit ich denken kann. Ich informiere mich an jedem Wochenende, wie sie gespielt haben. Im Moment haben sie keine so gute Phase, haben glaub' ich sechs der letzten acht Spiele verloren, sind aber trotzdem noch Tabellendritter.“

fcbayern.de: Nach dem 4:1 in Turin und dem 5:1 in Bochum dürfte Dein Gemütszustand trotzdem bestens sein, oder?
Gomez: „Ja, natürlich. Das war eine perfekte Woche für uns.“

fcbayern.de: Ihr gewinnt jetzt nicht nur, sondern spielt auch richtig guten Fußball und schießt viele Tore. Warum habt Ihr damit bis kurz vor der Winterpause gebraucht?
Gomez: „Wir hatten am Anfang der Saison noch viele Probleme. Neuer Trainer, neue Mannschaft, neue Spieler, neues System, neue Trainingsarbeit - daran mussten sich alle erst gewöhnen, alles musste sich erst einspielen. Das hat dann länger gedauert, auch als vom Trainer veranschlagt, weil wir in unseren Ergebnissen keine Konstanz hatten. Und das ist nun mal das Wichtigste, gerade beim FC Bayern: Die Spiele zu gewinnen. Zuletzt ist uns das dann gut gelungen. Das Selbstvertrauen ist beim jedem einzelnen von Sieg zu Sieg mehr gewachsen, und dann gewinnst du auch deine Spiele irgendwann deutlicher, dann setzt sich auch die große individuelle Klasse mehr und mehr durch, die bei uns im Team herrscht.“

fcbayern.de: Viele Experten haben gesagt: So gut wie in Turin hat international eine Mannschaft des FCB seit langem nicht gespielt.
Gomez: „Wir wussten einfach, dass wir gut drauf sind und haben zu keiner Minute des Spiels Zweifel gehabt, dass wir rausfliegen könnten. Es war für alle klar, dass wir das Spiel gewinnen. Nach dem 0:1 dache ich kurz: shit. Aber dann dachte jeder sofort: Dann müssen wir halt zwei Tore machen. Man hat von Anfang der Reise bei jedem gespürt: Wir kommen weiter!“

fcbayern.de: Wie schön wäre es jetzt, noch die Herbstmeisterschaft zu gewinnen?
Gomez: „Natürlich wäre das schön, ist aber eigentlich nicht so wichtig. Wichtig ist, dass wir am 34. Spieltag ganz oben stehen. Wir wollen das Spiel gegen Hertha gewinnen, das ist das primäre Ziel.“

fcbayern.de: Von der Papierform her sollte das gegen den Tabellenletzten eine klare Angelegenheit werden.
Gomez: „Wir haben letzte Woche mit der ganzen Mannschaft vor dem Fernseher verfolgt, wie schwer sich Leverkusen gegen Hertha getan hat. Jetzt sind sie auch noch in der Europa League weiter gekommen. Das könnte durchaus ein Geduldspiel für uns werden, aber wenn wir mindestens genauso konzentriert und engagiert auftreten wie die Berliner, dann werden wir das Spiel auch gewinnen.“

fcbayern.de: Du hast neben Philipp Lahm als einziger Spieler alle Pflichtspiele mitgemacht. Wie lautet bis dato Dein persönliches Fazit der Zeit beim FC Bayern?
Gomez: „Ich würde sagen, das war ein Wechselbad der Gefühle. Ich bin mit viel Selbstbewusstsein nach München gekommen, mit viel Energie und großer Vorfreude, wie ich es so in meiner Karriere vielleicht noch nie hatte. Ich habe mich dann im Klub schnell eingefunden, auch privat war ich schnell glücklich in München. Dann sind am Saisonanfang die Ergebnisse ausgeblieben und der Trainer hat etwas verändern wollen und hat mich aus der Mannschaft genommen, obwohl ich meine Tore gemacht habe. Das war schon schwer zu verstehen.“

