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Ein Hamit für alle Fälle

Allrounder Altintop kann links wie rechts

Auf den Tag genau vier Monate, nachdem Hamit Altintop am 8. Dezember 1982 geboren wurde, startete im deutschen Fernsehen die US-amerikanische Serie „Ein Colt für alle Fälle“. Der Held dieser Serie war Colt Seavers, ein wagemutiger Stuntman, dessen Nebenbeschäftigung darin bestand, flüchtige Verbrecher zu jagen und diese wieder in die Arme der Justiz zurück zu führen. Etwas mehr als 27 Jahre später steht der FC Bayern wieder im Finale Champions League - und hat in eigenen Reihen einen „Hamit für alle Fälle“.

Schon im Viertelfinal-Hinspiel gegen Manchester United (2:1) startete der türkische Nationalspieler praktisch von 0 auf 100 durch, als er in seinem erst zweiten Pflichtspieleinsatz 2010 von Beginn an den leicht angeschlagenen Arjen Robben auf der rechten Seite glänzend ersetzte. Im Halbfinal-Rückspiel bei Olympique Lyon musste der 27-Jährige nun für den gesperrten Franck Ribéry auf der ungewohnten linken Seite aushelfen - und löste auch diese Aufgabe mit Bravour.

Alles Einstellungssache

„Im modernen Fußball muss man offensiv wie defensiv arbeiten, da spielt es nicht eine so große Rolle, wo man spielt“, machte Altintop auf Anfrage von fcbayern.de klar, dass er keine Umstellungsprobleme hatte. „Wenn man eine funktionierende Mannschaft hat, ist es nicht so schwierig, auf verschiedenen Positionen zu spielen“, so der 27-Jährige weiter. „Wenn man flexibel und auch bereit dazu ist, dann ist das machbar.“ Alles nur eine Sache des Kopfes und der richtigen Einstellung zum Beruf.

Diesem durfte er in den letzten Wochen wieder verstärkt nachgehen, nachdem er im bisherigen Saisonverlauf zumeist nur zu Kurzeinsätzen kam. „Es war nicht einfach. Ich habe selten gespielt, hatte teilweise frustrierende Tage“, sagte der gebürtige Gelsenkirchener, der sich aber dennoch nie hängen ließ oder für Unruhe sorgte. Im Gegenteil: Wenn er gebraucht wurde, war er meist zur Stelle, wie unlängst in Lyon. „Ich habe mich voll auf das Spiel konzentriert und die anderen Dinge ignoriert.“

Flexibel und intelligent

„Die letzten Monate haben gezeigt, dass man alle Spieler an Bord braucht. Das zeichnet uns auch aus: dass wir keine Mannschaft sind, die abhängig von ein, zwei Spielern ist. Wir sind ausgeglichener“, meinte Altintop. Zuletzt hatte Altintop „unter Hannes Bongartz in der Regionalliga bei Wattenscheid 09“ im linken Mittelfeld gespielt. Das war noch vor seinem Wechsel zum FC Schalke 04 im Sommer 2003, davor hat er auch mal in der Jugend diese Position bekleidet.

Seine Vielseitigkeit war auch einer der Hauptgründe, warum der FC Bayern denn schussgewaltigen Mittelfeldspieler 2007 nach München holte. „Ich glaube, dass mich das auch auszeichnet, dass ich flexibel bin - und da muss ich mich auch selber loben, das zeigt meine Intelligenz“, sagte er selbstbewusst nach dem Einzug ins Champions-League-Finale. „Ich bin sehr, sehr froh, dass wir gewonnen haben und nach Madrid fahren.“

Perspektive muss stimmen

Ende Juni läuft sein Vertrag beim FC Bayern aus, was danach kommt, ist noch offen. „Ich glaube, dass ich heute wieder mal gezeigt habe, dass ich mich hier wohlfühle“, betonte er nach dem Spiel in Lyon. Der Wohlfühlfaktor spielt bei Altintop ohnehin eine wichtige Rolle, auch in der weiteren Karriereplanung. „Ich weiß, was ich an dem Klub habe, drei Jahre sind eine gute Zeit, um sich ein Bild zu machen. Dann ist es auch möglich, so ein Spiel wie am Dienstag zu spielen.“

Gespräche, wie es am Saisonende weitergeht, will er ganz bewusst derzeit keine führen. „Das wäre respektlos gegenüber dem Verein“, sagte er. „Ich habe ja einen gültigen Vertrag und konzentriere mich jetzt voll auf die nächsten vier Wochen. Wir können Historisches erreichen. Danach sehen wir weiter.“ Wichtig sei eine sportliche Perspektive. Und die könnte mit dem möglichen Triple und seinen jüngsten Leistungen kaum besser sein.

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