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Mit Fußball, der begeistert

Ein Titel der ganzen Bayern-Familie

Das Spiel in Berlin war schon abgepfiffen und auf dem Rasen des Olympiastadions begannen bereits die Vorbereitungen für die Meisterehrung, als Louis van Gaal noch mal kräftig jubelte. Soeben hatte er den Endstand aus Bremen vernommen, Werder trennte sich vom HSV 1:1. Damit stand fest: Auch in Sachen Torausbeute ist der FC Bayern die beste Mannschaft der Saison 2009/10.

„Wir sind die beste Verteidigung, mit Schalke, und der beste Angriff und wir haben natürlich auch am meisten Punkte“, freute sich der erste holländische Meistercoach der Bundesligageschichte („Darauf bin ich stolz“). „Mannschaft und Trainer haben einen fantastischen Job gemacht“, schwärmte Präsident Uli Hoeneß selig nach dem Gewinn der 22. Deutschen Meisterschaft für den Rekordchampion.

Es war ein Titelgewinn, den viele im November nicht für möglich gehalten haben. Nach dem 12. Spieltag lagen Louis van Gaal und seine Mannschaft mit sechs Punkten Rückstand auf die Spitze nur auf Platz acht. Doch nach dem „Urknall“ beim Champions League-Spiel in Turin eroberten die Bayern Spieltag für Spieltag verlorenen Boden zurück, absolvierten mit unbändigem Willen und riesiger Leidenschaft auch die Hammerwochen in März und April in drei Wettbewerben erfolgreich und haben nun sogar die historische Chance auf drei Titel.

„Die Spieler haben von Tag eins an mich geglaubt. Das ist das Beste, das ein Trainer bekommen kann“, nannte Van Gaal einen der Hauptgründe für die erfolgreiche Aufholjagd. Der „Vater des Erfolgs“ war aber er selbst. „Der Trainer hat natürlich einen sehr großen Anteil an der Meisterschaft - er hat der Mannschaft sein System aufgedrückt“, sagte Thomas Müller. Mit akribischer (Trainings-)Arbeit verpasste der 58-Jährige Fußballlehrer seinen Profis eine dominante Spielphilosophie, die selbst ehemalige Bayern-Stars ins Schwärmen bringt. „Ich habe von einer Bayern-Mannschaft in den letzten Jahren selten so einen Fußball gesehen“, sagte Oliver Kahn am Samstagabend im „Aktuellen Sportstudio“.

'Die Mannschaft ist ein Familie'

Zum anderen schaffte es Van Gaal, aus einem Mix von gestanden Profis, für viele Millionen Euro eingekauften Stars und Münchner Eigengewächsen eine echte Mannschaft und Einheit zu formen. Davon konnten sich auch die fast 76.000 Zuschauer im ausverkauften Berliner Olympiastadion überzeugen: Während des Spiels, das die Bayern durch die Tore von Ivica Olic (20.) und Arjen Robben (74./87.) sowie dem Gegentreffer von Adrian Ramos (60.) mit 3:1 gewannen, aber speziell danach.

Ausgelassen wie kleine Kinder feierten Spieler, Trainer, Betreuer und medizinische Abteilung gemeinsam diesen Titel. Und „Feierbiest“ Van Gaal, der zur Halbzeit in Erwartung der Bierduschen extra den feinen Zwirn gegen einen Trainingsanzug tauschte, immer mittendrin. „Daran sieht man, dass die Mannschaft eine Familie ist“, sagte Abwehrchef Daniel van Buyten. Der Belgier ist nicht der einzige Spieler im Kader, der unter Van Gaal seine bisher beste Saison beim FC Bayern spielte.

Die Meisterschale ist nach einem Jahr in Wolfsburg also zurück in München. „Wir sind verdient Meister geworden und ich denke auch mit einem sehr attraktivem Spiel. Ich denke, dass die Bayern von 2010 in Erinnerung bleiben werden", sagte Van Gaal. In den nächsten zwei Wochen haben Van Gaal und die Seinen nun die Möglichkeit, sich selbst unsterblich zu machen.

„Es kann eine überragende, historische Saison werden, aber wir müssen fokussiert und konzentriert bleiben“, forderte Kapitän Mark van Bommel mit Blick auf das DFB-Pokalfinale in einer Woche gegen Werder Bremen und das Champions-League-Endspiel am 22. Mai in Madrid gegen Inter Mailand. „Das Hauptziel sind drei Pokale. Einen haben wir, zwei wichtige Spiele kommen noch“, sagte Robben. Shootingstar Müller versprach: „Jetzt geht's in zwei Finals, ich bin zuversichtlich, jeder wird sich zerreißen.“

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