fcbayern.de: Wie hat Van Gaal diesen Schritt begründet?
Gomez: „Er sagte, die Abstimmung mit meinen Mannschaftskollegen würde nicht passen. Dann war ich erst mal raus und habe mir natürlich viele Fragen gestellt, war verunsichert. Das war keine einfache Zeit. Aber ich habe mir dann gesagt: Jetzt musst du im Training einfach Gas geben bis zum Umfallen und den Trainer von dir überzeugen. Arbeit wird im Leben meistens belohnt. Vor dem Leverkusen-Spiel hat Van Gaal dann zu mir gesagt, dass er die nächsten Spiele auf mich setzen wird. Das hat mir einen Schub gegeben und seitdem ist es für mich hier beim FC Bayern so, wie ich mir das vorher vorgestellt habe: Wir gewinnen und ich kann meinen Teil dazu beitragen.“

fcbayern.de: Das kann man nur bestätigen: Sechs Deiner sieben Saisontore waren der erste Bayern-Treffer im Spiel.
Gomez: „Gerade gegen defensiv eingestellte Mannschaften kann das 1:0 sehr wichtig sein. Deswegen denke ich, dass ich und auch die Mannschaft auf einem guten Weg sind. Aber noch haben wir nichts erreicht. Wir dürfen uns nicht zurücklehnen und ich bin mir auch sicher, dass wir noch besser spielen können als gegen Turin oder in Bochum.“

fcbayern.de: Hast Du vielleicht Deine Spielweise verändert oder verändern müssen, um wieder in die Startelf zu kommen?
Gomez: „Natürlich habe ich versucht, das umzusetzen, was der Trainer von mir gefordert hat. Und natürlich ist die Spielweise beim VfB insgesamt anders gewesen. Da haben wir mehr auf Konter gespielt, hier beim FC Bayern sind wir viel mehr in der gegnerischen Hälfte. Darauf musste ich mich erst einstellen. Und prinzipiell ist jetzt nach einen halben Jahr auch die Abstimmung mit meinen Nebenleuten besser. Sie wissen, wie ich mich bewege und ich weiß, wie sie sich bewegen. Aber ich weiß auch, was meine Stärken sind, wegen denen mich der FC Bayern ja auch verpflichtet hat, und genau die werde ich auch weiterhin versuchen einzubringen.“

fcbayern.de: Wie wichtig ist für einen Stürmer, Vertrauen zu spüren, speziell vom Trainer?
Gomez: „Das ist sehr wichtig. Ich glaube, das ist das Wichtigste überhaupt für einen Stürmer, wenn du weißt, dass du dir keine Gedanken machen musst, wenn mal eine Aktion daneben geht. Für einen Stürmer ist es nicht gut, wenn er ins Grübeln gerät.“

fcbayern.de: Ist das Bayern-Trikot schwerer als das des VfB?
Gomez: „Nein, überhaupt nicht. Ich bin davon überzeugt: Wenn ich gesund bin und spielen darf, schieße ich Tore. Ich hatte in der Bundesliga noch nie eine Phase von mehr als fünf Spielen, in denen ich nicht getroffen habe. Ich weiß, dass ich die Qualität habe, Tore zu schießen. Und ich wusste auch, dass ich beim FC Bayern meine Tore machen werde.“

fcbayern.de: Dein direkter Nebenmann ist seit fünf Spielen Ivica Olic. Wie sehr profitierten Du und ihr alle von ihm?
Gomez: „Jeder in der Bundesliga weiß, dass der Ivi im Körper irgendwo einen zweiten Motor eingebaut hat. Er gibt immer Gas, powert sich immer aus und zieht mit seinem Elan und seiner Aggressivität die ganze Mannschaft mit. Ich habe ja schon mal gesagt: der steht im Spiel irgendwann neben dir und kann kaum noch atmen. Und dann zieht er wieder den nächsten Sprint über den halben Platz an.“

Das Interview führte: Dirk Hauser

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