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'Europacup at its best'

Starker FCB macht ersten Final-Schritt

Abende wie dieser sind nicht planbar. Sie kommen über einen, packen zu und lassen nicht mehr los, so dass allein die Erinnerung daran, Gänsehaut verursacht. Die Allianz Arena leuchtet dann roter, die Fans schreien lauter, die Spieler agieren schneller, druckvoller, mitreißender. Es sind Abende, an denen Geschichte geschrieben wird. Mittwoch war einer jener Abende.

„Das war Europacup at its best“, frohlockte Karl-Heinz Rummenigge nach dem 1:0 (0:0)-Sieg des FC Bayern im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Olympique Lyon. Der Vorstandschef des FC Bayern war noch ganz im Bann „einer hochdramatischen zweiten Halbzeit, in der wir wahrscheinlich unser bestes Europacupspiel in der bisherigen Saison abgeliefert haben.“ Für die Krönung sorgte einmal mehr Arjen Robben, dank dessen Tores (69. Minute) der FC Bayern von der ersten Finalteilnahme in der „Königsklasse“ seit dem Titelgewinn 2001 träumen darf.

„Wir haben wieder ganz Europa gezeigt, wie stark wir sind“, freute sich Louis van Gaal. Der FCB-Chefcoach war „sehr zufrieden“ mit seiner Mannschaft, vor allem weil das Hauptziel („kein Gegentor“) erreicht worden war. Im Rückspiel in Lyon sei der FC Bayern immer für ein Tor gut, erinnerte Van Gaal an die Spiele in Manchester (2:3), Florenz (2:3) und Turin (4:1). „Normalerweise machen wir auswärts immer ein Tor. Dann muss Lyon schon drei schießen.“

„Jetzt haben wir eine ordentliche Chance, das Finale zu erreichen“, glaubt Rummenigge, Sportdirektor Christian Nerlinger sprach von einem „sehr guten Ergebnis“ und Ivica Olic sagte: „Wenn uns vorher einer ein 1:0 angeboten hätte, hätten wir es genommen.“ Dabei hatten sich die Bayern das Resultat mehr als verdient. „Von der ersten bis zur letzten Minute überragend“, fand Uli Hoeneß den Auftritt der Mannschaft. „Lyon ist über weite Strecken total an die Wand gespielt worden.“

Rot für Ribéry

Die Statistik untermauert den Eindruck des FCB-Präsidenten. 68 Prozent Ballbesitz in einem Halbfinale der Champions League sind aller Ehren wert, dazu gewannen die Bayern 55 Prozent der Zweikämpfe und verzeichneten 19:6 Torschüsse. „Mit der Leistung der Mannschaft bin ich hochzufrieden“, sagte Nerlinger, der sich „im tiefsten Inneren“ nur noch einen zweiten Treffer gewünscht hätte. „Das wäre hochverdient gewesen, so wie wir uns heute präsentiert haben.“

Dabei schien sich die Partie in der 37. Minute plötzlich gegen den FC Bayern zu wenden, als Franck Ribéry von Schiedsrichter Roberto Rosetti überraschend mit Rot vom Platz geschickt wurde (Rummenigge: „Ich fand die Entscheidung zu hart, aber wir müssen es leider akzeptieren.“). „Da hätte ich nicht gedacht, dass wir 1:0 gewinnen würden“, gab Van Gaal später zu.

'Danke an die Fans'

Seine Mannschaft ließ sich jedoch nicht von ihrem Weg abbringen. „In der Halbzeit haben wir uns gesagt: Jeder muss noch zehn, zwanzig Prozent mehr geben“, berichtete Robben, der mit seinen Teamkollegen auch in Unterzahl das Spiel diktierte. „Auch mit Zehn gegen Elf haben wir dominant gespielt. Da haben wir sogar die meisten Chancen kreiert“, stellte Van Gaal fest.

Ihren Anteil daran hatten auch die Zuschauer in der ausverkauften Allianz Arena, die laut Rummenigge „eine unglaubliche Einheit“ mit der Mannschaft bildeten. „Das Publikum hat diesen Sieg mit möglich gemacht“, betonte der FCB-Vorstandschef, „es hat die Mannschaft nach vorne gepeitscht, das war eine große Hilfe. Da kann man den Fans nur danken.“

'Kompliment an die Mannschaft'

Auch die Spieler waren beeindruckt von der Atmosphäre im Stadion. Schon beim Einmarsch wurden sie von einer beeindruckenden Choreographie begrüßt („Pack ma’s“), die sich erstmals in der Geschichte der Allianz Arena über das gesamte Stadion erstreckte. „Alles rot-weiß, als wir rausgekommen sind - es war sensationell“, fand Philipp Lahm.

Auf dem Rasen war ab der 54. Minute das personelle Gleichgewicht wieder hergestellt, nachdem Lyons Jérémy Toulalan die gelb-rote Karte gesehen hatte. Robben belohnte schließlich den Dauerdruck des FCB. „Man kann der Mannschaft nur ein großes Kompliment machen, mit welcher Moral, mit welcher Leidenschaft, mit welchem Willen sie auch heute wieder aufgetreten ist und sehr verdient gewonnen hat“, schwärmte Rummenigge.

'Wir wollen nach Madrid'

Der erste Schritt Richtung Finale ist somit gemacht. Am kommenden Dienstag in Lyon wollen die Bayern das zweite Bein nachziehen. „Wir können mit breiter Brust nach Lyon fahren, auch wenn wir den Gegner dort nicht unterschätzen dürfen. Wir haben noch ein großes Spiel vor uns“, meinte Mario Gomez. Nerlinger sagte: „Lyon wird sich zuhause anders präsentieren. Es wird eine schwierige Aufgabe. Aber wir sind so selbstbewusst zu sagen, dass wir nach Madrid wollen.“ Dort, im Endspiel, kann wieder Geschichte geschrieben werden.

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