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85 Jahre Dettmar Cramer

'Ich kann einfach ohne Arbeit nicht leben'

Genaues verrät er zwar nicht, seinen Geburtstag wird Dettmar Cramer aber in der bayerischen Heimat feiern. Immerhin. Denn spätestens im Mai wird der dann 85-Jährige wieder der Weltenbummler sein, der er schon sein Leben lang ist. „Dann reise ich nach China. Ich bin ja immer noch verhältnismäßig viel unterwegs“, erklärt der Fußball-Professor, der in mehr als 90 Ländern dieser Erde als Trainer tätig war. „Ich bin mehrfacher Millionär", sagt er, „aber nicht in Euro, sondern in Flugkilometern."

„Es ist ein Ansporn, dass man immer noch gebraucht wird. Ich kann einfach ohne Arbeit nicht leben“, erzählt der im oberbayerischen Reit im Winkl lebende „Unruheständler“ vor seinem Geburtstag am Ostersonntag. „Solange besser möglich ist, ist gut nicht genug“, lautete eine seiner Lebensweisheiten.

Zweite Heimat Japan

Cramer lässt einfach noch nicht locker. Tag für Tag absolviert er sein Gymnastik-Training: „Immer 45 Minuten lang!“ Akribisch war stets auch die Trainer-Arbeit des Fußball-Lehrers, der Mitte der 1960er Jahre Assistent von Bundestrainer Helmut Schön war. Von 1967 an reiste Cramer für den Weltverband FIFA um den Globus - und fand dabei ein weiteres Zuhause. „Japan ist schon meine zweite Heimat.“ Dort war er in den vergangenen Monaten wieder - natürlich in Sachen Aus- und Fortbildung.

Dass Cramer sein Trainer-Handwerk beherrscht, bewies er auch in der Bundesliga beim FC Bayern München. Gleich zweimal holte er 1975 und 1976 den Europapokal der Landesmeister. Als Zugabe wurde er sogar Weltpokalsieger. „Es war natürlich meine schönste Zeit als Trainer“, erinnerte sich Cramer einmal.

Mit dem FCB auf Champions-League-Reisen

Nur der deutsche Meistertitel blieb dem nur 1,65 Meter großen Fußball-Lehrer verwehrt, der von Sepp Maier einmal despektierlich als „laufender Meter“ bezeichnet wurde (Cramer: „Sepp hat halt einen ganz eigenen Witz.“), sich aber genüsslich in einer Napoleon-Uniform ablichten ließ. Besonders eng war stets seine Beziehung zu Franz Beckenbauer. „Wenn der Franz und ich zusammen sind, dann senden und empfangen wir auf der selben Wellenlänge“, erklärte Cramer.

Nach seiner Zeit in München arbeitete Cramer auch bei Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen. Noch heute verfolgt Cramer voller Interesse die großen Bühnen Bundesliga und Champions League, und ist oft noch Gast bei den Reisen des FC Bayern zu den Auswärtsspielen in der Königsklasse.

Überhaupt ist die große, weite Fußball-Welt das Zuhause des gebürtigen Dortmunders. „Es gibt den Fluch der guten Tat. Wenn man einmal etwas begonnen hat, kann man nicht mehr damit aufhören“, sagt Cramer. Und auch künftig will der Fußball-Professor sein Wissen und seine Erfahrung weitergeben. „Das möchte ich so weitermachen, so lange ich lebe.”

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