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Platz 1 verteidigt

FCB zwischen Freude und Selbstkritik

Fünf Minuten nach dem Schlusspfiff brandete noch einmal Jubel auf in der Allianz Arena. Auf den Videoleinwänden wurde die Ligatabelle eingeblendet und die Fans feierten den Spitzenplatz des FC Bayern. Gut 20 Minuten zuvor hatten sie noch um Rang eins zittern müssen. Gegen den SC Freiburg lag der FCB 0:1 hinten, in der Live-Tabelle hatte Schalke 04 (2:1 gegen Stuttgart) die Münchner überholt. Dann ließ Arjen Robben die Fans jubeln.

Innerhalb von sieben Minuten hämmerte der Holländer den Ball zweimal ins Freiburger Tor, erst per Freistoß (76. Minute), dann per Strafstoß (83.). Der FC Bayern gewann 2:1, wehrte den Schalker Angriff ab und verteidigte seine Tabellenführung. „Wir können uns sehr glücklich schätzen, dass wir noch gewonnen haben“, atmete Karl-Heinz Rummenigge auf. Christian Nerlinger sagte: „Heute sind wir einfach nur froh, dass wir die drei Punkte eingefahren haben.“

Vier Tage nach dem Viertelfinal-Einzug in der Champions League hatte der FCB-Sportdirektor gegen Freiburg „ein Knochenbrecherspiel“ erwartet. „Und so war es dann auch.“ Vor allem in der ersten Halbzeit hatten die Münchner große Mühe mit den abstiegsgefährdeten Gästen. „Ich kenne das aus eigener Erfahrung: Nach so einem Spiel wie gegen Florenz ist es schwierig gegen eine Mannschaft wie Freiburg“, meinte Rummenigge, „es ist eine Kombination aus etwas Müdigkeit und dem Glauben, gegen den Tabellenvorletzten leichtes Spiel zu haben.“

Am Ende hatte sich die Mannschaft den Sieg aufgrund einer Leistungssteigerung nach der Pause verdient. Dabei bewiesen die Bayern wieder einmal zwei Stärken: Erstens ihre Torgefährlichkeit bei ruhenden Bällen. Beide Tore fielen nach Standardsituationen. Deswegen sei der Sieg auch „etwas glücklich“, meinte Louis van Gaal, „aber mit Robben ist das auch unsere Qualität.“ Mit fünf verwandelten Freistößen ist der FC Bayern Ligaspitze, dreimal war Robben der Schütze.

Zweitens hatten es die Bayern gegen Freiburg nicht zum ersten Mal in dieser Saison geschafft, während des Spiels einen Gang hochzuschalten. „Das ist ein Qualitätsmerkmal dieser Mannschaft“, meinte Nerlinger, der die erste Halbzeit „etwas deprimierend“ gefunden hatte. „Aber dann haben wir den Schalter umgelegt.“

'Zu wenig Laufleistung, zu wenig Aggressivität'

0:1 lag der FCB zur Pause hinten, Cedrick Makiadi hatte den Sportclub in der 31. Minute in Führung geschossen. „In der ersten Halbzeit haben wir schlecht gespielt. Wir haben keine Einstellung zum Spiel gefunden, zu wenig Laufleistung und zu wenig Aggressivität an den Tag gelegt“, bemängelte Rummenigge. Nerlinger vermisste im ersten Durchgang „viele Attribute, die uns normalerweise zum Sieg führen, und dann tut man sich auch gegen einen Abstiegskandidaten wie Freiburg sehr schwer.“

Van Gaal hielt der Mannschaft zugute, dass der Gegner „sehr gut organisiert“ war. „Das war sehr schwierig für uns. Aber wir haben auch nicht die Positionen behalten. Wenn ein Gegner so verteidigend spielt, dann müssen wir immer die Positionen besetzt halten. Das haben wir nicht gemacht. Auch das Gegentor ist die Konsequenz davon.“

'Nicht träumen, sondern arbeiten'

In der Halbzeitpause wählte Van Gaal dann nicht nur die richtigen Worte, sondern auch die richtigen taktischen Veränderungen. Er stellte um: Olic auf den linken Flügel, Klose in die Sturmspitze, Müller dahinter. Und plötzlich lief es besser bei seiner Mannschaft. „Von der ersten Minute in der zweiten Halbzeit an haben wir das Spiel dominiert und viele Chancen kreiert“, sagte er. 20 Minuten vor Schluss beorderte er zudem den kopfballstarken Daniel van Buyten nach vorne. Kurz darauf erlöste Robben den FCB.

„In der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft die richtige Mentalität an den Tag gelegt“, meinte Nerlinger, der in den kommenden Spielen eine Steigerung erwartet. „In den nächsten Wochen müssen wir anders auftreten.“ Das forderte auch Rummenigge: „Es ist wichtig, dass wir solche Spiele in Zukunft vermeiden. Es ist jetzt nicht Zeit, von irgendwelchen Großereignissen zu träumen. Die deutsche Meisterschaft, die Dinge in der Champions League und im DFB-Pokal müssen jetzt hart erarbeitet werden. Das haben wir heute gesehen.“

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