präsentiert von
Menü
Nerlingers Hinrundenbilanz

'Man sieht eine Handschrift'

Nach seinem ersten halben Jahr als Sportdirektor des FC Bayern zieht Christian Nerlinger im Weihnachtsinterview mit FCB.tv eine positive Bilanz: „Wir haben in allen drei Wettbewerben hervorragende Voraussetzungen für die Rückrunde.“ Der 36-Jährige ist überzeugt, „dass wir in der Rückrunde durchstarten werden. Ich glaube, dass wir mit dieser Mannschaft auch in Europa schwer zu schlagen sind, wenn wir uns in Bestform präsentieren.“

Lesen Sie hier Auszüge aus dem FCB.tv-Interview mit Nerlinger. Der Sportdirektor des Rekordmeisters spricht über seine neue Aufgabe, blickt auf die sportliche Entwicklung der Mannschaft zurück und gibt Einblick in die Personalplanungen des FC Bayern.

Das Interview mit Christian Nerlinger:

fcbayern.de: Herr Nerlinger, wie war das erste halbe Jahr als Sportdirektor?
Nerlinger: „Sehr positiv. Ich wachse jetzt immer mehr in eine Verantwortung hinein. Komischerweise spüre ich überhaupt keinen Druck. Das führe ich in erster Linie darauf zurück, wie Uli Hoeneß mit mir von Anfang an umgegangen ist. Er hat mich immer wieder zur Seite genommen, hat mir Ratschläge geben, aber er hat nie einen künstlichen Druck aufgebaut, indem er seine eigene Leistung in den Vordergrund gestellt hat. Es war eher anders: Er hat mir sehr menschliche Geschichten aus seiner Anfangszeit als Manager erzählt, über die man auch mal lachen konnte. Das nimmt total den Druck weg.“

fcbayern.de: Wie zufrieden sind Sie sportlich mit dem ersten halben Jahr?
Nerlinger: „Sehr zufrieden. Wir haben in allen drei Wettbewerben hervorragende Voraussetzungen für die Rückrunde. Sicherlich hatten wir nicht unbedingt eine homogene Vorrunde. Wir hatten viele Veränderungen und sind schleppende aus den Startlöchern gekommen. Umso schöner ist es, dass die Mannschaft in der wichtigen Phase der Saison - ich spreche von den Spielen gegen Haifa und in Turin - Charakter gezeigt und eine unglaubliche Leistung gebracht hat. Wie sich die Mannschaft in den letzten Spielen präsentiert hat, mit welcher Leichtigkeit die Spiele gewonnen wurden und die Spieler aufgetreten sind, war beeindruckend. Das gibt mir große Hoffnung für die Zukunft. Ich glaube, dass sich aus dem Inneren der Mannschaft jetzt ein Gerüst entwickelt, auf das wir zurückgreifen können, das die Dinge selbst in die Hand nehmen wird. Ich glaube, dass das eine gute Voraussetzung für Erfolg ist.“

fcbayern.de: Was sind die Gründe für den Aufschwung?
Nerlinger: „Es gibt mehrere Faktoren. Wir hatten Verletzungspech, erst in den letzten Wochen konnte Van Gaal auf dieselbe Formation zurückgreifen. Die Spieler haben seine Vorgaben mehr und mehr verstanden. Und die Philosophien von Van Gaal und Bayern München sind sich näher gekommen. Van Gaal ist eine sehr starke, dominante Persönlichkeit, Bayern München der erfolgreichste deutsche Verein. Man muss einfach begreifen, dass es nur geht, wenn man sich in ein Boot setzt und die Dinge gemeinsam angeht. Da hat in den letzten Monaten etwas stattgefunden, was auch zum Erfolg beiträgt.“

fcbayern.de: Finden Sie es schade, dass die Winterpause den Lauf des FC Bayern jetzt unterbricht?
Nerlinger: „Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass die Mannschaft diese Leistung konservieren kann. Und ich bin froh, dass wir die Mannschaft mit so einem Hochgefühl in Urlaub schicken konnten. Es ist ein Unterschied, ob man am 3. Januar nach so einer Phase wieder zusammenkommt oder nach einer Niederlagenserie.“

