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Mirko Slomka im Interview

'Enke-Trauer belastet den ganzen Verein'

0:0 in Hamburg und ein 4:2-Sieg am letzten Wochenende gegen Schalke - Hannover 96 scheint im Abstiegskampf noch rechtzeitig die Kurve zu bekommen. Neun Spiele in Folge hatten die Niedersachsen zwischenzeitlich verloren und Mitte Januar mit Mirko Slomka bereits den dritten Trainer in dieser Saison eingesetzt. fcbayern.de sprach mit dem ehemaligen Schalke-Coach über das Spiel am Samstag beim FC Bayern und was seine Mannschaft sich von den Hannover Scorpions abgeschaut hat.

Das Interview mit Mirko Slomka

fcbayern.de: Hallo Herr Slomka, Uli Hoeneß lässt gerne mal ein paar Packungen Würstel springen, wenn eine Mannschaft dem FC Bayern Schützenhilfe geleistet hat. Haben Sie in dieser Woche vielleicht schon Nachricht von ihm über eine anstehende Lieferung gen Hannover erhalten?
Mirko Slomka: „Nein leider nicht, aber mir wäre es ohnehin lieber, wenn wir aus München Punkte statt Würstchen bekommen würden…Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass Clemens Tönnies von Schalke 04 dann sogar Rinderfilets liefern würde!“

fcbayern.de: Mit dem 4:2 gegen Schalke haben Sie in erster Linie aber sich selbst geholfen. War dieser Sieg vielleicht schon überlebenswichtig im Abstiegskampf?
Slomka: „Er war wichtig, sehr wichtig, für die Tabelle und das Selbstbewusstsein. Meine Mannschaft hat den Fans und sich selbst gezeigt, wozu sie in der Lage ist, wenn alle Spieler an ihr Limit gehen und miteinander vollen Einsatz zeigen. Daran müssen wird jetzt anknüpfen.“

fcbayern.de: Als Außenstehender hatte man den Eindruck, der ganze Klub Hannover 96 war nach dem tragischen Freitod von Robert Enke wie gelähmt. Wie war Ihr Eindruck, als Sie Mitte Januar die Mannschaft übernommen haben?
Slomka: „Eine Lähmung habe ich nicht feststellen können, eher Verunsicherung. Und natürlich belastet die Trauer um Robert Enke, sein tragischer Tod, den gesamten Verein und jeden einzelnen Spieler. Trotzdem müssen wir uns in der Liga halten. Darüber sind sich alle im Klaren. Das ist das Einzige, was zurzeit im Fokus steht.“

fcbayern.de: Nach dem Zweiten Schalke spielen sie jetzt gegen den Tabellenführer. Mit welcher Erwartungshaltung fahren Sie zum Spiel nach München?
Slomka: „Bayern München ist natürlich Favorit, aber meine Mannschaft hat neues Selbstbewusstsein. Und am Mittwoch geht es für Bayern um den nächsten wichtigen Schritt in der Champions League und dabei ja auch um einen weiteren Quali-Platz für Deutschland.“

fcbayern.de: Sie haben es schon angedeutet: Die Bayern spielen wenige Tage später das erste Halbfinale gegen Lyon. Könnte das zum Vorteil für Ihre Mannschaft werden?
Slomka: „Das weiß ich nicht, aber wie schon gesagt: gegen Lyon spielt Bayern München auch für ganz Deutschland. Das ist eine besondere Verantwortung.“

fcbayern.de: Wie schwer wiegt in dieser Phase der Ausfall der beiden Offensivspieler Elson und Kone?
Slomka: „Die beiden haben eine besondere Klasse, die wir jetzt durch andere Spieler einbringen müssen. Ich bin aber davon überzeugt, dass uns das gelingen kann.“

fcbayern.de: Vor dem Schalke-Spiel sind Sie mit Ihrer Mannschaft zum Eishockey gegangen. Was war der Sinn des Ganzen und haben Sie sich für das Spiel in München etwas Ähnliches ausgedacht?
Slomka: „Die Eishockeyspieler der Scorpions und meine Mannschaft haben als Hannover Teams natürlich ein besonderes Verhältnis zueinander. Meine Spieler haben genau gesehen, wie wichtig intensive Zweikämpfe sind. Das haben sie gegen Schalke gezeigt. Ich bin sicher, sie brauchen keinen neuen Anschauungsunterricht.“

fcbayern.de: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie mit Hannover 96 auch in der neuen Saison zu einem Bundesliga-Spiel nach München kommen?
Slomka: „Ich bin davon überzeugt, dass wir uns auch in der kommenden Saison sehen und hören werden. Meine Spieler und ich sind uns der schwierigen Aufgabe bewusst. Wir werden sie lösen. Eine Region wie Hannover braucht einen Fußball-Bundesligisten, auch um besondere Gäste wie die Bayern begrüßen zu können.“

Das Interview führte: Dirk Hauser

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