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Ex-Bayer Maierhofer:

'Bitte passt mir auf den Rooney auf'

Beim FC Bayern war er „der Lange“, in England nennen sie ihn „Big Man“ oder „The Hoff“. Stefan Maierhofer hat allein schon wegen seiner Körpergröße (2,02 Meter) auch auf der Insel für Schlagzeilen gesorgt. Von 2005 bis Januar 2007 spielte der österreichische Nationalstürmer für den FC Bayern II (42 Spiele, 21 Tore), war zuletzt Mannschaftskapitän und kam sogar zu zwei Bundesliga-Einsätzen im FCB-Trikot. Sein Weg führte ihn danach über Koblenz, Fürth und Rapid Wien zu den Wolverhampton Wanderers in die Premier League.

„Ich bin froh, dass ich den Schritt nach England gemacht habe“, sagte Maierhofer im Gespräch mit fcbayern.de. Acht Einsätze (ein Tor) hatte der 27-Jährige in der Hinrunde für die „Wolves“, nach einer Operation in der Leistengegend kämpft er jetzt um die Rückkehr ins Team und sammelt einen Monat lang (noch bis Mitte April) bei Bristol City in der zweiten englischen Liga Spielpraxis.

Zweimal hat Maierhofer auch schon in Old Trafford gegen Manchester United gespielt und zweimal verloren (0:1 im League Cup, 0:3 in der Liga). Von seinen Erfahrungen gegen die „Red Devils“ berichtete er jetzt vor dem Champions-League-Viertelfinale zwischen dem FC Bayern und ManU fcbayern.de.

Das Interview mit Stefan Maierhofer:

fcbayern.de: Servus Stefan, hat sich schon Hermann Gerland bei Dir gemeldet, um ein paar Tipps für das ManU-Spiel einzuholen?
Maierhofer: „Er hat mich nicht angerufen, aber warum auch? Ich habe zwar zweimal gegen ManU gespielt, aber ich glaube, Bayern hat genug Leute, die Hermann Gerland und den Trainerstab mit genügend Informationen über ManU füttern. Zum letzten Mal habe ich ungefähr vor einem halben Jahr mit ihm telefoniert und mich noch mal für alles bedankt, was er für mich gemacht hat. Wir hatten ein besonderes Verhältnis. Er war wie ein Vater für mich, streng, aber immer ehrlich. Das hat mir gefallen. Wenn ich nächsten Sommer mal Zeit habe, möchte ich in München vorbeischauen und ihm ein Geschenk aus Wien mitbringen.“

fcbayern.de: Wie blickt man in England dem Duell zwischen Bayern und Manchester entgegen?
Maierhofer: „Der Respekt vor Bayern ist auf jeden Fall da. Das ist ein Spitzenspiel. Im Fernsehen laufen große Vorberichte mit Erinnerungen an das Finale 1999 in Barcelona. Und überall wird vor Robben gewarnt, seine Tore gegen Florenz laufen im Fernsehen rauf und runter.“

fcbayern.de: Was erwartet den FC Bayern in den zwei Spielen gegen Manchester?
Maierhofer: „Ich glaube, das werden richtig geile Spiele. Auf der einen Seite Bayern mit Van Gaals Spielanlage, mit Ribéry, Robben und den vielen jungen Spielern wie David Alaba - den habe ich bei der Nationalmannschaft kennen gelernt und sage immer ‚kleiner Bruder‘ zu ihm, wir haben regelmäßig Kontakt. Es macht mir diese Saison Spaß, die Bayern spielen zu sehen, auch wenn es zuletzt nicht so gut lief. Auf der anderen Seite Manchester, das einen sehr attraktiven und effektiven Fußball spielt. Bitte passt mir nur auf den Rooney auf! Der ist momentan on fire. Der kann machen, was er will, der haut die Dinger rein.“

fcbayern.de: Wie kann man Rooney stoppen?
Maierhofer: „Die Verteidiger müssen extrem aufpassen und sehr flink sein. Rooney macht lange Wege und ist überall auf dem Platz, im Gegensatz zu Dimitar Berbatov, der gerne in der Mitte bleibt. Rooney ist sich für nichts zu schade, er haut sich rein und geht auch dorthin, wo es weh tut. Und auch mit dem Kopf ist er im Moment eine Macht. Aber mit Van Gaal hat Bayern einen sehr guten Mann, der wird schon ein Mittel gegen Rooney finden.“

fcbayern.de: Vorne Rooney, hinten spielt die beste Abwehr Englands. Was kannst Du uns über die ManU-Verteidigung sagen?
Maierhofer: „Ich persönlich habe gegen Nemanja Vidic (im Bild) und Wes Brown gespielt, gegen Vidic auch letzten Juni im Länderspiel gegen Serbien. Mit ihm habe ich immer gefightet. Er ist ein beinharter Verteidiger. Kopfballstark, mit einem guten Körper, schnell, immer wieder packt er auch den Ellbogen aus, da müssen Gomez, Klose oder wer auch immer im Sturm spielen wird, extrem aufpassen. Hin und wieder ist er aber auch für einen Tatsch (einen Bock, d. Red.) gut. Man muss ihn attackieren, auf ihn draufgehen.“

fcbayern.de: Du hast schon zweimal in Old Trafford gespielt. Wie war‘s?
Maierhofer: „Ich habe dort vor 76.000 Zuschauern gespielt und es war richtig, richtig, richtig geil. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Für Bayern wird es im Old Trafford sehr, sehr schwer. Zuhause ist Manchester eine Macht. Aber wenn Bayern im Hinspiel ein, zwei Tore macht und - ganz wichtig - keines bekommt, dann kann man in Old Trafford bestehen. Offensiv geht bei Bayern immer was, vielleicht rutscht Robben oder Ribéry einer aus oder der kleine Alaba hält seinen Kopf hin mit der neuen Frisur, die er seit ein paar Wochen hat. Das wär’s! Man hat’s ja in Florenz gesehen: Bayern braucht einen Österreicher auf dem Platz, dann rennt‘s!“

fcbayern.de: Wie schätzt Du die Chancen des FC Bayern gegen ManU ein?
Maierhofer: „Für mich ist Manchester zusammen mit Barcelona und Arsenal der Favorit auf den Champions-League-Titel. Trotzdem glaube ich, dass Bayern gegen ManU eine realistische Chance hat. Ich glaube, es ist für Bayern sogar besser, gegen Manchester zu spielen als gegen Lyon oder Bordeaux. Da bist du vom Kopf her anders drauf und spielst ganz anders.“

fcbayern.de: Wie wirst Du das Spiel verfolgen?
Maierhofer: „Ich will das Spiel unbedingt sehen, weil ich immer noch eine extreme Verbundenheit zu Bayern habe. Ich war als Kind schon Bayern-Fan, dann habe ich für Bayern gespielt, habe mein erstes Bundesligaspiel für Bayern gemacht - an diesem Klub wird mein Herz immer hängen. Zurzeit bin ich in Wien, weil ich zwei Tage Urlaub habe. Meinen Rückflug habe ich aber extra so gelegt, dass ich rechtzeitig zum Spiel wieder in meinem Apartment in England bin. Ich sitze dann mit meinen Nachbarn, mit denen ich mich sehr gut verstehe, vorm Fernseher. Die werden bestimmt für Manchester sein, aber ich werde meinen Bayern-Schal auspacken und hoffe, dass Bayern ein gutes Ergebnis holt.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

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