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110 Jahre Erfolgsgeschichte

'Der FC Bayern ist ein einzigartiger Klub'

Was vor 110 Jahren in einem Münchner Gasthaus begann, ist heute eine der bekanntesten Marken im Weltfußball. Mit über 153.000 Mitgliedern und einem Jahresumsatz von konsolidiert über 300 Millionen Euro ist der FC Bayern der größte deutsche Sportverein, und international auf Augenhöhe mit Manchester United, Real Madrid und dem FC Barcelona. Zudem - und das ist nicht selbstverständlich - ist der FC Bayern wirtschaftlich kerngesund. Und auch sportlich sind die „Roten“ mit 43 nationalen und acht internationalen Titeln in Deutschland die Nummer eins. Anlässlich des 110. Geburtstags am 27. Februar sprach fcbayern.de mit dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge über Tradition, Identifikation und den Mythos FC Bayern.

Das Jubiläums-Interview mit Karl-Heinz Rummenigge:

fcbayern.de Herr Rummenigge, der FC Bayern feiert am Wochenende seinen 110. Geburtstag. Welchen Stellenwert hat der FCB aus Ihrer Sicht im deutschen und im internationalen Fußball?
Karl-Heinz Rummenigge: „Ich denke, der FC Bayern ist ein einzigartiger Klub, nicht nur national, sondern auch international. Ich stelle das glücklicherweise immer wieder fest, ganz speziell, wenn ich im Ausland bin. Unser Klub genießt einen unglaublich hohen Respekt in der Welt des Fußballs. Das hat er nicht nur durch seine Erfolge, sondern auch durch Seriosität und Solidität erreicht. So ist der FC Bayern zum Aushängeschild des deutschen Fußballs geworden.“

fcbayern.de Gibt es ein konkretes Beispiel, das den Stellenwert des FC Bayern im Ausland widerspiegelt?
Rummenigge: „Kürzlich war UEFA-Präsident Michel Platini in München, das ist ja auch ein Mann des Fußballs, der auf absolut höchstem Top-Niveau gespielt hat, der den Fußball sehr fördert und fordert. Vor dem Champions-League-Spiel gegen den AC Florenz hatten wir ein gemeinsames Mittagessen mit der Delegation der Fiorentina und ich habe gemerkt, dass sowohl bei ihm als auch beim Gegner dieser Respekt vor dem Klub extrem groß ist. Nicht nur, weil wir eine gute Mannschaft haben und viel sportlichen Erfolg hatten, sondern ganz einfach auch wegen der Philosophie des Klubs. Dass wir sagen: wir wollen Erfolg, aber wir wollen bezahlbaren Erfolg. Und wir wollen vor allem eines nicht: Ihn auf Schulden aufbauen. Das ist etwas, das sehr gut bei den Leuten draußen ankommt und was auch oft als Vorbild für viele Klubs und Verbände gilt. Dass der FC Bayern zwar Erfolg hat, aber diesen Erfolg nicht auf Schulden aufgebaut hat, sondern die dafür notwendigen Mittel vorher verdient hat.“

fcbayern.de Der Begriff „Mia san mia“ wird immer eng mit dem FC Bayern verbunden. Können Sie diesen Begriff allen Nicht-Bayern erklären?
Rummenigge: „Mia san mia“ steht nicht nur für sportlichen Erfolg. „Mia san mia" steht auch für Verantwortung, Hilfe und Unterstützung sowie für Zusammenhalt wie in einer starken Familie. Wir versuchen ja nicht nur, Erfolg zu haben und den Verein seriös zu führen, sondern auch unserer gesellschaftspolitischen Verpflichtung gerecht zu werden. Und ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir gerade anlässlich unseres 110. Geburtstages diese wichtigen Werte niemals vergessen dürfen.“

fcbayern.de Welche Rolle spielt der FC Bayern für Sie in Ihrem Leben?
Rummenigge: „Ich bin 1974 als 18-Jähriger gekommen und habe zehn Jahre hier gespielt, das war für mich eine wunderbare Karriere. Jetzt bin ich in der zweiten Karriere, und das auch schon im 19. Jahr. Es ist einfach eine wunderbare Aufgabe, diesen Klub mitführen zu dürfen. Unser ehemaliger Vizepräsident Hans Schiefele, der leider schon verstorben ist, hat immer gesagt: Wir alle haben eine Aufgabe: dem Klub zu dienen. Und das versuchen wir hier alle. Das Beste für den Klub herauszuholen.“

