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Abstiegs- statt Titelkampf

Ottl und Breno - zwei Bayern in Franken

Das Vorgeplänkel findet am Handy statt. „Wir werden vor dem Spiel noch telefonieren“, kündigte Philipp Lahm an. Am anderen Ende der Leitung wird Andreas Ottl sein. Die beiden gebürtigen Münchner, die 2002 beim FC Bayern zusammen Deutscher A-Jugend-Meister wurden, werden am Samstag im bayerisch-fränkischen Derby zwischen dem FCB und dem 1. FC Nürnberg erstmals gegeneinander spielen. Einen ersten Schlagabtausch wird es am Handy geben. „Frotzeln gehört doch zum Fußball dazu“, sagte Lahm.

Andreas Ottl, der als Elfjähriger zum Rekordmeister stieß, ist einer von zwei Bayern, die seit Januar an die „Clubberer“ ausgeliehen sind. Der andere ist Breno, der vor zwei Jahren vom FC Sao Paulo nach München gewechselt war. Statt um die Meisterschaft zu kämpfen, stecken beide in Nürnberg im Abstiegskampf. „Die beiden sind ein Faustpfand, den wir bitter nötig hatten, um in den 17 Rückrundenspieltagen unser Ziel Klassenerhalt zu erreichen“, sagte Dieter Hecking.

Der „Club“-Trainer ist nach fünf Rückrundenspielen sehr angetan von seinen FCB-Leihgaben. „Sie haben genau das gezeigt, was wir uns von ihnen versprochen haben. Das ist nicht selbstverständlich“, meinte Hecking und machte nicht nur Ottl und Breno „ein Kompliment“, sondern auch dem FC Bayern: „Die Verantwortlichen haben uns in den Gesprächen gesagt: ‚Das sind zwei Jungs, die euch helfen werden.‘ Das war kein Lippenbekenntnis.“

Stammspieler statt Reservisten

Mit vier Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz überwinterten die Nürnberger, jetzt ist es nur noch ein Punkt. Ottl und Breno haben keine Minute der ersten fünf Spiele nach der Winterpause verpasst - das ist der große Unterschied zur ihrer Zeit in München. Breno kam beim FCB insgesamt nur auf 15 Einsätze, stand dabei sieben Mal in der Startelf. Ottl hat nach fünfeinhalb Profi-Jahren immerhin 119 Spiele für Bayern bestritten (68 Mal Startelf), kam aber zuletzt ebenfalls nicht mehr über die Reservistenrolle hinaus.

„In den letzten Jahren bin ich immer auf 25, 30 Einsätze pro Saison gekommen“, sagte der 24-Jährige, „dieses Jahr bin ich in der Vorrunde nicht so zum Spielen gekommen, wie ich mir das vorgestellt habe.“ Als das Angebot aus Nürnberg kam, musste Ottl daher nicht lange überlegen. „Hier kann ich jetzt 17 Spiele über 90 Minuten spielen und stehe in der Verantwortung, Leistung bringen zu müssen, um einem Traditionsverein zu helfen, in der Liga zu bleiben. Für mich persönlich ist es ein wichtiger Schritt in meiner Weiterentwicklung.“

Insider-Infos für Hecking

Um Letzteres geht es aus Sicht des FC Bayern sowohl für Ottl als auch für Breno. Beide sollen beim „Club“ Spielpraxis sammeln, um ab kommenden Sommer in München vielleicht eine größere Rolle spielen zu können. In den letzten Wochen ließen beide bereits ihre Qualitäten mehr als nur aufblitzen. Hecking lobte Innenverteidiger Breno für seine „Sicherheit und Ausstrahlung. Er macht kaum Fehler. Das konnte man von einem 20-Jährigen so nicht erwarten.“

Ottl agiert beim „Club“ als Abräumer und Stratege vor der Abwehr. „Er füllt diese Rolle gut aus“, sagte Hecking, „auch am Samstag soll und muss Andi wieder sehr viel Verantwortung übernehmen.“ Bayern-Insider Ottl kündigte an, seinem Trainer „den einen oder anderen Tipp“ für das Spiel geben zu wollen. Grundsätzlich müsse man „kämpfen, kratzen, beißen. Wir sind der krasse Außenseiter. Aber wenn wir im Zentrum kompakt stehen, werden wir unsere Möglichkeiten bekommen.“

Breno gegen Gomez

Auf Seiten des FC Bayern weiß man um die Qualitäten von Ottl und Breno. „Andi kann das Spiel sehr gut lesen und spielt den Ballverteiler“, sagte Miroslav Klose. Breno bezeichnet der Bayern-Stürmer als „sehr guten Verteidiger. Er ist schnell, sehr robust und entscheidet fast jeden Zweikampf für sich. Sein Manko ist die Erfahrung.“

Genügend Erfahrungen hat Breno in München mit Mario Gomez gemacht. „Im Training gingen die Duelle meistens unentschieden aus“, berichtete der Brasilianer, der es jetzt in einem Punktspiel mit dem FCB-Torjäger zu tun bekommen wird. Und auch Gomez sind die Zweikämpfe gegen Breno in Erinnerung geblieben. „Er ist der unangenehmste Gegenspieler, den ich kenne“, erzählte er.

Keine Rücksicht

Am Samstag wollen alle Nürnberger dem FC Bayern einen unangenehmen Nachmittag bereiten, allen voran Breno und Ottl. „Wichtig ist, dass sie nichts Besonderes machen wollen und hoffentlich nicht übermotiviert ins Spiel gehen“, sagte Hecking. Rücksicht hat der FC Bayern jedenfalls von seinen beiden Leihgaben in Franken nicht zu erwarten. „Es ist natürlich ein besonderes Spiel“, meinte Ottl, Breno betonte: „Ich bin jetzt Profi beim ‚Club‘ und werde alles geben, damit wir gewinnen. Egal wie.“

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