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Demonstration der Stärke

'Werden von Woche zu Woche besser'

Louis van Gaal sah die Gefahr in Person von Arjen Robben auf sich zukommen und wollte die Flucht ergreiffen. Doch auf der feucht-glatten Tartanbahn des Bremer Weserstadions hatte er mit seinen eleganten Herrenschuhen keine Chance. Der Bayern-Coach rutsche aus, geriet ins Taumeln und landete schließlich auf dem Rücken. Mit nach oben ausgetreckten Armen ergab er sich und empfing Torschütze Robben zum Jubel.

Eine Szene mit Symbolcharakter? Von wegen! Van Gaal war an diesem Nachmittag in Bremen der einzige Münchner, der zu Boden ging. Nach einem denkwürdigen Spiel gewann der FC Bayern bei Pokalsieger Werder hochhochverdient mit 3:2 (2:1) und kletterte für eine Nacht an die Tabellenspitze. (Leverkusen holte sich am Sonntag mit einem souveränen 3:0-Erfolg in Hoffenheim Platz eins wieder zurück). „Ich bin heute ein sehr glücklicher Trainer“, sagte Van Gaal mit Fingerverband: „Ich habe mir einen blutigen Finger geholt. Das macht aber nichts, wenn man 3:2 gewinnt.“

„Nur 3:2“, wie der 58-jährige Fußballlehrer betonte. „Es ist unglaublich, wir hätten viel höher gewinnen können.“ Ein 5:1 hätte in etwa dem Spielverlauf wiedergegeben, meinte Van Gaal. „Wir hätten heute vielleicht zehn Tore machen können“, sagte „Matchwinner“ Robben. „Wir haben sehr gut gespielt, aber zu viele Chancen verpatzt. Das war schade. So ist der Stress auf der Bank geblieben bis zum Ende“, sagte Van Gaal.

Es war von Van Gaal ein bisschen „Klagen“ auf hohem Niveau. Denn abgesehen von der Chancenverwertung war das, was seine Mannschaft in Bremen ablieferte, allererste Sahne. „Man muss nicht darüber diskutieren, dass es für Bayern-Fans ein tolles Spiel war“, gestand Werder-Coach Thomas Schaaf: „Wir haben hier noch nie eine solche Bayern-Mannschaft erlebt, die sich so viele Chancen erspielt hat.“ Herausgespielte Chancen wohlgemerkt, nicht zufällige.

Das Match in Bremen war eine Demonstration der neuen, alten Bayern-Stärke. Schon vor der Werder-Führung durch Aaron Hunt (10.), hatten Robben und Ivica Olic zwei sogenannte „Hunderprozentige“ vergeben. Über 90 Minuten rollte ein brandgefährlicher Angriff nach dem anderen auf das Werder-Tor. Dass der Erfolg nach Toren von Thomas Müller (25.), Ivica Olic (35.) und Robben (78.) nicht viel höher ausfiel, lag nur an der fehlenden Entschlossenheit von Mario Gomez, Robben und Co.

Gewannen die Bayern in der Hinrunde so manches Spiel noch aufgrund der großen individuellen Klasse, spielt das ganze Team mittlerweile auf höchstem Niveau. Gegentreffer, wie der zwischenzeitliche 2:2-Ausgleich durch Hugo Almeida (75.), werden problemlos weggesteckt. Auch ein Wechsel im Tor - Michael Rensing ersetzte nach der Pause den mit Magen-Darm-Problemen geplagten Jörg Butt und vertrat den Routinier prächtig - brachte die Van-Gaal-Truppe nicht aus ihrem Rhythmus.

Von Woche zu Woche besser

„Ich denke, dass wir von Woche zu Woche immer besser werden und zeigen, wie gut wir sind“, sagte Rensing. Immer besser greifen die Automatismen im Team, Van Gaals System der schnellen Ballstaffetten sitzt und wird wie beim 2:1 von Olic lehrbuchhaft umgesetzt. „Wir sind auf einem guten Weg, wir spielen guten Fußball“, sagte Robben nach dem achten Pflichtspielsieg in Folge. Seit 12 Partien sind die Bayern in der Bundesliga ungeschlagen. „Respekt sollten die Gegner schon vor uns haben“, sagte ein zufriedener Sportdirektor Christian Nerlinger.

„Das war heute eine sehr gute Mannschaft gegen uns“, musste Werder-Keeper Tim Wiese voller Respekt eingestehen. Und die Bayern werden wahrscheinlich in den nächsten Wochen noch besser. Nach 112 Tagen Pause feierte Franck Ribéry in Bremen sein lang ersehntes Comeback. „Ich bin froh, dass wir die ersten 20 Minuten von Ribéry gesehen haben“, sagte Van Gaal und fügte hinzu: „Ich denke, das Publikum hat das Spiel genossen.“ Der Chefcoach fand's einfach nur umwerfend.

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