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Mehmet Scholl im Interview:

'Es hat mich mehr gepackt als gedacht'

Seit Wochen dreht die zweite Mannschaft des FC Bayern Warteschleifen. Immer wieder sind aufgrund der Witterung Spiele ausgefallen, doch am Mittwochabend (19 Uhr, Grünwalder Stadion) soll gegen Heidenheim endlich wieder der Ball rollen. Vorher traf fcbayern.de Trainer Mehmet Scholl und sprach mit dem 39-Jährigen über den prall gefüllten Terminkalender bis Saisonende, die Entwicklung seiner Mannschaft und seinen Fußballlehrer-Lehrgang, der im Sommer beginnt.

Das Interview mit Mehmet Scholl:

fcbayern.de: Herr Scholl, vor acht Wochen endete die Winterpause. Seitdem hat Ihre Mannschaft erst vier Spiele bestritten. Wie sehr stören die vielen Spielabsagen?
Scholl: „Wir sind Profis und machen aus der Situation das Beste. Wir trainieren gut, auch wenn die Bedingungen auf Kunstrasen natürlich schwierig sind. Aber inzwischen ist das Ende des Winters ja absehbar. Dann werden wir in einen normalen Rhythmus kommen. Wir werden Samstag, Dienstag, Samstag, Dienstag, Samstag, Dienstag spielen, also nur noch englische Wochen haben. Das kann von großem Vorteil sein, auch wenn wir das nicht gewohnt sind. Körperlich wird die Mannschaft das gut verkraften. Wir haben junge Spieler, die alle fit sind.“

fcbayern.de: Inwiefern können englische Wochen ein Vorteil sein?
Scholl: „Ich habe ja selber oft genug englische Woche gespielt. Wenn man nur alle zwei Wochen spielt, ist es schwieriger, die Spannung und die Konzentration hoch zu halten. Aber wenn man alle drei Tage spielt, hat man gar keine Zeit, über sonstige Dinge nachzudenken. Dann gibt es nur Fußball.“

fcbayern.de: Wie schwierig war es, die Mannschaft in den letzten Wochen bei Laune zu halten?
Scholl: „Wir haben extra unser Training umgestellt, so dass jedes Training ein Wettkampf ist. Nach jedem Training gibt es Sieger und Verlierer. So hat sich die Mannschaft, was Wettkampfsituationen angeht, gesteigert.“

fcbayern.de: Am Mittwoch steht das Nachholspiel gegen den Tabellenzweiten Heidenheim auf dem Programm. Wird es überhaupt stattfinden?
Scholl: „Wir müssen jetzt einfach spielen. Es ist ja kein Zustand. Wir sind Tabellen-13. und haben zum Teil vier Spiele weniger als die Konkurrenz. Keine Mannschaft hat weniger Spiele bestritten als wir. Gegen Heidenheim erwartet uns ein sehr, sehr schwieriges Spiel. Aber es ist auch ein guter Gradmesser, wo wir jetzt stehen.“

fcbayern.de: Immerhin vier Spiele konnte der FC Bayern II nach der Winterpause bestreiten. Drei Siege und eine Niederlage waren das Ergebnis. Sind Sie zufrieden?
Scholl: „Ja, auch wenn es viele Bereiche gibt, in denen wir uns steigern können und müssen. Gerade im Spiel nach vorne spielen wir noch zu oft den falschen Pass oder die Laufwege der Stürmer stimmen nicht. Wo sich die Mannschaft wirklich gesteigert hat, ist im Defensivverhalten. Wir lassen weniger Torchancen zu und kassieren auch weniger Gegentore. Dadurch steigen natürlich die Chancen, ein Spiel zu gewinnen.“

fcbayern.de: Hängt diese Steigerung auch mit der Erfahrung zusammen, die die jungen Spieler in den vergangenen Monaten sammeln konnten?
Scholl: „Ich glaube, sie sind einfach daran gewachsen, dass sie einen täglichen Wettkampf spüren, den wir im Training einfordern. Es sind sehr viele Jungs in der Mannschaft, die sich täglich weiterentwickeln wollen.“

fcbayern.de: David Alaba war Stammspieler in Ihrer Mannschaft, hat aber in den letzten Wochen bei den Profis für Schlagzeilen gesorgt. Können Sie in den kommenden Spielen auf ihn noch zurückgreifen?
Scholl: „Das entscheidet allein Louis van Gaal. Ich bin da flexibel. Wenn Louis van Gaal mir wie zum Beispiel im letzten Heimspiel sagt, David Alaba solle nur 45 Minuten spielen, dann halte ich mich daran. David ist ein relativ kompletter Spieler, dem einzig noch die Erfahrung fehlt. Aber die macht er jetzt. Bei Louis van Gaal ist er in den besten Händen.“

fcbayern.de: Bei den Profis reinschnuppern darf auch Christoph Knasmüllner, der immer wieder unter Louis van Gaal mittrainiert. Wie Alaba ist er eigentlich noch U19-Spieler.
Scholl: „Und trotzdem schon Leistungsträger bei uns in der Dritten Liga. Wenn er weiter bereit ist dazuzulernen, wenn er weiter hart an sich arbeitet, was er täglich tut, dann ist sein Weg vorgezeichnet. Ich halte ihn für einen außergewöhnlichen Spieler.“

fcbayern.de: Hat Louis van Gaal auch Einfluss auf die Entwicklung von Trainer Mehmet Scholl?
Scholl: „Einmal in der Woche gehe ich rüber zu den Profis, dann spitze ich schon die Ohren. Allein die Trainingsplanung, der Trainingsablauf - das ist höchst professionell. Ich genieße es, dabei zuzuschauen.“

fcbayern.de: Im Sommer beginnt Ihr Lehrgang zum Fußballlehrer. Hermann Gerland wird derweil Ihre Mannschaft übernehmen. Inwieweit werden Sie die Entwicklung des FCB II verfolgen?
Scholl: „Die Wege zwischen mir und Hermann Gerland sind ja schon immer kurz. Ich werde auch immer wieder an der Säbener Straße vorbeischauen, aber ohne dass ich auf den täglichen Betrieb Einfluss nehmen werde. Vielleicht werde ich auch mein Praktikum unter Hermann Gerland oder Louis van Gaal machen. Nach einem Jahr soll ich die Mannschaft dann wieder übernehmen.“

fcbayern.de: Freuen Sie sich auf diesen Lehrgang?
Scholl: „Es ist schade, dass ich jetzt ein Jahr Pause machen muss. Aber so sind eben die Regeln. Trainer-sein ist schon etwas, was mich mehr gepackt hat, als ich mir das vorgestellt habe.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

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