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'Das muss man genießen'

Die Festnacht im Tollhaus Allianz Arena

180 Tonnen schwer ist das Fundament der Allianz Arena, 22.000 Tonnen Stahl und 120.000 m³ Beton wurden verbaut, doch am Dienstagabend bebte der Fußballtempel im Münchner Norden bis in seine Grundfesten. Als Ivica Olic in der Nachspielzeit des Viertelfinalhinspiels gegen Manchester United den 2:1-Siegtreffer erzielte und die 66.000 Zuschauer in kollektive Ekstase versetzte, hätte man bei seismographischen Messungen in Fröttmaning sicherlich ein mittleres Erdbeben ausmachen können.

„Ich habe nach der Auslosung von einer Festnacht gesprochen, und die Mannschaft hat das heute wahr gemacht. Das war heute eine große Nacht für uns und für den FC Bayern“, schwärmte Sportdirektor Christian Nerlinger. „Es war ein schönes Spiel mit einem schönen Endergebnis - das muss man genießen“, sagte Mark van Bommel. Trainer Louis van Gaal war „sehr stolz auf meine Spieler“ nach dem „hochverdienten“ und „süßen“ Sieg“ gegen den englischen Meister.

Kaum einer der Bayern-Fans im Stadion oder der vielen Millionen an den TV-Bildschirmen wird ihm in dieser Einschätzung widersprechen. Süß deshalb, weil elf Jahre nach Barcelona nun auch Manchester die Erfahrung gemacht hat, in der Nachspielzeit ein Spiel zu verlieren. Und hochverdient deshalb, weil Van Gaals Mannschaft immer an sich geglaubt hat und einfach viel mehr für das Spiel investierte. „Es war ein Sieg der Leidenschaft, des Willens und des Charakters“, lobte Rummenigge.

Denn unglücklicher hätte dieses Spiel für die Bayern kaum beginnen können. Gerade einmal 63 Sekunden waren gespielt, als Wayne Rooney, der sich kurz vor Schluss verletzte und auf Krücken die Arena verließ, ManU in Führung schoss. „Da stehst du mit einem Rückstand da, bevor das Spiel überhaupt angefangen hat“, sagte Thomas Müller. Kein einziger Bayer hatte bis zu diesem Zeitpunkt einen Fuß am Ball.

Als der „Schock“ (Van Gaal) des frühen Rückstandes verdaut war, erspielten sich die Bayern schon in der ersten Hälfte einige gute Chancen und lieferten speziell im zweiten Abschnitt eine mitreißende Partie ab. Franck Ribérys Ausgleich (77.) nach Freistoß und Olics später Siegtreffer waren nur der verdiente Lohn. „Die Mannschaft hat wirklich alles gezeigt, was man in die Waagschale legen muss, um so ein Spiel noch umzubiegen“, sagte Rummenigge.

Bayern vom Publikum getragen

Aber auch die Zuschauer haben als 12. Mann alles in die Waagschale geworfen. „Heute wurden wir auch ein Stück weit von unserem Publikum getragen“, befand Mario Gomez. „So eine Atmosphäre habe ich hier noch nicht erlebt, viele andere Spieler auch nicht.“ Matchwinner Olic fand die Stimmung im „Hexenkessel“ Allianz Arena einfach nur „unglaublich. Normalerweise höre ich das nicht, wenn ich spiele. Aber dieses Mal habe ich die Unterstützung die ganze Zeit gehört.“

Bei allen Emotionen über diesen Sieg: „Wir sind noch keine Runde weiter“, erinnerte Philipp Lahm: „Wir haben eine Chance, aber es wird schwer genug.“ Ein Remis würde den Bayern in einer Woche in Old Trafford reichen, um erstmals nach 2001 wieder mal ins Halbfinale der Königsklasse einzuziehen. Bei einem 0:1 wären sie aufgrund der Auswärtstorregelung ausgeschieden. Nerlinger sprach von „einer guten Ausgangsbasis“, für Gomez hat der FCB nun die „besseren Karten."

„Keiner hat uns das zugetraut, dass wir gegen diese große Mannschaft überhaupt eine Chance habe. Jetzt ist eine kleine Chance da, es zu packen“, sagte Rummenigge. Voraussetzung dafür ist eine genauso gute Leistung wie im Hinspiel. Hamit Altintop sagte: „Wenn wir das abrufen, was wir heute gespielt haben, stehen die Chancen extrem gut.“

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