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'Können immer zurückschlagen'

Bayern träumen nur 'Step-by-Step'

Es war schon weit nach Mitternacht im festlichen Bankettsaal des Mannschaftshotels „The Westin Excelsior“, als Uli Hoeneß genüsslich an seiner Zigarre zog. 18 Spiele hatte der FC Bayern unter seiner Präsidentschaft nicht verloren, doch selbst die erste Niederlage seiner Amtszeit konnte die Festtagslaune des langjährigen Managers nicht trüben. Trotz eines 2:3 (0:1) im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League beim AC Florenz hat sich der Rekordmeister für die Runde der letzten acht Mannschaften qualifiziert und mischt weiter in drei Wettbewerben mit.

„Ich glaube, das ist eine Niederlage, mit der der FC Bayern leben kann“, erklärte Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge zu Beginn seiner Bankettrede im „Giardino d’Inverno“, dem Wintergarten des Mannschaftsquartiers. Gemeinsam mit den mitgereisten Partnern und Sponsoren ließen Spieler, Trainer und Verantwortliche den Abend nach einem „stürmischen Spiel mit großen Emotionen“ bei Carpaccio, gegrilltem Thunfisch und Rinderfilet sowie einem Gläschen toskanischen Rotwein ausklingen.

Weniger gemütlich ging es in den vorangegangenen 90 Minuten im ausverkauften „Stadio Artemio Franchi“ zu. Zwei Mal stand das Team von Trainer Louis van Gaal beim Stand von 0:2 und 1:3 vor dem Aus, doch beide Male „hat die Mannschaft Charakter bewiesen und wieder zurück ins Spiel gefunden“, wie Sportdirektor Christian Nerlinger nach dem Schlusspfiff erklärte. Juan Vargas (28. Minute) und Stevan Jovetic (54./64) ließen die Fiorentina kurzzeitig vom Viertelfinale träumen, doch Mark van Bommel (60.) und Arjen Robben (65.) sorgten dafür, dass Ende die Münchner jubeln konnten.

Die Italiener hingegen waren mächtig enttäuscht und sauer. „Diebe, Diebe“ riefen einige Fans nach dem Schlusspfiff und ärgerten sich wie die Verantwortlichen noch über die Fehlentscheidung, die zum 2:1 im Hinspiel geführt hatte. Eine Ungerechtigkeit, die sich jedoch im Rückspiel ausglich, denn vor dem zweiten Tor gab Alberto Gilardino die Vorlage aus Abseitsposition. „Florenz war sauer wegen des Hinspiels, ich konnte mir das vorstellen, aber jetzt nicht mehr, weil sie auch ein Abseitstor bekommen haben“, sagte Van Gaal.

„Es war eine enge Kiste, ohne Frage“, führte Rummenigge weiter aus, doch „wenn man beide Spiele Revue passieren lässt, dann hat es der FC Bayern heute Abend verdient, weiter zu kommen. Weil wir mehr getan haben, weil wir einfach in der entscheidenden Phase nachlegen konnten. Das ist etwas, was unsere Mannschaft im Moment auszeichnet“, zeigte sich Rummenigge zufrieden.

Glücklich über das Weiterkommen war auch Van Gaal, der trotz des zweimaligen Zwei-Tore-Rückstands „immer ein gutes Gefühl“ hatte. „Wir sind weiter, das ist das Wichtigste in der Champions League.“ Nicht gefallen haben dem Niederländer hingegen die „individuellen Fehler“ in der Defensive, „die haben unser Spiel schwierig gemacht.“ Positiv wertete Van Gaal dagegen, dass seine Mannschaft bei extremen äußeren Bedingungen „90 Minuten versucht hat, Fußball zu spielen. Das war unsere Rettung. Deswegen haben wir auch zwei Tore gemacht, und es ist schade, dass wir nicht mehr gemacht haben.“

Dauerschneeregen hatte den Rasen im Stadion in eine Rutschbahn verwandelt, beide Teams taten sich mit kontrolliertem Passspiel zunächst schwer. Da zudem ein böiger Wind durch das Rund wehte, wurde auch jeder Versuch, mit hohen Bällen zu agieren, zu einem unkontrollierbaren Glücksspiel. Als „katastrophal“ bezeichnete Torwart Jörg Butt die äußeren Einflüsse, Philipp Lahm hat „noch nicht bei so einem Wind gespielt. Bei Gegenwind war es schwer, nicht nur zu spielen, sondern auch zu laufen.“

Robbens Traumtor zum Weiterkommen

Doch mit zunehmender Spielzeit kamen die Münchner immer besser mit den Verhältnissen zurecht, zogen ihr bekanntes Kombinationsspiel auf und hatten mit dem Wind im Rücken im zweiten Durchgang auch ein wenig Glück im Abschluss. „Ich weiß nicht, ob Arjens Super-Tor ohne den Wind rein gegangen wäre“, meinte Bastian Schweinsteiger über Robbens Traumtor, das letztendlich den Weg in die nächste Runde ebnete.

Bei aller Freude über den Viertelfinaleinzug, Euphorie brach im Lager der Münchner nach dem Spiel nicht aus. „Es ist sehr wichtig, dass wir nicht anfangen zu träumen“, mahnte Rummenigge und forderte, „Step-by-Step zu denken. „Jetzt warten wir mal ab, was uns in zehn Tagen für ein Los beschert wird. Alles, was sich jetzt qualifiziert, hat höchste Qualität in Europa. Das wird sicherlich noch schwerer als das, was wir in den letzten Monaten erlebt haben.“

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