fcbayern.de: Im letzten Jahr war der FC Bayern nach einem schwierigen Start zur Winterpause auch fast noch Herbstmeister. Alle waren sich damals sicher, dass es in der Rückrunde einen Durchmarsch des FC Bayern geben würde. So ist es aber nicht gekommen. Warum wird es dieses Jahr anders?
Nerlinger: „Der Begriff ‚Prozess‘ wurde in den letzten Jahren öfters missbraucht. Das ist oft ein Hilferuf: ‚Gebt uns Zeit!‘ Die Frage ist, was wirklich dahinter steckt. Unter Louis van Gaal sieht man eine Entwicklung, eine Handschrift. Das gibt mir die Überzeugung, dass wir in der Rückrunde durchstarten werden.“

fcbayern.de: Was trauen Sie der Mannschaft international zu?
Nerlinger: „So wie sich die Mannschaft jetzt stabilisiert hat, wie sie sich intern und auf dem Platz dargestellt hat, gibt mir schon Hoffnung. Einen Champions-League-Sieg kann man natürlich nie planen. Allerdings glaube ich, dass wir mit dieser Mannschaft auch in Europa schwer zu schlagen sind, wenn wir uns in Bestform präsentieren.“

fcbayern.de: Wird es in der Winterpause zu Veränderungen im Kader kommen?
Nerlinger: „Sicherlich. Wir haben mit dem einen oder anderen unserer Spieler Gespräche geführt. Ich habe immer betont, dass wir offen sind für Gespräche mit unzufriedenen Spielern, die überhaupt nicht ihre Einsatzzeiten bekommen haben oder die Vorrunde sogar nur auf der Tribüne erlebt haben. Wenn es da Möglichkeiten gibt, sind wir gesprächsbereit.“

fcbayern.de: Nicht zufrieden ist zum Beispiel Luca Toni.
Nerlinger: „Über Luca Toni wurde ausreichend diskutiert. Uli Hoeneß hat sich am Sonntag im ‚Doppelpass‘ noch einmal dazu geäußert. Wir lassen uns überraschen.“

fcbayern.de: Könnten auch neue Spieler zum Kader hinzukommen, vielleicht auch aus der eigenen Jugend?
Nerlinger: „Das hängt davon ab, wie sich unser Kader verändert. Wir haben 26 Mann und werden sicherlich nicht mit mehr Spielern ins Trainingslager gehen. Aber wenn es Veränderungen gibt, haben wir den einen oder anderen im Auge, den wir nach oben ziehen werden.“

fcbayern.de: Toni Kroos hat in der Hinrunde bei Bayer Leverkusen aufgetrumpft. Wird er im Sommer zum FC Bayern zurückkehren?
Nerlinger: „Grundsätzlich wollen wir bei Bayern München immer die besten Spieler haben und Toni ist auf dem Weg dazu, einer zu werden. Hintergrund des Ausleihgeschäftes war ja, ihm die Möglichkeit zu geben, Spielpraxis zu sammeln und sich zu entwickeln. In den letzten Spielen ist er zu einer sehr dominanten Figur bei Bayer Leverkusen gereift. Deswegen ist er sicherlich ein Thema. Aber es muss natürlich auch erst einmal mit dem Spieler selbst Gespräche geben. Ich wehre mich immer dagegen, Fußballer als reine Tauschobjekte zu sehen.“

fcbayern.de: Bei einigen Spielern, wie Mark van Bommel, Jörg Butt oder Daniel van Buyten, läuft der Vertrag am Saisonende aus. Wird es da in Dubai Gespräche geben?
Nerlinger: „Priorität eins wird in Dubai sein, dass die Mannschaft eine gute Vorbereitungsphase hat. Wir haben eine 14-tägige Vorbereitung, in der wir die Voraussetzung für eine erfolgreiche Saison schaffen müssen. In Dubai werde ich in erster Linie darauf aufpassen, dass die Bedingungen wirklich optimal sind. Vertragsgespräche wird es dort sicherlich nicht geben. Die Mannschaft entwickelt sich momentan hervorragend und ich möchte das Frühjahr abwarten, um zu sehen, wie sich diese Entwicklung weiter vollzieht. Wir haben dann noch genug Zeit, die entsprechenden Gespräche zu führen.“

Das Interview führte: Herbert Steffe