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Herbert Grönemeyer:

'Dieser Teamgeist ist absolut beeindruckend'

„Tief im Westen“ - Herbert Grönemeyer hat seiner Heimatstadt Bochum ein musikalisches Denkmal gesetzt. Vor jedem Heimspiel des VfL Bochum wird seine Hymne auf die Stadt gespielt und von den Fans im Stadion mitgesungen. Der VfL ist Grönemeyers Klub, Bochum „seine“ Stadt. Umso überraschender war es, den 54-jährigen auf dem Festbankett des FC Bayern nach dem DFB-Pokalsieg anzutreffen. fcbayern.de hat Grönemeyer gefragt, wie es dazu kam. Und dann geriet der leidenschaftliche Fußballfan ins Schwärmen: über den FC Bayern und Hermann Gerland.

Das Interview mit Herbert Grönemeyer:

fcbayern.de: Herr Grönemeyer, sind Sie nach dem Abstieg des VfL Bochum etwa zum FC Bayern übergelaufen?
Grönemeyer: „So weit ist es noch nicht. Es gibt aber eine sehr enge Freundschaft zwischen dem VfL Bochum und den Bayern. Der Grund, warum ich hier bin, ist aber, dass mich Dr. Müller-Wohlfahrt schon seit Jahren behandelt, auch bei Tourneen, quasi mit den gleichen Rezepten wie die Mannschaft. Das ist ein unheimlich lieber Mann mit einem tollen Team. Sie haben mich nach Berlin eingeladen.“

fcbayern.de: Haben Sie heute Ihr erstes Bayern-Spiel im Stadion erlebt?
Grönemeyer: „Nein, nein. Ich war schon öfter bei Europapokalspielen der Bayern dabei. In den 60er Jahren war ich auch im Stadion, als sie gegen Bochum im Pokal verloren haben (1:2 im Halbfinale 1967/68, d. Red.).“

fcbayern.de: Inzwischen leben Sie in London. Verfolgen Sie dort die Bundesliga?
Grönemeyer: „Ja, natürlich. Ich bin ja selber ein alter Fußballer, stand mit vier Jahren zum ersten Mal auf dem Platz, habe zehn Jahre im Verein gespielt. Ich bin aber auch Fan des englischen Fußballs, weil es da unheimlich zur Sache geht und mit unheimlichem Tempo gespielt wird. Mein Sohn und ich, wir sind eingefleischte Chelsea-Fan, ich besitze auch Dauerkarten bei Chelsea. Und wir lieben Arjen Robben, der ja früher bei Chelsea gespielt hat. Das ist ein genialer Fußballer.“

fcbayern.de: Wie gefällt Ihnen denn im Moment der FC Bayern?
Grönemeyer: „Es macht unheimlich Freude, den Bayern zuzugucken. Sie spielen einen tollen Fußball, man hat das Gefühl, die haben alle Spaß am Fußball. Was ich aber zurzeit besonders schön finde, ist dieser unglaubliche Teamgeist. Es ist beeindruckend zu sehen, dass man das auch mit solchen Individualisten hinkriegt. Das hat Van Gaal mit seiner Art toll geschafft. Auch heute hat man wieder gesehen: Robben hat hinten ausgeholfen, Ribéry hat hinten ausgeholfen, alle ordnen sich dem Team unter. Und obwohl sie klar vorne lagen und nächste Woche in Madrid ein schweres Spiel ansteht, ist jeder immer noch zum Ball gegangen. Das ist absolut beeindruckend.“

fcbayern.de: Was erwarten Sie nächste Woche in Madrid gegen Inter Mailand?
Grönemeyer: „Ich werde hinfahren und hoffe, dass die Bayern gewinnen. Die Italiener werden natürlich ganz anders spielen als Werder. Die werden hinten unheimlich dicht machen. Mourinho weiß, wie Van Gaal tickt. Aber umgekehrt weiß auch Van Gaal, wie Mourinho tickt. Ich mag Mourinho, noch aus seiner Zeit bei Chelsea. Viele halten ihn ja für einen arroganten Schnösel, aber er ist ein Fuchs. Doch wenn die Bayern so spielen wie heute, mit diesem Selbstverständnis und diesem Selbstbewusstsein, wenn sie die Geduld aufbringen und sich von diesem Bollwerk der Italiener nicht nervös machen lassen, dann sieht es gut aus. Spielerisch ist Bayern sicherlich wesentlich stärker als Mailand.“

fcbayern.de: Hamit Altintop war vorhin bei Ihnen am Tisch. Kennen Sie ihn persönlich?
Grönemeyer: „Das war lustig, weil Hamit ja ein Kind aus Schalke ist, der einzigen Stadt, um die ein Stadion herumgebaut worden ist, wie man bei uns sagt. Wir sprechen mehr oder weniger die gleiche Sprache, haben diese direkte Art, dieses Ruhrgebietlerische.“

fcbayern.de: Hamit hat auch den DFB-Pokal mit an Ihren Tisch gebracht. Waren Sie dem Pokal schon einmal so nah?
Grönemeyer: „Nein, so nah noch nie. Auch wenn Bochum schon zweimal im Finale stand (1968, 1988, d. Red.). Die Bayern können wirklich stolz sein auf diesen Pokal und ihre Mannschaft.“

fcbayern.de: Mit Hermann Gerland gibt es noch einen weitern Ruhrgebietler beim FC Bayern, sogar einen Bochumer.
Grönemeyer: „Hermann ist eine Ikone des VfL Bochum, ein Kultverteidiger. Er war immer sehr beliebt. Wenn er gespielt hat, riefen die Fans immer: ‚Hermaaaann!‘ Er spielte immer relativ ruhig, war auch nicht der Allerschnellste, hatte aber ein tolles Auge. Es ist rührend, ihn mit seiner ruhrgebietstypischen Bescheidenheit zu sehen. Auch heute hat er wieder seine Mütze auf und wusste nicht genau, wo er hingehen sollte. Hermann Gerland ist ein Fußballer mit Herz und es ist beeindruckend, dass er in so einem riesigen Komplex wie dem FC Bayern seinen Platz hat.“

fcbayern.de: Einen sehr wichtigen sogar als Mann für den Nachwuchs.
Grönemeyer: „Es ist rührend zu sehen, mit welcher Zuneigung die jungen Spieler - Müller, Badstuber, Alaba und wie sie alle heißen - jetzt nach den Titelgewinnen zu ihm gehen. Ich denke, für ihn ist das auch ein irrer Moment, zu sehen, wie sehr Van Gaal die jungen Spieler integriert hat und wie sehr diese Spieler ihm dafür danken, was er für sie getan hat. Es wird einfach honoriert, was er für ein Auge und für ein Herz hat. Ich freue mich für Hermann Gerland. Und es spricht auch für die Bayern, dass sie das Stehvermögen für den Nachwuchs haben, dass sie ihn pflegen und mit ihm arbeiten. Es tut gut zu sehen, dass die Mannschaft nicht nur zusammengekauft, sondern wirklich auch gewachsen ist. Das ist klasse.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

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