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Jörg Butt im Interview

'Man muss den Moment genießen'

Jörg Butt zögerte, da gab ihm Mark van Bommel einen Schubs und es gab kein Halten mehr. Der FCB-Torwart sprang über die Bande, kletterte auf den Zaun vor der Südkurve, klatschte sich mit den Fans ab und stimmte anschließend das erste „HUMBA“ des Tages an. Jörg Butt hatte allen Grund zu feiern und sich feiern zu lassen: Nicht nur, weil er mit dem FC Bayern durch den 3:1-Sieg gegen Bochum die Meisterschaft praktisch unter Dach und Fach gebracht hatte, sondern auch, weil es für ihn der erste Titel seiner Karriere war. Und das mit 35 Jahren. Am Tag danach sprach er mit fcbayern.de.

Das Interview mit Jörg Butt:

fcbayern.de: Herzlichen Glückwunsch, Jörg! Wie war die Feier gestern Abend?
Butt: „Wir haben uns als Mannschaft natürlich noch getroffen, es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Man muss den Moment genießen, aber wir haben es auch nicht übertrieben. Ich war um ein Uhr zuhause. Wir haben ja noch einiges vor uns. Jetzt haben wir zwei Tage frei, dann geht es ab Mittwoch mit Vollgas ins Saisonfinale.“

fcbayern.de: Nach dem Schlusspfiff gestern bist Du in der Fankurve auf den Zaun geklettert - ein Bild, das man so von Dir nicht kennt. Haben Dich da die Emotionen überwältigt oder war es eher der Schubser von Mark van Bommel, der Dich zu den Fans geschickt hat?
Butt: „Ich habe mich sicherlich ein bisschen von Mark hinreißen lassen, aber auch die Emotionen spielten eine große Rolle. Für mich war es persönlich etwas ganz Spezielles, weil es mein erster Titel ist. Aber es ist auch deswegen ein besonderer Titel, weil es mit der Mannschaft einfach Spaß macht. Es ist eine sehr ereignisreiche Saison mit Höhen und Tiefen. In den schwierigen Phasen, gerade in der Hinserie, haben wir uns als Mannschaft zusammengerauft. Deswegen haben wird jetzt auch die Deutsche Meisterschaft eingefahren und stehen sowohl im DFB-Pokal als auch in der Champions League im Finale. Es muss sehr, sehr viel stimmen, um in allen drei Wettbewerben bis zum Schluss dabei zu sein.“

fcbayern.de: Schon 2002 hattest Du mit Bayer Leverkusen die Chance auf drei Titel, bist am Ende aber mit leeren Händen dagestanden. Was ist der Unterschied zwischen damals und heute?
Butt: „Damals in Leverkusen haben wir eine sensationelle Saison gespielt, was etwas untergeht, weil am Ende kein Titel herausgesprungen ist. Wir haben unglaublich attraktiven Fußball gespielt, wie jetzt auch bei Bayern. Damals hatten wir am Ende aber sehr viele Ausfälle zu beklagen, im Champions-League-Finale fehlten beispielsweise Jens Nowotny und Zé Roberto. Hier beim FC Bayern haben wir eine noch größere Qualität im Kader, auch in der Breite, und konnten dadurch, gerade in den letzten Wochen, Ausfälle sehr gut kompensieren.“

fcbayern.de: Für Dich ist es die erste Deutsche Meisterschaft. Wie erleichtert bist Du, dass es mit 35 Jahren endlich geklappt hat?
Butt: „Ich sehe das ein bisschen anders als die Medien, bei denen durch das Jahr 2002 in den Vordergrund rückt, dass ich noch keinen Titel gewonnen habe. Ich hatte aber vier Jahre in Hamburg eine hervorragende Zeit. Und in Leverkusen hatte uns keiner auf dem Zettel, dass wir in der Bundesliga oben dabei sein würden, geschweige denn, dass wir ins Champions-League-Finale kommen würden. Im Laufe seiner Karriere strebt man es aber schon an, am Ende den einen oder anderen Titel gewonnen zu haben. Letztendlich zählen die Titel. Deswegen bin ich auch zum FC Bayern gekommen. Jetzt freue ich mich extrem, dass mir das gelungen ist. Und ich bin zuversichtlich, dass dieses Jahr noch ein bisschen mehr rausspringt.“

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