präsentiert von
Menü
Trainingsauftakt

Gerlands 'kleine' Bayern schwitzen wieder

Sein linkes Bein ist dick eingegipst, doch ein Achillessehnenriss, zugezogen beim Fußballtennis im Urlaub, kann Hermann Gerland nicht stoppen. Den Trainingsauftakt der zweiten Mannschaft am Donnerstag leitete der ehemalige und neue Amateure-Cheftrainer von einem elektrisch angetriebenen Golfwagen, lautstark wie eh und je. „Das ist ein Ball für die Großmutter!“, kommentierte der „Tiger“ erste Passübungen seiner Spieler. Oder: „Schneller spielen! Da kann ich ja mit Krücken schneller laufen!“

Seine beiden Gehhilfen benutzte Gerland nicht nur, um über den Rasen zu humpeln, sondern auch um seine Anweisungen mit Gesten deutlich zu untermalen. Wer muss den Ball wohin spielen? Und wohin dann laufen? Gerland erklärte die Übungen mit vollem Körper- und Krückeneinsatz. „Ich fühle mich ganz gut“, erzählte der angeschlagene 56-Jährige fcbayern.de. Zwar sei er noch mehrere Wochen an seinen Golfwagen gebunden, „aber das ist kein Problem. Ich sehe alles, kann reagieren und Hilfestellung geben.“

Doppelbelastung für Gerland

Nach einem Jahr bei den Profis stand Gerland am Donnerstag zum ersten Mal wieder als Chefcoach „seiner“ zweiten Mannschaft auf dem Platz. „Es macht mir Spaß, eigenverantwortlich zu sein und Spieler auszubilden“, sagte er. Zusätzlich zum Trainerposten beim FCB II wird er aber weiterhin Assistenzcoach bei den Profis sein und auch dort kein Training verpassen. Die Trainingszeiten von erster und zweiter Mannschaft werden extra aufeinander abgestimmt. „Ich war in der Vergangenheit nicht ausgelastet“, kommentierte Gerland seine Doppelbelastung mit einem Schmunzeln.

Als ihn Louis van Gaal bat, wieder die zweite Mannschaft zu übernehmen, hat Gerland aber keinen Moment gezögert. Die Ausbildung von Spielern für die Bundesliga ist seit Jahren eine Herzensangelegenheit des „Tigers“. „Mein Wunsch ist es, dass man irgendwann sagt: Die Nachwuchsabteilung von Bayern München ist die beste in ganz Europa.“ Die Erfolge der letzten Saison können sich schon mal sehen lassen: Holger Badstuber, Thomas Müller, Diego Contento, David Alaba und Mehmet Ekici schafften den Sprung zu den FCB-Profis.

Enge Zusammenarbeit mit Van Gaal

Mit Van Gaal liegt Gerland auf einer Wellenlänge. „Viel enger“ als je zuvor laufe die Zusammenarbeit zwischen erster und zweiter Mannschaft, berichtete Gerland. „Mit Ausnahme von Felix Magath hat noch nie ein Profitrainer nach unten zu den Amateuren geguckt“, meinte der 58-Jährige, der vor seiner 14. Saison mit den „kleinen“ Bayern steht.

Van Gaal guckt sehr genau und nimmt auch Einfluss auf die Arbeit beim FCB II. „Wir wollen so Fußball spielen wie die Profis“, erklärte Gerland. Offensiv und kreativ soll das Spiel der „kleinen“ Bayern ausgerichtet sein, erzählte der Trainer. „Louis van Gaal will, dass wir taktisch genauso spielen wie die Profis. Und wenn er will, dass ein Spieler auf einer bestimmen Position spielt, dann wird er auch dort spielen.“

Van Gaals Handschrift

Schon das erste Training der neuen Saison trug ein bisschen Van Gaals Handschrift. Nach der Mannschaftsbesprechung und dem Aufwärmen ließ Gerland seine Mannschaft vor allem Passspiel üben. „Die Jungs kennen das so ja nicht. Sie haben das ordentlich gemacht“, war er nach der rund 75-minütigen Einheit - die drei Torhüter trainierten mit Walter Junghans fast 30 Minuten länger - ganz zufrieden. „Es war ein ganz leichter Aufgalopp.“

Fünf Wochen hat Gerland Zeit, um sein Team auf die neue Drittliga-Saison vorzubereiten. Mehrere Testspiele und ein Trainingslager (5. bis 12. Juli in Marienfeld/Ostwestfalen) sind geplant. Die Mannschaft ist allerdings noch nicht ganz komplett. Nur 18 Spieler, darunter drei Torhüter, umfasst aktuell der Kader des FCB II, zu wenig, wie Gerland feststellte. „Wir müssen noch den einen oder anderen verpflichten.“

Saba fehlt zum Auftakt

Zum Auftakt konnte Gerland alle acht bisherigen Neuzugänge begrüßen. Es fehlte lediglich Christian Saba, der aufgrund der Erkrankung seines Vaters in seine Heimat Ghana gereist ist und erst nächste Woche in München erwartet wird. Welche Rolle seine junge, zum Großteil Drittliga-unerfahrene Mannschaft in der neuen Saison spielen wird, kann Gerland noch nicht sagen. „Vier von den Neuverpflichtungen kenne ich noch nicht“, sagte er.

Einfach werde die neue Saison auf keinen Fall werden, meinte der „Tiger“. Ziel sei der Nichtabstieg. Und natürlich „Spieler an die Bundesliga heranzuführen“, betonte Gerland. Bei „zwei, drei Spielern“ sieht er schon jetzt großes Potenzial. „In ein, zwei Jahren können sie auf jeden Fall Bundesliga spielen. Ob sie für Bayern München in Frage kommen, werden die nächsten Jahre zeigen. Es ist ein weiter Weg.“ Der erste Schritt dazu wurde am Donnerstag gemacht.

Weitere Inhalte