fcbayern.de Waren die goldenen 70er Jahre die wichtigste Zeit für den Verein?
Rummenigge: „Es war die Zeit, in der der Verein unglaublich großen Erfolg hatte. National war der Zweikampf mit Mönchengladbach, den Bayern München für sich entscheiden konnte. Und dann kam auch die Zeit, in der man 1974, 75 und 76 den Europapokal der Landesmeister dreimal hintereinander gewinnen konnte. Das war natürlich der internationale Aufstieg dieses Klubs, damit kam man in den Olymp der großen Klubs wie ManU, Real Madrid und Barcelona. Das war natürlich sehr wichtig, was das Image betrifft. Und darauf aufbauend konnte sich der Klub entwickeln. Das ist dann auch klug umgesetzt worden, unter anderem von unserem damaligen Manager Uli Hoeneß.“

fcbayern.de Gab es für sie eine Alternative zum FC Bayern?
Rummenigge: „Ich glaube, ich hatte damals 13 Angebote aus der Bundesliga. Und es war eigentlich ein Himmelfahrtskommando, als 18-Jähriger hierher zu kommen, zu einer Mannschaft, die gerade Europapokalsieger und Deutscher Meister geworden ist. Acht Mann haben im Kader der Nationalmannschaft gestanden, die 1974 Weltmeister geworden ist. Trotzdem bin ich hierher gekommen, weil der größte Reiz ganz einfach war, mich trotzdem bei so einer Mannschaft zu etablieren und durchzusetzen. Ich war sehr stolz, als ich sofort mit 18 Jahren hier ein paar Spiele machen durfte. Udo Lattek hat mich am Anfang sehr gefördert und auch viele andere Spieler haben mich von Beginn an unterstützt. Natürlich war es schwierig, sich hier als junger Spieler durchzusetzen, aber es ist möglich gewesen. Genauso wie es heute möglich ist.“

fcbayern.de Gibt es jemandem beim FC Bayern, dem Sie zu Dank verpflichtet sind?
Rummenigge: „Ich hatte von Beginn an ein gutes Verhältnis zu Uli Hoeneß. Ich glaube, uns beide verbindet mehr als eine Geschäftsbeziehung; das ist schon eine tiefe und loyale Freundschaft. Wir haben immer großes Vertrauen zueinander gehabt. Dazu kommt mit Karl Hopfner der dritte Mann. Ich glaube, das, was uns hier in der Geschäftsführung ausgezeichnet hat, war diese totale vertrauensvolle Zusammenarbeit und Loyalität. Das ist etwas, das man sich ja wünscht, wenn man in einer Geschäftsführung arbeitet.“

fcbayern.de Was zeichnet den FC Bayern Ihrer Meinung nach besonders aus?
Rummenigge: „Ich glaube, was den Klub hier immer ausgezeichnet hat war die Kontinuität auf Führungsebene. Wir hatten in den letzten 50 Jahren ja nur eine Hand voll Präsidenten: Von Wilhelm Neudecker, Willi O. Hoffmann über Dr. Fritz Scherer, Franz Beckenbauer bis hin jetzt zu Uli Hoeneß ist dies ein Zeichen von stabiler Vereinspolitik. Auch hatten wir nur zwei Manager mit Robert Schwan und Uli Hoeneß. Diese Kontinuität haben wir immer versucht zu leben. Das spiegelt sich auch bei den ehemaligen Spielern wider, die wir versucht haben, in den Klub zu integrieren, von Gerd Müller bis jüngst Mehmet Scholl. Das ist auch etwas, was den Klub auszeichnet und was den Fans gefällt: Dass ehemalige Spieler jetzt im Klub tätig sind, weil sie ein sehr enges Gefühl für diesen Klub entwickelt haben und natürlich auch mit dem Herzen ganz anders dabei sind, als ein Quereinsteiger, der das hier nur als normalen Job sieht. Der FC Bayern ist alles, nur kein normaler Job.“

fcbayern.de Womit wir beim Thema Identifikation wären. Bedarf es besonderer Identifikation, für den FC Bayern tätig zu sein?
Rummenigge: „Der Klub hat im wahrsten Sinne des Wortes eine große Identifikation. Ich habe ja auch ein paar Jahre im Ausland gespielt, und das was ich dort erlebt habe, ist absolut nicht vergleichbar mit dem, was den FC Bayern ausmacht und darstellt. Dies hier ist eine ganz große Familie, von der Basis, also von den Fans, bis ganz nach oben, wo die Mannschaft steht. Das zieht sich wie ein roter Faden durch. Ich glaube das ist etwas, was man wirklich ganz hoch einschätzen muss, dass eben diese Loyalität und auch dieses Vertrauen innerhalb des Klubs unheimlich groß sind.“

