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Bayerns zweiter Streich

Jubel, Double, Heiterkeit

Die Begeisterung kannte keine Grenzen. Ausgelassen feierten und tanzten die Spieler des FC Bayern vor der Westkurve des Berliner Olympiastadions, wo rund 30.000 Fans des Rekordmeisters den zweiten von drei möglichen Titeln in dieser Saison bejubelten. Kurz zuvor hatte Kapitän Mark van Bommel nach einem fast schon sensationell klaren 4:0 (1:0)-Final-Erfolg gegen Titelverteidiger Werder Bremen den goldenen DFB-Pokal von Bundespräsident Horst Köhler überreicht bekommen und diesen in den Berliner Nachthimmel gereckt.

„Eine Demonstration des Fußballs“ (Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge), „Fußball vom Allerfeinsten“ (Präsident Uli Hoeneß), „einmalig, beeindruckend“ (Sportdirektor Christian Nerlinger) - die Verantwortlichen des nun achtmaligen Doublegewinners waren nach der einseitigen Partie ebenso euphorisiert wie die Spieler, die nur eine Woche nach dem Gewinn der 22. Deutschen Meisterschaft an gleicher Stätte den zweiten Streich folgen ließen. „Überragend“ (Holger Badstuber), „sensationell“ (Bastian Schweinsteiger), „traumhaft“ (Thomas Müller) schlossen sich die Bayern-Profis ihren Bossen an.

Selbst der Gegner musste hinterher eingestehen, dass der insgesamt 15. Pokalerfolg der Bayern mehr als verdient war. Werders Geschäftsführer Klaus Allofs sprach von einem „übermächtigen Gegner“, der „im Moment deutlich besser ist als der Rest der Liga.“ Ex-Bayer Torsten Frings, der nach einer Gelb-Roten Karte (77.) die Schlussphase von außen verfolgen musste, räumte ein: „Bayern war eindeutig besser. Sie haben verdient gewonnen. So wie Bayern momentan drauf ist und vor Selbstvertrauen strotzt, muss man sich auch für die Champions League keine Sorgen machen.“

Eine Woche vor dem großen Finale von Madrid gegen Inter Mailand präsentierte sich die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal vor 75.420 Zuschauern in Berlin und Millionen vor dem Fernseher in beeindruckender Verfassung. „Das war heute ein hervorragendes Spiel. Wir haben sehr dominant gespielt, viele Chancen kreiert und auch viele Tore geschossen“, zeigte sich auch der Niederländer nach „einem unserer besten Spiele in dieser Saison“ sehr zufrieden. „Es war hoch verdient, dass wir gewonnen haben.“

Lediglich zu Beginn beider Halbzeiten waren die Hanseaten in der Lage, die Partie offen zu gestalten. Und wer weiß, wie das Spiel verlaufen wäre, hätten sie ihre wenigen aber durchaus hochkarätigen Chancen in diesen Phasen in Tore umgemünzt. Doch so übernahmen die Bayern das Kommando, zogen ihr bewährtes Positions- und Kombinationsspiel auf, erarbeiteten sich eine Vielzahl an Tormöglichkeiten und nutzten diese „genau zum richtigen Zeitpunkt“, wie Philipp Lahm hinterher erklärte.

In der Schlussphase der ersten Halbzeit verwandelte Arjen Robben (35.) einen von Per Mertesacker verursachten Handelfmeter zur verdienten Pausenführung, nach dem Seitenwechsel traf Ivica Olic (51.) mitten in die beste Bremer Phase zum 2:0. Mit Franck Ribérys Kontertor zum 3:0 (63.) war der Widerstand der Norddeutschen endgültig gebrochen. Den Schlusspunkt setzte Schweinsteiger (86.) mit einem sehenswerten weil technisch anspruchsvollen Treffer kurz vor dem Spielende.

Stärker als 2001

„Wir haben nicht nur bei Ballbesitz die Organisation gehalten, sondern auch bei Ballbesitz des Gegners“, lobte Van Gaal und fügte an: „Wir sind in einem Prozess. Und ich glaube, dass wir immer noch besser spielen können.“ Für Hoeneß ist die aktuelle Mannschaft „spielerisch stärker als die von 2001. So wie wir im Moment die Gegner zumindest national dominieren, haben wir das damals nicht gemacht.“ Und Rummenigge attestierte dem Team „eine Leidenschaft, einen Willen, einen Kampfgeist, wie wir ihn lange nicht mehr hatten.“

Mit diesem Willen und dieser Leidenschaft soll nun in der kommenden Woche die „historische, große Chance“ (Rummenigge) auf das Triple genutzt werden. „Es ist zusätzliches Selbstvertrauen. Jetzt haben wir das Double gewonnen und in Madrid überhaupt nichts zu verlieren. Wir werden alles tun, um das Unmögliche zu schaffen“, meinte Hoeneß. Und Philipp Lahm ergänzte: „Wir haben noch was vor. Ein Double ist schön, aber ein Triple noch besser. Wir wollen unbedingt das Triple holen.“

Für fcbayern.de in Berlin: Carsten Zimmermann

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