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'Er soll sich nicht grämen'

Bayerns 'kalter Frosch' ärgert sich grün

Ein Meter weiter links und alles hätte anders laufen können. Dann wäre der Ball im Netz gelandet und nicht in den Beinen von Inter-Torwart Júlio César. Dann hätte es 1:1 gestanden und „dann wäre wahrscheinlich was gegangen“ (Uli Hoeneß). Doch Thomas Müller brachte den Ball nicht im Tor unter. „Das war für mich ein bitterer Moment. Ich werde mir die Chance noch einige Male anschauen und mich drüber ärgern“, sagte der 20-Jährige später und gestand: „Die Enttäuschung ist jetzt viel zu groß, um sie zu greifen. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“

Thomas Müller hätte seiner glanzvollen Premierensaison bei den Profis selbst das i-Tüpfelchen aufsetzen können. Doch in der 46. Minute des Champions-League-Finals gegen Inter Mailand scheiterte er aus zwölf Metern an Júlio César, es war die größte Bayern-Chance im Endspiel. „Müller kann sich nach der Halbzeit die Ecke aussuchen. Normalerweise ist er vor dem Tor ein kalter Frosch. Diesmal trifft er nicht. Milito dagegen schon. Das sind diese Kleinigkeiten, die entscheiden“, meinte Louis van Gaal.

'Kein Vorwurf an Thomas'

Einen Vorwurf machte dem Top-Scorer des FC Bayern in der abgelaufenen Saison natürlich niemand. „Er hat eine überragende Saison und meiner Meinung nach auch ein sehr gutes Finale gespielt“, sagte Mark van Bommel, „leider nützt er die Chance nicht. Die ganze Saison über schießt er normalerweise die Bälle rein. Aber das ist kein Vorwurf an Thomas.“

Auch Uli Hoeneß betonte, Müller solle sich jetzt „nicht grämen. Er hat als junger Mann eine unglaubliche Saison gespielt. Doch in den ersten Stunden nach dem verlorenen Finale war der Jung-Nationalspieler natürlich untröstlich. „Inter steht mit neun, zehn Mann hinten drin. Da musst du die Chance nutzen, wenn du sie hast“, ärgerte er sich, „ich kann mich jetzt direkt nach dem Spiel nicht damit trösten, dass die Saison ganz gut war.“

Noch viel Platz für Träume

Nur in einem der 53 Pflichtspiele der Saison hatte Müller nicht auf dem Platz gestanden (wegen einer Sperre), er schoss 19 Tore, bereitete 16 Treffer vor und hatte auch im Finale seine Chancen. Er gab die meisten Torschüsse (3) aller Bayern-Spieler auf dem Platz ab, scheiterte einmal an Júlio César, einmal klärte Cambiasso seine Direktabnahme kurz vor der Torlinie (63. Minute). „Sicherlich war es eine super Saison“, weiß Müller, „aber jetzt im Moment stehst du als Verlierer da.“

Doch Müllers Karriere hat gerade erst begonnen. Vielleicht steht er irgendwann wieder im Champions-League-Finale. Vielleicht hat er dann wieder eine große Chance. Vielleicht hat er dann mehr Glück. Hoeneß meinte: „2012 findet das Champions-League-Finale in München statt. Es gibt also speziell für die jungen Spieler noch viel zu träumen.“

Für fcbayern.de in Madrid: Nikolaus Heindl

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