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Neuer Anlauf 2011

Bayern haben 'jetzt Lunte gerochen'

Am Ende demonstrierten die Bayern noch mal jene Geschlossenheit, die sie über die letzten Monate so ausgezeichnet hat. Alle gemeinsam gingen Spieler, Trainer und Betreuer vor die Bayern-Tribüne, um sich bei den über 20.000 Münchner Schlachtenbummlern für die tolle Unterstützung zu bedanken. Diese gaben den Dank mit Standing Ovations zurück. Fast das identische Szenario ereignete sich wenige Minuten darauf noch einmal.

Zwischendrin hatten Kapitän Mark van Bommel und Co. den schweren Gang vom Rasen hoch in den Ehrengastbereich des Bernabeu-Stadions angetreten. Statt dort den „Pott“ überreicht zu bekommen, wurde ihnen von UEFA-Präsident Michel Platini nur die Medaille für den Unterlegenen im Champions-League-Finale umgehängt. Tiefe Enttäuschung sah man in den Gesichtern und das eine oder andere freundliche, aber gequälte Lächeln.

Es ist also nichts geworden mit dem großen Triple-Traum für die Bayern. Den erfüllte sich Inter Mailand an diesem Abend durch einen verdienten 2:0 (1:0)-Erfolg über den deutschen Double-Gewinner. Die Italiener sind erst der sechste Klub, dem dieses Kunststück gelungen ist. Dementsprechend ausgelassen feierten Doppeltorschütze Diego Milito und seine Mitspieler diesen historischen Triumph.

„Ich glaube, dass Inter Mailand heute verdient gewonnen hat. Sie waren die reifere und ausgeglichenere Truppe und haben aus ihren Chancen gnadenlos die Tore erzielt“, lautete die treffende Kurzanalyse von FCB-Sportdirektor Christian Nerlinger für diese Finale. „Inter war das entscheidende Quäntchen ausgebuffter als wir“, sagte Präsident Uli Hoeneß. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge meinte: „Inter hat ein großes Spiel gemacht.“

Für Trainer Louis van Gaal war es „keine Überraschung“, wie das Spiel abgelaufen ist. Seine Mannschaft hatte wieder einmal deutlich mehr Ballbesitz - 67 Prozent - und auch bei den Torschüssen ein klares Plus - 21:11. Inter bestach wie schon zuvor in den K.o.-Spielen gegen Chelsea und Barcelona mit viel Disziplin in der Defensive und großer Effizienz in der Offensive. Gleich die erste Großchance nutzte Milito zur 1:0 Pausenführung (35.), mitten hinein in die Münchner Drangphase verwandelte er auch seine zweite Möglichkeit (70.). Beide Male nutzte der Argentinier Stellungsfehler in der Bayern-Abwehr eiskalt aus.

„Sie haben ihre Torchancen gnadenlos ausgenutzt. Wir konnten sie nie so zwingend unter Druck setzen, wie wir uns das gewünscht hätten“, sagte Hoeneß und ergänzte: „Die kannst du eben nur schlagen, wenn alles passt, und das war heute nicht so.“ Leider war es wirklich so, dass die Bayern ausgerechnet in diesem Finale nicht ihre Bestform abrufen konnten.

„Für unser Spiel nach vorne muss man gerade gegen eine Mannschaft wie Inter top drauf sein. Das waren wir heute nicht“, sagte Van Gaal, der wie alle anderen der vergebenen Ausgleichschance von Thomas Müller direkt nach dem Seitenwechsel hinterher trauerte: „Normalerweise ist er vor dem Tor eiskalt, diesmal hat er leider nicht getroffen. Milito dagegen schon. Das sind diese Kleinigkeiten, die ein Spiel entscheiden.“

Super-Saison trotz Final-Niederlage

Und wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre, hätte der gesperrte Franck Ribéry, der im Vorfeld der Partie seinen Vertrag vorzeitig um vier Jahr bis 2015 verlängerte, mitspielen können. Van Gaal sagte: „Natürlich ist es so, dass man gegen eine verteidigende Mannschaft kreative Spieler braucht, und Franck ist ein kreativer Spieler.“

Der große Champions-League-Pokal wandert also nicht in die Trophäenvitrine an der Säbener Straße, wo zwischen Meisterschale und DFP-Pokal durchaus noch Platz gewesen wäre. Dennoch können die Bayern auf eine großartige Saison zurückblicken, in der sie mit ihrer Art des begeisternden Offensiv-Fußballs viele neue Freunde hinzugewonnnen haben.

Heimspiel beim Finale 2012

„Ich habe schon vor dem Finale gesagt: Wir haben eine Super-Saison gespielt und wir sollten uns die jetzt nicht kaputt machen lassen, weil wir das Endspiel verloren haben“, sagte Hoeneß: „Es gibt gar keinen Grund, jetzt die Flügel hängen zu lassen.“ Van Gaal betonte vollkommen zurecht, dass er stolz auf seine Mannschaft sei.

Was an diesem 22. Mai 2010 nicht klappte, wollen die Bayern aber schon bald nachholen. „Wir haben jetzt Lunte gerochen", bekäftige Rummenigge. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, meinte Philipp Lahm und betonte: „Es ist der Anspruch des FC Bayern und jedes Spielers, dass man jedes Jahr wieder um die Champions League mitspielt.“ 2012 findet das Finale der Königsklasse in der Allianz Arena statt. „Es gibt also speziell für die jungen Spieler noch viel zu träumen“, sagte Hoeneß.

Für fcbayern.de in Madrid: Dirk Hauser