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Truus van Gaal:

'Louis ist ein ehrlicher Mann'

Seit 15 Jahren sind sie ein Paar: Bayern-Trainer Louis van Gaal und seine Ehefrau Truus. Ob in Amsterdam, Barcelona oder Alkmaar - überall gab es für das Paar Grund zum Feiern. So wie auch jetzt in München, wo der FC Bayern unter der Regie Van Gaals in dessen ersten Jahr auf Anhieb das Double gewann. Im ersten Teil des Interviews mit Frau Van Gaal sprach fcbayern.de mit der Trainer-Gattin über den gemeinsamen Weingeschmack, über die Eigenschaften ihres Mannes und darüber, wie sie sich einst kennengelernt haben.

Das Interview mit Truus van Gaal, Teil I

fcbayern.de: Frau Van Gaal, Ihr Mann stößt gerne mit spanischem Rotwein an. Mögen Sie Rioja eigentlich?
Truus van Gaal: „Ja, wir haben zufällig beide den selben Geschmack und trinken jeden Tag ein Gläschen. Als wir beim FC Barcelona waren, haben wir uns jede Woche einmal zum Essen mit dem damaligen Präsidenten Núñez getroffen. Da haben wir Rioja kennen und lieben gelernt. Inzwischen trinken wir aber auch gerne deutsche oder österreichische Weine: Riesling und auch sehr gute Rotweine. Französische Weine mögen wir hingegen nicht.“

fcbayern.de: Der FC Bayern hat Louis van Gaal als einen Menschen kennen gelernt, der sehr dominant auftritt. Ist er auch zu Hause so?
Truus van Gaal: „Ja, dort auch, zumindest versucht er es. Louis erwartet aber auch, dass man ihm Kontra gibt und nicht zu allem Ja und Amen sagt.“

fcbayern.de: Was schätzen Sie an Ihrem Mann?
Truus van Gaal: „Louis ist ein ehrlicher Mann. Ich kenne niemanden auf der ganzen Welt, der so ehrlich ist wie er. Er ist auch sehr emotional und etwas naiv, er glaubt immer alles. Dann sage ich manchmal: Ach Louis, glaubst Du wirklich, dass das so ist? Ich denke, das ist typisch Mann und typisch Frau. Er fragt mich dann manchmal: Wie bist Du so misstrauisch geworden? Dann sage ich: Ich bin halt so, das sagt mir mein Gefühl.“

fcbayern.de: Was machen Sie, wenn Louis am Abend von der Arbeit nach Hause kommt?
Truus van Gaal: „Wir haben sehr viel Spaß zusammen und sind oft unterwegs. Wir lieben das Leben, essen gern mit Freunden und Familie zu Abend. Aber wir freuen uns auch, wenn wir mal zusammen einen Abend zu Hause verbringen können. Dann genießen wir es, fernzusehen oder Zeitung zu lesen. Und wir müssen natürlich auch immer sehr viele E-Mails aus aller Welt beantworten. Ich bin so eine Art Sekretärin für Louis. Er muss mir dann sagen, was ich schreiben soll, denn wir denken ja nicht immer das Selbe.“

fcbayern.de: Erzählt Ihnen Ihr Mann abends viel von seiner Arbeit?
Truus van Gaal: „Wenig. Oft frage ich ihn: Wie war’s heute bei Bayern? Dann sagt er nur: Schlecht trainiert. Oder: Gut trainiert. Oder: Einer hat sich verletzt. Oft erfahre ich mehr von seinen Assistenten als von ihm selbst. Und ich lese natürlich die Zeitungen. Wenn ich ihn dann nach etwas frage, was ich gehört habe, kann er sehr böse werden. Woher weißt Du das? Was geht Dich das an, sagt er dann. Louis erzählt nie etwas aus der Kabine. Was in der Mannschaft passiert, hält er für sehr privat.“

fcbayern.de: Wenn schon nicht über das Innenleben der Mannschaft, spricht er mit Ihnen wenigstens über die Spiele?
Truus van Gaal: „Manchmal sage ich: Der oder der Spieler war heute sehr gut. Dann sagt er: Der war der schlechteste Mann auf dem Platz! Wir sehen uns viele Spiele zusammen an. Wenn wir vor dem Fernseher sitzen, sagt er oft: Siehst Du, was da passiert? An diesen taktischen Details bin ich aber nicht so interessiert. Das geht bei mir bei einem Ohr rein und beim anderen raus. Grundsätzlich liebe ich aber den Fußball und schaue mir auch ohne Louis viele Spiele an.“

fcbayern.de: Wie haben Sie sich eigentlich kennen gelernt?
Truus van Gaal: „1994 bei der Weltmeisterschaft in den USA. Ich arbeitete damals für eine niederländische Versicherungsgesellschaft in der Öffentlichkeitsarbeit und hatte Louis für Vorträge gemietet. Wir haben sehr gut zusammengearbeitet und es war schon ein bisschen Herzklopfen da. Aber damals war gerade seine erste Frau Fernanda gestorben, ich war seit vier Jahren geschieden. Er hat gesagt: Vielleicht können wir uns ja noch einmal treffen, ich lade dich zu einem Spiel von Ajax ein. Da habe ich gesagt: Ich weiß nicht, ob ich diese Einladung annehme, mein Klub ist Feyenoord Rotterdam. Da hat er gesagt: Ich lade dich zu einem Champions-League-Spiel ein, dann siehst du auch mal guten Fußball. Da war ich ein bisschen böse. So ein arroganter Mann, habe ich mir gedacht. Dann hat er mich zum Spiel Ajax gegen Bayern München nach Amsterdam eingeladen. Ajax hat damals 5:2 gewonnen (am 19. April 1995). Nach dem Spiel haben wir uns dann getroffen und er meinte: Na, hast Du es ein bisschen genossen? Das ist doch besserer Fußball als in Rotterdam, oder? Ende des Jahres sind wir dann zusammengezogen. Bayern München hat also von Anfang an in unserer Beziehung eine Rolle gespielt. Ich finde es lustig, dass wir jetzt bei Bayern sind.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

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