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Durchschnaufen

FCB vor 'drei Wochen der Wahrheit'

Wenn man der griechischen Mythologie Glauben schenkt, dann ist Sisyphos wahrscheinlich der erste Ballsportler der Geschichte - zumindest wenn man seine Bestrafung sportlich sieht. Seit den Tagen der griechischen Antike ist er von den Göttern dazu verdonnert, in der Unterwelt einen schweren Felsbrocken einen steilen Hang hinaufzurollen. Und kaum kommt er am Gipfel an, entgleitet ihm der Stein und er muss wieder von vorne anfangen.

Eine ähnliche Sisyphosarbeit haben die Platzwarte des FC Bayern seit Monaten zu verrichten. Kaum haben sie die Trainingsplätze des Rekordmeisters von Schnee und Eis befreit, deckt der Winter das Grün wieder mit einer weißen Decke zu. Auch am Montag schneite es in München, doch diesmal sahen die Platzwarte dem kalten Treiben des Winters relativ entspannt zu. Es war trainingsfrei und auch für Dienstag ist kein Training angesetzt, die „Frostschutz-Abteilung“ des FC Bayern kann durchatmen.

Tief Luft holen und die Beine ausschütteln können an den zwei freien Tagen aber vor allem die Spieler. Louis van Gaal begrüßte nach dem Viertelfinal-Einzug in der Champions League und der Verteidigung der Tabellenführung in der Bundesliga, dass jetzt keine englische Woche ansteht. „Das ist gut, weil ich den Spielern Ruhe gönnen kann“, sagte er. Erst am Mittwoch findet das nächste Training statt.

Englische Wochen weisen die Richtung

Dann beginnt auch die heiße Phase im Titelrennen. „Die entscheidenden Monate sind März und April“, weiß Van Gaal aus Erfahrung. Der Spielplan gibt dem FCB-Chefcoach Recht. Beginnend mit der Partie in Frankfurt stehen für den Rekordmeister sieben Spiele innerhalb von drei Wochen auf dem Programm, darunter die richtungweisenden Duelle mit den Meisterschaftsrivalen aus Schalke und Leverkusen, das Pokal-Halbfinale auf Schalke und die beiden Viertelfinalspiele in der Champions League.

„Das werden drei Wochen der Wahrheit werden“, meinte Christian Nerlinger, „die Mannschaft muss in den nächsten Wochen Unglaubliches leisten, um Titel einzufahren.“ Dabei hofft der FC Bayern auch wieder auf ein Mitwirken von Franck Ribéry, der zuletzt gegen Freiburg wegen Sprunggelenksproblemen pausierte und stattdessen ein Aufbautraining absolvierte. Auch am Montag arbeitete der Franzose an der Säbener Straße, am Mittwoch soll er wieder mit der Mannschaft trainieren.

Nerlinger fordert Steigerung

„Er wird auch bald wieder dabei sein, und zwar mit einer 100-prozentigen Fitness“, freute sich Nerlinger auf die baldige Rückkehr Ribérys, der in den kommenden wichtigen Wochen ein weiteres Ass im Ärmel des Rekordmeisters ist. Auch auf ein schnelles Comeback von Hamit Altintop (grippaler Infekt), Mario Gomez (Muskelfaserriss) und Martin Demichelis (Knochenbrüche im Gesicht) hofft der FCB, um im Titelrennen wieder mehr personelle Alternativen zu besitzen.

Vor allem aber forderte Nerlinger von der Mannschaft eine spielerische Steigerung in der entscheidenden Saisonphase. „In den nächsten Wochen müssen wir anders auftreten. Das ist ganz klar“, sagte der FCB-Sportdirektor am Samstag nach dem knappen Sieg gegen Freiburg (2:1). Die Bayern müssen also noch einmal Gas geben. Auf dem Gipfel warten Titel als Belohnung - anders als für Sisyphos, der wohl noch bis in alle Ewigkeit am „Ball“ bleiben muss.

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