präsentiert von
Menü
Hermann Gerland

'Immer schön, zurück zu kehren'

Wenn der FC Bayern am Samstag beim VfL Bochum antritt, dann ist das für Hermann Gerland kein Spiel wie jedes andere. Der Co-Trainer des FCB ist in Bochum geboren, hat für den VfL über 200 Mal in der Bundesliga gespielt und wurde dort auch Trainer im Fußball-Oberhaus. „Aber wenn wir gegen den VfL spielen, ist es nicht so, dass ich überlegen muss, wem ich die Daumen drücke“, sagte der „Tiger“ im Interview mit fcbayern.de.

Das Interview im Überblick:

fcbayern.de: Herr Gerland, dürfen wir annehmen, dass das Spiel am Samstag einen besonderen Stellenwert für Sie persönlich hat?
Hermann Gerland: „Ich komme aus Bochum, meine Mutter, meine Schwiegermutter und meine Geschwister wohnen dort und ich habe da noch einige Freunde. Aber wenn wir gegen den VfL spielen, ist es nicht so, dass ich überlegen muss, wem ich die Daumen drücke. Ich bin hier sehr zufrieden beim FC Bayern.“

fcbayern.de: Auf der Homepage des VfL werden Sie bei den VfL-Legenden aufgeführt. Die Überschrift lautet: Hermann Gerland: 100% Bochum.
Gerland: „Ich bin in Bochum geboren, war dort Spieler und danach Trainer in der Bundesliga. So was prägt natürlich und ich habe dem VfL sehr viel zu verdanken. Ich habe heute schon mit meiner guten Freundin Christa von der Geschäftsstelle telefoniert, auch mit alten Weggefährten wie Ata Lameck, Uwe Leifeld und Frank Heinemann reißt die Verbindung nicht ab. Er hat mir als Erster nach dem Sieg in Turin per SMS gratuliert. Da ist es natürlich immer schön, nach Bochum zurück zu kehren.“

fcbayern.de: Wie schön wäre ein Sieg in Bochum?
Gerland: „Ganz klar: Wir wollen in Bochum gewinnen, und wenn wir mit der richtigen Einstellung ins Spiel gehen, wird das auch gelingen. Wir wollen aus den beiden letzten Spielen bis zur Winterpause sechs Punkte holen. Außerdem bin ich am Sonntag bei unserem Fanklub Ruhrpott-Bazis zu Besuch. Da will dich doch nicht mit leeren Händen hinkommen.“

fcbayern.de: Sehen Sie nach dem glanzvollen Sieg in Turin die Gefahr, dass der FC Bayern Bochum unterschätzen könnte?
Gerland: „Wenn wir nicht zu 100 Prozent konzentriert sind und kämpferisch dagegenhalten, dann könnte es sein, dass wir uns schwer tun werden. Es wird sowieso nicht einfach. Bochum steht mit dem Rücken zur Wand und man weiß ja, dass alle Mannschaften gegen den FC Bayern immer extrem motiviert sind. Wenn es dem VfL gelingt, die Klasse zu halten, dann haben Mannschaft, Trainer und Klub etwas Großartiges geleistet. Das ist genauso hoch einzuschätzen wie eine Meisterschaft beim FC Bayern. Aber Louis van Gaal wird schon dafür sorgen, dass die Mannschaft den Gegner nicht unterschätzt.“

fcbayern.de: Wie meinen Sie das?
Gerland: „Er bereitet die Mannschaft vor jedem Spiel unglaublich akribisch vor. Er weiß alles über den Gegner und achtet auf alles - das kann man sich nicht vorstellen, wenn man nicht selbst mal dabei war. Das ist alles unglaublich akribisch. Ich gehe davon aus, dass wir mit einer hundertprozentigen Einstellung in das Spiel gehen werden und hoffentlich dann die drei Punkte mit nach Hause nehmen.“

fcbayern.de: Sie sind jetzt seit fast 25 Jahren Trainer. Haben Sie da von Louis van Gaal noch etwas lernen können?
Gerland: „Er ist ein überragender Fachmann. Ich kann Spieler sehr gut beurteilen und ausbilden und war auch ein guter Trainer, aber ich habe im letzten halben Jahr im Bereich des Coachings einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Darüber bin ich sehr froh. Van Gaal verlangt sehr viel von den Spielern, aber wir sind Bayern München. Wir sind der Topverein in Deutschland, das Maß aller Dinge. Da müssen die Spieler das auch umsetzen können. Und Van Gaal will den Erfolg. Er will Meister werden, er will den Pokal gewinnen und irgendwann auch die Champions League.“

fcbayern.de: Sie haben Holger Badstuber und Thomas Müller als Trainer der zweiten Mannschaft geformt. Haben Sie damit gerechnet, dass beide in ihrer ersten Profi-Saison gleich so durchstarten und Stammspieler werden?
Gerland: „Das ist schon eine beachtliche Leistung dieser beiden Spieler. Aber so eine Entwicklung hängt doch immer auch davon ab, ob ein Trainer sagt: Ich arbeite gerne mit jungen Spielern oder eher nicht. Louis van Gaal arbeitet gerne mit jungen Spielern und steht auch zu den Jungs, wenn sie mal Fehler machen.“

fcbayern.de: Inwieweit haben gerade auch Sie die beiden gefördert?
Gerland: „Ich halte es für meine Verpflichtung, wenn man hier beim FC Bayern erstklassige Talente hat, sie auch weiterzuentwickeln. Das war immer schon meine Hauptaufgabe und auch meine größte Fähigkeit zu erkennen: Wer ist in der Lage, Bundesliga zu spielen und wer auch beim FC Bayern. Das sind ja zwei verschiedene Paar Stiefel. Holger kenne ich schon, als er noch ein kleiner Junge war. Ich war sehr gut befreundet mit seinem Vater. Aber natürlich werden er und Thomas von mir genauso kritisch beurteilt wie alle anderen Spieler auch. Vielleicht bin ich mit ihnen sogar noch kritischer.“

fcbayern.de: Louis van Gaal hat neulich angedeutet, dass die nächsten Talente schon auf dem Sprung stehen.
Gerland: „Heute hat David Alaba bei uns mittrainiert. Das war eine Augenweide, was der bei uns gemacht hat. Ich habe schon vor einem Jahr gesagt: Bei Alaba steht Bundesligaspieler drauf, 100prozentig. Warten wir mal ab, was wir da noch alles nach oben holen können. Entscheidend wird auch sein, wie die Jungs mit dem Druck klarkommen werden, plötzlich vor 60.000 gegen jemanden zu spielen, der schon 100 Bundesligaspiele gemacht hat.“

fcbayern.de: Tun Sie sich im Umgang mit einem Spieler, den sie selbst mitausgebildet haben, leichter als mit einem Star wir Luca Toni oder Franck Ribéry?
Gerland: „Nein, ich sage allen Spielern, was ich denke. Bei dem einen oder anderen bin ich vielleicht etwas moderater. Aber grundsätzlich bin ich bei allen Spielern gleich. Ich kann als Co-Trainer mich ja auch nicht nur um die eigenen Leute kümmern.“

Das Gespräch führte: Dirk Hauser

Weitere Inhalte