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Duell der Strategen

Lehrer Van Gaal trifft Schüler Mourinho

Die Verabredung erfolgte noch vor dem gemeinsamen Finaleinzug per SMS. „See You in Madrid“, schrieb Bayern-Trainer Louis van Gaal seinem Mailänder Widersacher José Mourinho - und dann machten die beidenFußball-Strategen ihr Wiedersehen perfekt. „Das ist ein guter Freund in der Fußball-Welt. Und viele Freunde hat man in der Fußball-Welt nicht“, sagte van Gaal über seinen einstigen Co-Trainer beim FC Barcelona.

Und auch der Portugiese in Diensten von Inter Mailand, sonst nicht gerade als großer Schmeichler bekannt, drückte vor dem großen Finale von Madrid seine Verbundenheit aus. „Wir werden uns vor und nach dem Spiel umarmen - da bin ich mir absolut sicher“, sagte der 47 Jahre alte Mourinho.

Duell zweier Strategen

Während der 90 oder gar 120 Minuten plus Elfmeterschießen werden sich die beiden trotz ihrer Freundschaft mit allerhand strategischen Finessen auf dem Feld bekämpfen. „Er gilt als Taktikfuchs, genau so wie unser Trainer. Die werden sich schon was ausdenken, wie sie den anderen auch taktisch überraschen können“, versicherte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor einem Endspiel, das mehr als in anderen Jahren im Zeichen der großen Strategen steht: Beide formten und führten zwei Teams ins Finale, die dort vor der Saison kaum jemand erwartet hatte.

Van Gaal und Mourinho haben aber auch sonst viel gemeinsam: Beide gelten als Trainer mit klarem Plan und klarer Philosophie. Sie setzen auf Ordnung und Disziplin und arbeiten so detailversessen, dass jeder ihrer Spieler zu jeder Zeit weiß, was er auf dem Platz zu tun hat. Rummenigge sprach auf einer Pressekonferenz schon von „Louis Mourinho“. Das war zwar ein Versprecher, hatte aber Symbolcharakter.

Robben lobt beide Trainer

Denn auch abseits des Platzes demonstrierten beide gern ihr großes Selbstvertrauen. Das mag manchen verstören, aber bei ihren Spielern sind sie beliebt. „Es sind beides super Trainer“, lobte Arjen Robben, der in Chelsea unter Mourinho und jetzt bei den Bayern unter van Gaal seine Turbo-Dribblings vollführt. Beide ziehen das öffentliche Interesse manchmal auch gezielt auf sich - und nehmen damit etwas Druck von der Mannschaft.

Taktisch unterscheiden sich die beiden Fußball-Analytiker allerdings deutlich. „Mein Ziel ist es, das Publikum zu begeistern und zu gewinnen. Er spielt nur, um zu gewinnen“, meint van Gaal. Das Duell am Samstag sei auch das Spiel „Defensive gegen Offensive“, pflichtet ihm Robben bei. „Van Gaal versucht das Spiel zu machen, Mourinho legt den Fokus auf die defensive Ordnung.“

Lehrer und Boss

Als van Gaal 1997 zum FC Barcelona kam, drohte Mourinho die Abschiebung. Aber der Portugiese ließ sich das nicht gefallen, wehrte sich - und gewann so die Anerkennung seines niederländischen Chefs. „Louis war mein Lehrer und Boss“, betonte Mourinho, der zunächst nur als Dolmetscher fungierte. Doch er nutzte die Zeit, um viel vom heute 58-jährigen van Gaal zu lernen. So begann sein Aufstieg als Trainer.

„Er war sehr wichtig für meine Entwicklung“, versicherte Mourinho und führte dabei eine Anekdote aus der gemeinsamen Zeit in Barcelona auf, die aufzeigt, wie beide Trainer ticken: „Als ich ihn gefragt habe, ob ich als Assistenztrainer zu Benfica gehen sollte, hat er gesagt: Nein. Sag Benfica, wenn sie einen Cheftrainer brauchen, gehst du hin. Wenn sie einen Assistenten brauchen, bleibst du.“

Einer kann Geschichte schreiben

So kann einer der beiden Männer mit dem großen Ego am Samstagabend im Estadio Santiago Bernabeu Geschichte schreiben und als dritter Trainer nach Ernst Happel und Ottmar Hitzfeld die begehrteste Klub-Trophäe der Welt mit zwei Vereinen gewinnen. Van Gaal triumphierte 1995 mit Ajax Amsterdam, Mourinho 2004 mit dem FC Porto.

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