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Der Pott im Porträt

'Kein künstlerisches Meisterwerk'

Jürg Stadelmanns Begeisterung über die Optik der begehrtesten Trophäe im europäischen Vereins-Fußball hält sich in Grenzen. Dabei entsprang der Pokal mit den großen Ohren seinen eigenen Händen.

Im Jahr 2006 wurde der Schweizer von UEFA-Generalsekretär Hans Bangerter beauftragt, die neue Champions League Trophy zu gestalten. Ein Jahr zuvor hatte der FC Liverpool den Vorgänger-Pokal zu seinem Eigentum gemacht. Laut der Regelung aus dem Jahre 1968/69 durfte jede Mannschaft, die in der „Königsklasse“ insgesamt zum fünften Mal erfolgreich war oder dreimal in Serie triumphiert hatte, den Pokal behalten. Auch der FC Bayern (4), Real Madrid (9), Ajax Amsterdam (4) und der AC Mailand (7) zählen ein Original zu ihren Besitztümern.

Design wie ein Puzzle

Nach Liverpools fünftem Triumph brauchte man also einen neuen Pott. Stadelmann erinnert sich, dass die gewöhnungsbedürftige Optik des Pokals auch ein wenig das Verschulden des Generalsekretärs war.

„Mein Vater und ich suchten Herrn Bangerter in seinem Büro auf und legten den ganzen Boden mit Skizzen aus. Er sagte etwas wie 'die Bulgaren würden den unteren Teil lieben. Die Spanier würden dies mögen, aber die Italiener jenes und die Deutschen ein Teil von dem.' Wir haben das Design wie ein Puzzle zusammengesetzt. Es wurde aus vielen verschiedenen Teilen zusammengestellt“, so Stadelmann. Eine Geschichte, die selbst dem globigen Pott wieder Charme verleiht.

Zeitdruck bei der Herstellung

Den Schwarzen Peter ganz dem Generalsekretär zuzuschieben wäre allerdings zu einfach. Stadelmann arbeitete damals unter enormem Zeitdruck. „Ich erinnere mich, dass er bis zum 28. März fertig gestellt werden musste, weil mein Hochzeitstermin bevorstand. Ich hatte auch die Flitterwochen mit meiner Zukünftigen bereits gebucht.“

Am Ende blieben 340 Stunden, um die 8,5 kg schwere und 73,5 cm große Trophäe herzustellen. „Ich habe den Feinschliff gemacht, der Graveur Fred Bänninger den Rest besorgt.“ Der Pokal war erschaffen. Rechtzeitig im Übrigen. Die Hochzeitsreise der Stadelmanns konnte wie geplant stattfinden.

Anders als seine Vorgänger soll der aktuelle Pott nach einer Regeländerung ein Wanderpokal bleiben. „Mittlerweile gefällt er mir, und jeder, der mit Fußball zu tun hat, mag ihn auch“, sagt Stadelmann. Und das ist auch gut so, denn der Pokal wird noch viele Jahre durch jubelnde Hände gleiten.

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