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'Eine überragende Saison'

Lenker, Verteiler, Stopfer, Schweinsteiger

Es war ein ungemütlicher Samstag in Berlin. Fast den ganzen Tag über regnete es Bindfäden, die unzähligen Menschen, die sich durch die Straßen des Stadtzentrums wälzten, froren. Mittendrin auch eine kleine Gruppe, die sofort ins Auge fiel. Dick eingepackt in knallrote Winterjacken vertraten sich Jörg Butt, Mario Gomez und Co. am Vormittag vor dem DFB-Pokalfinale die Beine. Wie viele andere zog es sie zum Brandenburger Tor, dem Reichstag und anderen Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt. Angeführt wurde die Bayern-Delegation von Bastian Schweinsteiger.

Nicht nur als Fremdenführer geht der 25-Jährige in dieser Saison voran beim FC Bayern. Von Trainer Louis van Gaal zum dritten Kapitän bestimmt und auf seiner „Lieblingsposition“ im zentralen defensiven Mittelfeld eingesetzt, hat Schweinsteiger auch auf dem Platz eine Führungsrolle übernommen. „Zusammen mit Mark van Bommel versuche ich, das Spiel zu lenken“, beschreibt er selbst seine Aufgabe.

Am Abend nach dem Berlin-Rundgang ist ihm das im DFB-Pokalfinale gegen Werder Bremen (4:0) einmal mehr eindrucksvoll gelungen. Schweinsteiger hatte 113 Ballkontakte, spielte 89 Pässe und legte 12,4 Kilometer zurück - kein anderer Spieler auf dem Platz konnte da mithalten. Und ein Tor schoss er auch noch. „Ich habe das entscheidende 4:0 gemacht. Darauf bin ich sehr stolz“, meinte er schmunzelnd.

Ein Tor für den Opa

Spielentscheidend war sein Treffer sieben Minuten vor dem Schlusspfiff nicht mehr, aber schön anzusehen allemal. Eine Maßflanke von Philipp Lahm nahm er mit der Brust mit und noch bevor der Ball auf den Boden berührte, schoss er ihn mit dem Spann gezielt ins lange Eck. Das schönste Tor des Abends und eines, das für Schweinsteiger einen persönlichen Wert besaß. „Mein Opa ist unter der Woche gestorben. Ich habe meiner Oma versprochen, dass ich ein Tor für ihn schießen werde. Dass es geklappt hat, freut mich umso mehr.“

Gefreut hat sich der 73-fache Nationalspieler aber auch, weil er in der abgelaufenen Bundesligasaison vom Abschlusspech verfolgt war. Sieben Mal scheiterte er am Aluminium, öfter als jeder andere Profi. Nur zwei Ligatreffer stehen für ihn zu Buche, im Pokalfinale erzielte er erst sein drittes Saisontor. Diese Torausbeute gelte es zu verbessern, meinte der 25-Jährige selbstkritisch.

Lob vom 'Kaiser'

Ansonsten kann er mit seiner Saison sehr zufrieden sein. „Schweinsteiger spielt eine überragende Saison“, meinte Franz Beckenbauer, der sich auf dem Pokal-Bankett länger mit dem Hochgelobten unterhielt. Seit dem 3:0 in Hannover Ende November bildet Schweinsteiger zusammen mit Van Bommel die Doppelsechs beim FCB, seitdem verzeichnete er in 15 von 20 Ligaspielen die meisten Ballkontakte aller Spieler auf dem Platz, am letzten Spieltag gegen die Hertha sorgte er mit 155 Ballkontakten für einen Allzeitrekord seit Einführung dieser Statistik.

Schweinsteiger ist der Ballverteiler im Spiel des FC Bayern. Er ist zweikampfstark, extrem ball- und passsicher, zudem wacht er zusammen mit Van Bommel über die Ordnung im Spiel, stopft Löcher. „Es macht einfach Spaß, in dieser Mannschaft zu spielen“, betont der 25-Jährige, der sich in seinem zwölften Jahr beim FC Bayern so wohl fühlt wie nie. „Der Charakter der Mannschaft ist sensationell.“ Und das FCB-Eigengewächs gab nach seinem fünften Double-Gewinn auch den weiteren Weg vor: „Wir haben die Möglichkeit, etwas Großes zu schaffen. Das spornt uns an.“

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