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Festbankett

'Lasst es uns machen wie 1999'

Es war nicht das erhoffte Freudenfest, aber auch keine Trauerfeier. Es wurde getanzt, gut gegessen und getrunken. Und als um 0:56 Uhr Karl-Heinz Rummenigge das Mikrofon in die Hand nahm, begann die Enttäuschung in den Köpfen zumindest ein bisschen zu bröckeln. „Wegen einer Niederlage werden wir uns nicht die Saison verhageln lassen“, betonte der Vorstandschef des FC Bayern im Saal „Barcelona“ des Mannschaftshotels „Eurostars-Madrid Tower“.

„Die Mannschaft hat eine phantastische Saison gespielt. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, die Trainer und alle, die im Klub mitgewirkt haben.“ Wenige Minuten zuvor hatten knapp 1.000 geladene Bankettgäste - darunter unter anderem Ministerpräsident Horst Seehofer, sein Vorgänger Dr. Edmund Stoiber, Vitali Klitschko, Michael Henke und ehemalige Spieler wie Roy Makaay, Giovane Elber und Carsten Jancker - Spielern und Trainern nach dem verlorenen Champions-League-Finale einen warmen Empfang bereitet. Es gab Standing Ovations und langen Applaus für die von Moderator Stephan Lehmann als „zweitbeste Mannschaft Europas“ begrüßten Bayern.

„Man muss auch mal eine Niederlage akzeptieren können, wenn der Gegner besser ist. Und Inter Mailand war heute dieses Stück besser“, sagte Rummenigge in seiner Ansprache, in der er sich ausdrücklich bei Louis van Gaal bedankte („Lieber Louis, du hast das phantastisch gemacht.“) und den Blick nach vorne richtete. „Wir haben zwei Jahre mit tollen Endspielorten vor uns, 2011 London, 2012 München. Ich wünsche uns, dass wir vielleicht 2012 noch mal im Finale stehen und es dann packen.“

Van Gaal ergreift das Wort

Bei Tapas und Tournedos vom Kalb ließen es sich anschließend alle gut gehen. Rummenigge schmauchte eine Zigarre, die Spielerfrauen und -freundinnen zauberten ein erstes Lächeln in die Gesichter ihrer Männer. Um 1:54 Uhr betrat dann Van Gaal die Bühne, um ebenfalls ein paar Worte zu sagen. Das hatte schon lange kein Trainer mehr bei einem Bayern-Bankett getan.

„Ich habe meinen Spielern gesagt, dass wir eine sehr große Leistung gemacht haben“, berichtete das selbst ernannte „Feierbiest“, das gut drei Stunden nach dem Schlusspfiff im Estadio Santiago Bernabéu nicht richtig in Feierlaune kam, wie der FCB-Chefcoach durchblicken ließ. Zu sehr wurmte ihn das 0:2 gegen Inter Mailand. „Normalerweise, in einer guten Verfassung, hätten wir Inter schlagen können. Dieses Gefühl ist sehr stark.“

'Aufstehen und von Neuem anfangen'

Doch Van Gaal war dennoch stolz auf seine Mannschaft. „Die Spieler hatten es diese Saison nicht einfach“, sagte er, „ich bin nicht ein sehr freundlicher Trainer. Ich bin auch nicht ein geduldiger Trainer. Und ich trainiere auch das Gehirn. Diese Spieler haben trotz des Drucks von außen von Tag eins an hinter mir gestanden.“ Und sie haben seine Philosophie angenommen. „Es ist der schwierigste Spielstil, um etwas zu erreichen. Angreifen ist schwieriger als verteidigen. Das haben wir heute wieder gesehen.“

Schließlich blickte auch Van Gaal nach vorne. Die Leistung dieser Saison gelte es im neuen Spieljahr zu bestätigen, betonte der holländische Fußballlehrer. Es sei „sehr schwierig“, die Champions League zu gewinnen. „Aber wir werden alles machen, um das zu erreichen.“ Zuvor hatte bereits Rummenigge den Spielern mit in die lange Nacht gegeben: „Lasst es uns so machen wie '99. Damals sind die Spieler am Boden gelegen, sind nach dem Urlaub sofort aufgestanden und haben von Neuem angefangen.“ Das Festbankett in Madrid war der erste Schritt dazu.

Für fcbayern.de in Madrid: Nikolaus Heindl

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