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Olaf Thon im Interview

'Schalke ist kleiner Favorit - aufs Double'

2. Mai 1984. In einem der dramatischsten Halbfinal-Spiele in der Geschichte des DFB-Pokals trennen sich der FC Schalke 04 und der FC Bayern nach Verlängerung mit 6:6. Gefeierter Held der „Königsblauen“ war damals der gerade erst 18 Jahre alt gewordene dreifache Torschützte Olaf Thon. Knapp 26 Jahre danach kommt es zur Neuauflage dieses Duells und natürlich ist der ehemalige Schalke- und Bayern-Profi Thon im Vorfeld ein gefragter Mann.

Auch fcbayern.de nahm Kontakt zum Weltmeister von 1990 auf, sprach mit ihm über die Partien seiner Ex-Klubs am Mittwoch im Pokal sowie zehn Tage später in der Bundesliga und über „das mit Abstand größte und schönste Spiel“, seiner Karriere.

Das Interview mit Olaf Thon:

fcbayern.de: Schalke gegen Bayern im DFB-Pokal - irgendwie denkt man da sofort an diese Wahnsinns-Partie vor knapp 26 Jahren. Geht’s Ihnen auch so, Herr Thon?
Olaf Thon: „Ja, natürlich. Bei einer Neuauflage dieses Duells kommen da schon einige Erinnerungen auf, wie das damals so alles war.“

fcbayern.de: Dann erzählen Sie doch mal: Wie war das für Sie, einen Tag nach dem 18. Geburtstag den FC Bayern mit drei Toren geärgert zu haben?
Thon: „Es war das mit Abstand größte und schönste Spiel meiner Karriere. Ich hatte in meinen Geburtstag reingefeiert, wie das so eben ist, und versucht, mich auf das Spiel einzustellen. Aber das, was dann passiert ist, konnte man natürlich nicht erwarten. 6:6, ich mache drei Tore, eins mit links, eins mit rechts und eins mit dem Kopf. An dem Tag selbst konnte ich das gar nicht so genießen, aber natürlich bin ich danach schon oft darauf angesprochen worden - gerade dann, wenn beide Klubs sich in einem Pokalhalbfinale messen wie jetzt.“

fcbayern.de: Sind Sie eigentlich noch in irgendeiner Funktion für Schalke aktiv?
Thon: „Nein. Ich war bis zum letzten Sommer Berater des Vorstands und Marketingmitarbeiter. Nach 21 Jahren bei Schalke 04 war die Zeit reif für eine Veränderung. Ab 1. Juli übernehme ich das Traineramt beim Fünftligisten VfB Hüls.“

fcbayern.de: Was sagen Sie als Trainer über Ihren Kollegen Felix Magath?
Thon: „Felix hat alle Erwartungen übertroffen. Schalke versucht, seit dem Stadionneubau Schritt zu halten mit dem FC Bayern, zumindest ein bisschen näher heran zu kommen an den Primus. Das hat zuletzt nicht immer so gut geklappt, aber jetzt nimmt man wieder Fahrt auf und versucht, die Bayern zu ärgern. Was Felix Magath mit der Mannschaft bisher geleistet hat, ist einfach unglaublich. Egal was er macht, wen er auch aufstellt, wen er einwechselt – es funktioniert. Es ist wie im Märchen.“

fcbayern.de: Felix Magath und auch Bayern-Coach Louis van Gaal geben sich selbstbewusst vor diesem Spiel. Wer ist denn für Sie der Favorit: Schalke oder Bayern?
Thon: „Wenn man die Spiele der letzten Wochen betrachtet, dann ist Schalke für mich ein kleiner Favorit, sogar auf das Double. Schalke hat den besten Torhüter Deutschlands, steht hinten sehr gut, im Mittelfeld sind sie sehr laufstark und vorne brandgefährlich. Und dann ist da ja noch der Heimvorteil. Schalke darf nur einen Fehler nicht machen, den FC Bayern zu unterschätzen, dann wird man klar verlieren.“

fcbayern.de: Was erwarten sie für ein Spiel am Mittwoch?
Thon: „Das Spiel ist ein I-Tüpfelchen auf die schon tolle Saison der Schalker - und alle fiebern diesem Spiel entgegen. Es wird von der Taktik geprägt sein, in dem man sich keinen Fehler erlauben darf. Es wird aber auch ein packender Fight. Ich wünsche mir ein 5:5 nach Verlängerung, und Schalke gewinnt dann im Elfmeterschießen.“

fcbayern.de: Schalke hat keine internationalen Spiele zu bestreiten. Ist das vielleicht ein kleiner Vorteil, gerade im Hinblick auf die Bundesligapartie in zehn Tagen?
Thon: „Das kann man nicht so eindeutig sagen. Ich weiß aus meiner eigenen Karriere, dass man als Spieler lieber im Mittwoch-Samstag-Rhythmus spielt. Ein Nachteil ist es für Schalke aber auf keinen Fall, dass die Bayern auch noch die Spiele gegen Manchester vor der Brust haben.“

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