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'Und das ohne Ribéry…'

Bayern machen 'großen Schritt'

Breitbeinig stand er am Sonntagmittag wieder auf dem Trainingsplatz des FC Bayern. Die Stoppuhr und Trillerpfeife um den Hals, die Hände tief in den Taschen seiner roten Winterjacke beobachtete er ganz genau, wie die Spieler trainierten. Und immer wenn ihm etwas auffiel, durchzuckte es ihn. Dann riss er die Hände aus Taschen, gestikulierte, lobte, kritisierte, erklärte. Louis van Gaal war wieder einmal der Lauteste auf dem Rasen. Keine Frage, der Holländer gibt den Ton an beim deutschen Rekordmeister. Und die Mannschaft hört auf ihn.

„Was eine Mannschaft nach zwei Wochen merkt, ist, ob einer ein Blinder ist oder ob er Ahnung hat“, sagte Christian Nerlinger, „die Spieler haben von Anfang an gemerkt, dass er einer ist, der eine Mannschaft aufbauen und entwickeln kann.“ Genau das war Van Gaals Aufgabe in seinem ersten halben Jahr als Bayern-Cheftrainer.

Robben, Gomez, Olic, Badstuber, Müller - fünf Spieler und damit fast die halbe Mannschaft hat sich beim FC Bayern geändert, wenn man die Aufstellung vom Freitag (2:0 gegen Hoffenheim) mit der vom letzten Spieltag der vergangenen Saison vergleicht. Auch die Spielweise hat sich grundlegend gewandelt. „Es ist ein enormer Unterschied, wie wir jetzt spielen. Es ist Struktur da, es ist klar, was wir spielen wollen“, berichtete Philipp Lahm.

'Ein gewisser Prozess'

Bis der neue Trainer und die neue Mannschaft gemeinsam auf die Erfolgsspur einbogen, dauerte es natürlich. „Für den Trainer waren Bundesliga und die Mannschaft Neuland, für uns waren auch viele Dinge neu“, blickte Jörg Butt zurück, „das war ein gewisser Prozess.“

Dieser Prozess ist inzwischen weit fortgeschritten. Das 2:0 gegen Hoffenheim am vergangenen Freitag war der siebte Pflichtspielsieg in Folge. „Wir haben so weitergemacht, wie wir vor der Winterpause aufgehört haben. Das ist sehr wichtig. Ich denke, es war ein großer Schritt“, war Van Gaal zufrieden.

Rangnick sieht Van Gaals Handschrift

Dennoch waren dem scharfen Auge des Bayern-Trainers auch wieder einige Dinge aufgefallen, an denen es noch zu arbeiten gilt. „In der ersten Hälfte haben wir den Raum nicht eng gemacht und viele Fehlpässe gespielt“, bemängelte er, „das werden wir besprechen.“ In der zweiten Halbzeit habe die Mannschaft dann „gezeigt, was wir können - und das ohne Ribéry.“

Auch Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick war beeindruckt: „Vor allem wenn sie in Ballbesitz sind, sieht man die Handschrift von Louis van Gaal. Wenn man in Rückstand gerät, wird es für jeden Gegner schwer.“ Dabei ließen die Bayern gegen Hoffenheim noch viele Chancen aus. „Wir hätten noch mehr Tore machen können“, sagte Mario Gomez, „aber vorm Tor hat heute immer der letzte Tick gefehlt. Diesen Tick müssen wir uns jetzt wieder erarbeiten.“

Die nächste Aufgabe: Ribéry

Noch stärker soll auch Franck Ribéry die Mannschaft machen. Nach überstandener Knie- und Zehenverletzung steht der französische Wirbelwind endlich vor seinem Comeback. „Das wird unserer Mannschaft noch mal einen gewissen Schub und einen Schuss Qualität geben“, ist Karl-Heinz Rummenigge überzeugt. Beim nächsten Spiel am kommenden Samstag in Bremen soll Ribéry erstmals seit dreieinhalb Monaten wieder zum Bayern-Kader gehören.

Ihn in die funktionierende Mannschaft zu integrieren, ist Van Gaals nächste Aufgabe - „während der Saison“, betonte der Holländer, „das ist schwierig.“ Doch wenn man Van Gaal auf dem Trainingsplatz mit der Mannschaft arbeiten sieht, zweifelt man nicht daran, dass es gelingen wird.

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