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Demichelis' Heimspiel

'Wenn ich muss, werde ich grätschen'

Es ist sein Stadion, seine Stadt. Aber wenn Martin Demichelis am Mittwochabend mit der argentinischen Nationalmannschaft zum Länderspiel gegen Deutschland in die Allianz Arena fährt, wird es sich anders anfühlen als mit dem FC Bayern. „Wir werden im Bus die ganze Zeit singen“, berichtete er von einer typisch argentinischen Gepflogenheit, die er in Deutschland ein bisschen vermisst. Das Spiel am Mittwoch ist daher in doppelter Hinsicht ein willkommenes Heimspiel für „Micho“: In seiner Wahlheimat München kann er südamerikanische Heimatluft schnuppern.

„Es ist ein besonderes Spiel“, meinte der Verteidiger, der inzwischen seine siebte Saison beim FC Bayern spielt. Gegen Deutschland wird er zum 25. Mal im Trikot der „Albiceleste“ auflaufen. Ausgerechnet in München. Ausgerechnet gegen das deutsche Nationalteam, bei dem fünf seiner Mannschaftskameraden vom FC Bayern im Kader stehen. „Es tut mir leid für meine Kollegen“, machte er Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Mario Gomez und Thomas Müller keine Hoffnungen auf Geschenke, „ich will gewinnen, ich hasse es, zu verlieren.“

Keine Gnade im Eins-gegen-Eins

Das gilt speziell auch für das Duell mit Miroslav Klose und/oder Mario Gomez, mit denen es Innenverteidiger „Micho“ auf dem Platz vor allem zu tun bekommen wird. „Das sind zwei sehr gute Stürmer und gute Freunde“, sagte Demichelis, „aber am Mittwoch spiele ich für meine Nationalmannschaft. Es ist für mich eine große Ehre, dieses Trikot zu tragen. Ich muss es verteidigen. Da sind wir leider Gegner und, wenn ich grätschen muss, werde ich das machen. Ich muss den Ball, Mario oder Miro treffen.“

Demichelis wird also keine Gnade walten lassen. Auch wenn es nur ein Freundschaftsspiel ist, geht es einfach um sehr viel. Um Prestige natürlich, das die Mannschaft von Trainer Diego Maradona nach einer zähen WM-Qualifikation - erst im letzten Spiel buchten die „Gauchos“ als Vierter der Südamerika-Gruppe ihr Ticket nach Südafrika - eingebüßt haben. Und um einen Platz im WM-Kader. Demichelis ist diesbezüglich ein gebranntes Kind.

Erst 'fast tot', dann eine feste Größe

Vor vier Jahren bei der Weltmeisterschaft in Deutschland flog er wenige Wochen vor dem Turnier aus dem argentinischen Aufgebot. „Damals war ich fast tot, wollte nicht mehr Fußball spielen“, erinnert er sich. Vielleicht ist er aufgrund dieser Erfahrung jetzt zurückhaltend, was seine Aussichten für die WM betreffen. „Ich glaube, dass nicht viel fehlt, um Maradona davon zu überzeugen, dass ich der richtige Mann für die Innenverteidigung bin“, sagte er.

Dabei ist „Micho“ längst eine feste Größe in Maradonas erster Elf. Wenn er fit war, hat er jedes WM-Qualifikationsspiel bestritten. Beim Jahresabschluss 2009 - einem Freundschaftsspiel gegen die Auswahl Kataloniens - führte er die „Albiceleste“ in Vertretung von Javier Mascherano als Kapitän an. „Im Moment bin ich sehr zufrieden mit meiner Rolle in der Nationalmannschaft“, meinte der 29-Jährige, „in den letzten zwei Jahren habe ich gezeigt, dass ich der Mannschaft weiterhelfen kann. Das Länderspiel am Mittwoch ist eine große Gelegenheit für mich, das noch einmal zu untermauern.“

Guter Draht zu Maradona

Schon in den Tagen vor dem Duell mit Deutschland ist Demichelis für Maradona von großem Wert, weil er die deutsche Mannschaft bestens kennt. Mit fünf Spielern im DFB-Kader spielt er aktuell beim FC Bayern zusammen, auch Michael Ballack, Lukas Podolski und Toni Kroos kennt er aus gemeinsamen Zeiten beim FCB. „Selbstverständlich“ werde er daher vor dem Spiel mit Maradona sprechen, verriet Demichelis.

Ohnehin hat „Micho“ einen guten Draht zu seinem Nationaltrainer. „Er guckt jedes Spiel des FC Bayern in Argentinien am Fernseher“, erzählte er, „wir telefonieren oft.“ Maradona suche den Kontakt zu seinen Spielern. „Er ist kein Trainer, der auf Distanz geht, sondern kommuniziert sehr viel und geht sehr stark auf die Spieler ein. Diego hat eine große Erfahrung und gibt der Mannschaft viel davon mit.“

Stolz, ein Bayer zu sein

Einen ähnlichen Trainertyp hat Demichelis beim FC Bayern, wo sich Louis van Gaal wie ein Vater um seine Mannschaft kümmert. Beim Rekordmeister fühlt sich der Argentinier daher bestens aufgehoben. „Ich bin stolz, dass ich jedes Wochenende dieses Trikot anziehen darf. Der FC Bayern ist ein großer Verein in der Welt“, sagte er. Auch mit deutschen Gepflogenheiten hat er sich längst angefreundet. „Ich fühle mich wohl hier in Deutschland und bin schon total angepasst“, meinte er, „aber ich brauche auch viele Dinge aus meinem Land.“ Die Nationalmannschaft zum Beispiel.

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