präsentiert von
Menü
Hunger auf mehr

FCB will nach der Winterpause nachlegen

Den perfekten Hinrundenabschluss kosteten die Bayern so lange aus wie möglich. „Der letzte Bus fuhr um Viertel nach vier zurück nach München“, berichtete Uli Hoeneß von einer beschwingten Weihnachtsfeier in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Bei Festtagssuppe, Gambas-Salat, Gänse- und Entenbraten ließen Mannschaft, Trainer und Verantwortliche das Fußballjahr ausklingen. Die nötige Festtagsstimmung hatte der FCB nach dem 5:2 (3:0)-Erfolg gegen Hertha BSC Berlin selbst mit an den idyllisch verschneiten Tegernsee gebracht.

„Das war heute eine sehr gute Leistung der Mannschaft und ein versöhnliches Ende für die Fans“, bilanzierte Christian Nerlinger „eine intensive Vorrunde mit Höhen und Tiefen“. Der FCB-Sportdirektor war „sehr froh, dass wir mit einem Hoch aufgehört haben. Wir haben in allen Wettbewerben eine hervorragende Ausgangsposition, wir haben alles selbst in der Hand. Jetzt können wir sehr beruhigt in den Weihnachtsurlaub gehen.“

Auch Louis van Gaal freute sich über „ruhige Weihnachten. In den letzten Wochen haben wir sehr große Schritte gemacht.“ Sechs Siege in Folge, davon vier in der Bundesliga, fuhr seine Mannschaft zuletzt ein. Insgesamt ist der FCB seit zehn Ligaspielen unbesiegt, feierte zuletzt drei Tor-Galas in Folge (4:1 in Turin, 5:1 in Bochum, 5:2 gegen Berlin) und überwintert in der Bundesliga auf Platz drei, nur zwei Punkte hinter Herbstmeister Leverkusen. Wenige Wochen zuvor hatte der Rückstand noch acht Zähler betragen.

„Wir haben damit gerechnet, dass es holprig wird zu Beginn. Es hat etwas länger gedauert, aber jetzt sind die Automatismen da“, sagte Nerlinger, der Van Gaal „ein Riesenkompliment“ machte: „Es hat gewaltigen Druck von außen gegeben. Aber Louis van Gaal war wie ein Fels in der Brandung.“ Zudem haben sich die Spieler „selbst in die Pflicht genommen“, wie Jörg Butt berichtete: „Wichtig war, dass wir gerade in der Phase, als der Druck von außen sehr groß war, ruhig geblieben sind und wir uns als Mannschaft zusammengerauft haben.“

Für Philipp Lahm war der 1:0-Sieg gegen Maccabi Haifa und die zeitgleiche Niederlage von Turin in Bordeaux Ende November der Knackpunkt der Hinrunde. „Da haben wir gesehen, dass wieder alles möglich ist. Das hat der Mannschaft einen Schub gegeben.“ Und seitdem lief es immer besser beim FCB, bis beim 4:1 in Turin endgültig der Knoten platzte.

'Können immer nachlegen'

Zum Abschluss sorgten die Bayern gegen Hertha BSC noch einmal für ein Ausrufezeichen. Daniel van Buyten (16. Minute), Mario Gomez (31.), Arjen Robben (33.), Thomas Müller (60.) und Ivica Olic (77.) erwärmten mit ihren Toren die 69.000 Zuschauer in der eisigen Allianz Arena, die Mitte der zweiten Halbzeit sangen: „Oh, wie ist das schön!“ Lahm meinte: „Man hat gesehen: Wenn wir mal das 1:0 machen, wird es schwer, uns zu schlagen. Dann sind wir so gut, dass wir immer nachlegen können.“

Van Gaal lobte nach dem Schlusspfiff die „Art und Weise“, mit der seine Mannschaft die Hertha dominiert und die Tore herausgespielt hatte. „So wollen wir immer auftreten.“ Die zwei Gegentreffer durch Adrian Ramos (71.) und Raffael (90.) störten die Freude im FCB-Lager nicht. „Wir haben klar geführt, hatten das Spiel total im Griff, da schleicht sich eine gewisse Lockerheit ein und deswegen kriegt man so dämliche Gegentore“, sagte Butt, „ich bin überzeugt, beim Stand von 1:0 passiert uns das nicht.“

Mit Ribéry in die Rückrunde

In den letzten vier Ligaspielen erzielten die Bayern 15 Treffer, also fast die Hälfte aller ihrer 34 Hinrunden-Tore. „Genau das hat uns gefehlt in der Phase, in der wir sehr kritisiert wurden“, analysierte Butt, „auch damals haben wir teilweise sehr gut gespielt, aber vorne nicht die letzte Entschlossenheit gehabt, um die Tore zu machen. Das ist jetzt besser geworden.“ Van Gaal sagte: „Da spielen Gomez und Olic eine große Rolle.“

Und nach der Winterpause wollen sich die Bayern weiter verbessern. „Wir haben auf alle Fälle noch Luft nach oben“, ist Holger Badstuber überzeugt. Auch die Rückkehr von Franck Ribéry nährt die Hoffnungen der Münchner für die Rückrunde. „Ich denke, dass wir mit Franck Ribéry wahrscheinlich noch Besseres leisten können“, sagte Van Gaal, „und wenn wir Besseres leisten als die letzten Wochen, haben wir große Chancen, etwas zu holen - einen Titel, meine ich.“

'Noch nicht auf Platz eins'

Doch erst einmal beendet die Winterpause die Aufhol- und Titeljagd des Rekordmeisters. „Ich ärgere mich, dass Weihnachten kommt. Denn ich denke, wir hätten auch die nächsten Spiele so weitergespielt“, meinte Gomez. Van Buyten fügte an: „Andererseits ist die Pause aber auch nicht schlecht, um neue Kräfte zu sammeln.“

Und die können die Bayern brauchen, um das Titelrennen in Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal erfolgreich fortzusetzen. Van Buyten erwartet einen „harten Kampf bis zum Ende“. Mit den letzten Ergebnissen habe der FCB „ein Zeichen gesetzt, dass wir wieder zurück sind.“ Aber eben noch nicht ganz oben. Von der Winterpause dürfe man sich daher „nicht aufhalten lassen“, betonte Gomez: „Noch sind wir nicht auf Platz eins. Und solange wir da nicht sind, sind wir auch nicht gut genug.“ Der FC Bayern hat Hunger auf mehr.

Weitere Inhalte