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'Ihr seid unglaublich'

Fans machen Final-Niederlage vergessen

„So schnell geht das bei mir nicht.“ Louis van Gaal war bei der Ankunft auf dem Rollfeld des Münchner Flughafens noch sichtlich geknickt. Einige Stunden nach dem geplatzten Triple-Traum saß die Enttäuschung noch immer tief - sehr tief. Der gesamten Mannschaft stand die Trauer ins Gesicht geschrieben. Mit Lebkuchenherzen mit der Aufschrift „Mia san mia“ behängt, verließen sie den Flieger. Pfefferkuchen statt Pott. Das Lächeln, wenn überhaupt, gequält.

Manch einer dürfte dem bevorstehenden Autokorso zum Marienplatz, der doch eigentlich ein Triumphzug werden sollte, mit Grauen entgegen gesehen haben. Verständlich. Zwei Stunden später ein völlig anderes Bild. Dieselben Bayern fahren lachend, scherzend und ein bisschen stolz - umringt von jubelnden Fan-Massen - die Leopoldstraße entlang in Richtung Marienplatz. Ein Triumphzug wider Willen. Mit jedem Meter, den die Blechlawine vorankommt, erhellen sich auch die Mienen der Double-Gewinner.

Van Gaal, plötzlich gut gelaunt, winkt in die Menge, schüttelt Hände. Wie sich die Bilder doch gleichen. Es ist kaum ein Unterschied zu den Meisterfeierlichkeiten vor zwei Wochen auszumachen. So schnell kann es dann doch gehen.

„Ich dachte, dass ich heute Morgen tot war. Aber Sie sind die Gladiolen. Unglaublich. Wir leben wieder“, bedankt sich das selbsternannte Feierbiest bei den Bayern-Fans wenige Minuten später auf dem Rathausbalkon. Auch die Spieler können es kaum glauben, was die Sympathiebekundungen der „besten Fans der Welt" bewirken.

Arjen Robben ist überwältig. „Natürlich sind wir enttäuscht. Aber wenn die Fans uns so feiern, dann muss man einfach lachen. Das zeigt doch auch, was wir geleistet haben. Ich bin erst ein Jahr hier, aber das ist der beste Verein Europas." Ungläubiges Kopfschütteln auch bei Kapitän Mark van Bommel. „Kaum vorzustellen, was gewesen wäre, wenn wir das Ding gewonnen hätten. Hier ist mehr los als in Mailand.“

Rummenigge verspricht den Titel

Tatsächlich platzt der Marienplatz bei Kaiserwetter aus allen Nähten. Es sind noch mehr Fans gekommen, als vor zwei Wochen. Das rot-weiße Fahnenmeer ist Seelenbalsam für eine Mannschaft, die in dieser Saison Unglaubliches geleistet hat. Die Fans danken es auf ihre Art, frei nach dem Motto:„Mia san mia, mia san wieder wer - auch in Europa.“

Der Stolz und der Jubel kennen keine Grenzen, so dass Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ankündigt, alles daran zu setzen, den Pott in den nächsten Jahren nach München zu holen. „Wir haben hier 1999 schon einmal nach einer Niederlage gestanden. Und ich kann mich daran erinnern, dass Uli Hoeneß gesagt hat, wir tun jetzt alles, um die Champions League zu gewinnen. Und das mache ich heute auch. Wir werden jetzt alles tun, dass wir in den nächsten Jahren den Pokal mitbringen. Diese Mannschaft wird uns in Zukunft noch viel Freude machen.“ Ein Versprechen quittiert von ohrenbtäubendem Jubel.

Fans feiern Ribérys Vertragsverlängerung

Nur noch die Verkündung von Franck Riberys Vertragsverlängerung erreicht einen höheren Dezibelwert. „Ribéry, Ribéry“ skandiert die Masse, ehe der kleine Franzose selbst zu Mikrofon greift und sich auf Deutsch an seine treuen Fans wendet. „Gestern habe ich mit Monsieur Rummenigge, Hopfner, Hoeneß und Nerlinger gemacht fünf Jahre mehr. Ich liebe alle Fans des FC Bayern.“ Mehr ist gar nicht nötig, die Feierstimmung ist am Siedepunkt.

Beim „Stern des Südens" reckt nochmal jeder Spieler beide Pokale in die Höhe und van Gaal lässt sogar ein bisschen Feierbiest durchblitzen. Und Mark van Bommel verspricht: „Nächstes Jahr sehen wir uns wieder." Dann vielleicht mit dem größten aller Titel.

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