fcbayern.de Ist die Identifikation der Spieler mit einem Verein heute eine andere als früher?
Rummenigge: „Es hat sich was verändert, das muss man klar und deutlich sagen. Die Welt hat sich verändert, sie ist globaler geworden, sie ist schneller geworden und dementsprechend ist das auch am Fußball nicht spurlos vorbeigegangen. Dieser veränderten Zeit haben wir Rechnung zu tragen. Und trotzdem habe ich den Eindruck, dass wir ein Klub mit großer Kontinuität sind. Wir haben Spieler wie Lahm und Schweinsteiger, die schon über zehn Jahre im Klub sind. Aber auch internationale Stars wie Ribéry, der ist jetzt drei Jahre hier, das ist die längste Zeit, die er bisher bei einem Klub verbracht hat. Ich glaube, es ist wichtig, dass man diesen Spielern das Gefühl gibt, dass sie in einer seriösen Familie angekommen sind, die sie sehr fair behandelt. Wenn das der Fall ist, dann hat man auch eine Chance, Kontinuität reinzubringen. Man braucht im Fußball meiner Meinung nach auch Kontinuität, um Erfolg zu haben.“

fcbayern.de Welches war für Sie das schönste Erlebnis mit dem FC Bayern?
Rummenigge: „In den letzten zehn Jahren haben wir ja viele schöne Erfolge auf dem Platz erleben können. Wenn ich mich nur an 2001 erinnere, diese dramatische Meisterschaft in Hamburg in der 94. Minute, vier Tage später dann der Sieg in der Champions League. Oder die vielen Doubles, die wir danach gewonnen haben. Aber ich glaube, das wichtigste Ereignis der letzten zehn Jahre war der Bau der Allianz Arena. Damit haben wir uns in München etwas erschaffen, wo wir vorher immer respektvoll nach Manchester, nach Mailand oder nach Madrid geschaut haben. Jetzt aber sage ich im vollsten Tone der Überzeugung: Wir haben das wahrscheinlich schönste und funktionellste Stadion der Welt. Und man sieht ja auch an dem Fakt, das fast jedes Spiel ausverkauft ist, dass es von den Fans wunderbar angenommen wird. Das war das wichtigste Ereignis der letzten zehn Jahre.“

fcbayern.de Worauf freuen sie sich, wenn sie morgens an die Säbener Straße fahren?
Rummenigge: „Der Laden hier ist ja explodiert. Als ich 1974 als Spieler kam, gab es hier weniger als zehn Angestellte, jetzt haben wir mehr als 400. Auch vom Umsatz her. Damals hatten wir 7,5 Millionen Euro Umsatz, jetzt machen wir konsolidiert über 300 Millionen. Das ist eine große, aber auch verantwortungsvolle Aufgabe, hier im Vorstand des Klubs tätig zu sein.“

fcbayern.de Wie stolz macht es Sie, an der Erfolgsgeschichte des FC Bayern mitgeschrieben zu haben?
Rummenigge: „Das Schönste für mich, das muss ich ehrlich sagen, sind immer die 90 Minuten eines Spiels. Das andere ist ja oft ein Organisieren, oder Geschäfte machen, das ist alles interessant, aber das Wichtigste sind die 90 Minuten, das ist das Emotionalste am Fußball. Das ist richtig so und das muss auch immer so bleiben. Wir müssen dann immer versuchen, das was wir hoffentlich an Erfolgen auf dem Platz produzieren, in gute Geschäfte umzumünzen, damit der Klub ganz einfach in einem finanziell seriösen Fahrwasser bleibt. Wir haben es geschafft, zum 17. Mal in Folge profitabel zu arbeiten, das ist in der heutigen Fußballwelt fast schon ein positiver Wahnsinn, und das ist wichtig, dass wir auf diesem Weg bleiben, weil er uns garantiert, dass wir nie irgendwie in finanzielle Schwierigkeiten kommen, wie viele Klubs in England, Italien oder Spanien.“

fcbayern.de Was wünschen Sie sich zum 110-jährigen Jubiläum des FC Bayern?
Rummenigge: „Mein Wunsch ist die deutsche Meisterschaft und dass wir in den anderen beiden Wettbewerben auch eine gute Rolle spielen. Schön wäre, wenn wir ins Pokalfinale nach Berlin kommen. Wir haben dieses Jahr eine Mannschaft, die Spaß macht, die auf einer Erfolgsspur ist. Die gilt es zu konservieren.“

fcbayern.de Wie lautet Ihr Ausblick für die nächsten Jahre?
Rummenigge: „Das Wichtigste ist, dass der FC Bayern an die letzten 20 Jahre anknüpft. Dass die Leute, die hier im Klub die Verantwortung haben, immer mit großer Seriosität und großem Engagement versuchen, den Klub auf dem Niveau zu halten und ihn vor allem auch seriös finanziell führen.“

Das Interview führte: Carsten Zimmermann

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