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Ein Tor gegen das Heimweh

Demichelis zeigt alte Tugenden

Es war bislang noch nicht die Saison des Martin Demichelis. Nach einem Bänderriss im Sprunggelenk war der Innenverteidiger des FC Bayern in der Vorrunde lange ausgefallen, erst zum Ende der Hinrunde kämpfte sich der Argentinier wieder in die Mannschaft. Doch der fehlende Spielrhythmus war ihm deutlich anzumerken, immer wieder brachte er sich mit leichtsinnigen Fehlern um den Lohn einer soliden Leistung.

Beim 2:0-Erfolg des FCB zum Rückrundenstart gegen 1899 Hoffenheim aber sahen die Fans des Rekordmeisters wieder den „alten Micho“, wie er selbst im Gespräch mit fcbayern.de sagte. In der Defensive zuverlässig und kompromisslos, mit 71 Prozent gewonnener Zweikämpfe bester Spieler auf dem Platz, und in der Offensive mit Tordrang und als „Türöffner“ mit dem wichtigen 1:0-Führungstreffer - Martin Demichelis ist wieder da.

„Es ist lange her, dass ich das letzte Mal getroffen habe“, meinte der 29-Jährige, der zuletzt vor acht Monaten beim 3:1-Sieg in Cottbus ein Tor erzielt hatte. „Es ist immer schön für einen Abwehrspieler, wenn er mit nach vorne geht und dann belohnt wird. Es freut mich, dass mir das Führungstor gelungen ist, das Spiel war zu der Phase sehr umkämpft und ausgeglichen“, so Demichelis weiter.

Mehr Freude als sein Tor bereitete ihm aber die Tatsache, dass „die Mannschaft gewonnen hat, dass wir gut gespielt und uns viele Chancen herausgespielt haben. Wir haben selbst wenig Chancen zugelassen, das zeigt, dass die Mannschaft funktioniert.“ Es sei „sehr wichtig“ gewesen, mit einem Erfolg aus der Winterpause zu starten und die Serie von zuletzt vier Siegen in Folge auszubauen. „Diese Kontinuität gibt uns allen Selbstvertrauen.“

Viel Kraft gekostet

Selbstvertrauen ist das Stichwort im Zusammenhang mit Demichelis, der sich nach einem „sehr guten“ Trainingslager in Dubai körperlich wieder fit fühlt. „Das gibt mir das Vertrauen, gute Leistungen zu bringen“, gab er sich zuversichtlich für die zweite Saisonhälfte. Das erste halbe Jahr hingegen sei für ihn „nicht zufriedenstellend“ verlaufen. „Ich war verletzt, ich musste mich wieder ran kämpfen, das hat viel Kraft gekostet, auch im Kopf.“

Demichelis fieberte sehnsüchtig der Winterpause entgegen, um in seiner Heimat „ein paar freie Tage zu haben und ein wenig abzuschalten.“ Bei sommerlichen 30 Grad konnte „Micho“ den frostigen Temperaturen in München entfliehen und im Kreise seiner Familie den Akku wieder aufladen, um im Trainingslager in Dubai wieder voll anzugreifen. „Ich bin heiß“, hatte Demichelis unlängst in einem Interview mit dem Fachmagazin „kicker“ gesagt.

Letzter Südamerikaner

Im gleichen Interview berichtete er aber auch von seinem Heimweh nach Argentinien. „Dort ist mein Land, meine Familie, meine Geschichte. Ich vermisse einiges aus meiner Heimat.“ Verstärkt wird seine Sehnsucht durch die jüngsten Abgänge von José Sosa und Breno. Damit ist Demichelis, der seit 2003 für den FCB kickt und nach Bastian Schweinsteiger der dienstälteste Bayern-Profi ist, der letzte verbliebene Südamerikaner im Kader des Rekordmeisters.

„Es ist immer schwierig, in den Südamerikanern die Liebe zu wecken, wenn draußen minus fünf Grad sind“, zeigte FCB-Sportdirektor Christian Nerlinger Verständnis für Demichelis‘ Sehnsucht. „Wenn im Frühling die Sonne wieder rauskommt, schaut das wieder anders aus. Das Tor wird ihm helfen“, ist sich Nerlinger sicher. Und spätestens wenn Freundin Evangelina und Söhnchen Martin Junior, dem er seinen Torjubel widmete, demnächst wieder in München sind, könnte es doch noch die Saison des Martin Demichelis werden.

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