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DFB-Motor Schweinsteiger:

'Man muss merken: Jeder will gewinnen'

Deutschland gegen Ghana. Alles oder nichts. Am Mittwoch steht die deutsche Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Südafrika vor ihrem Gruppen-Endspiel. Mittendrin Bastian Schweinsteiger. Der FCB-Profi ist Vizekapitän und der Motor im Spiel des DFB-Teams. Gegen Ghana wird er sein 77. Länderspiel bestreiten. Zuvor stand er in einem Interview Rede und Antwort.

Das Interview mit Bastian Schweinsteiger:

Frage: Angefangen bei Joachim Löw strahlt das deutsche Team nach außen eine große Zuversicht vor dem Spiel gegen Ghana aus. Woher kommt diese?
Schweinsteiger: „Wir haben gegen Serbien auch zu zehnt ein gutes Spiel gemacht. Deswegen nimmt man Zuversicht mit. Es hilft nichts, den Kopf hängen zu lassen. Man muss selbstbewusst in das Spiel gehen und ans Positive glauben. Man muss aber auch auf dem Platz merken, dass jeder Spieler gewinnen will. Selbst bei den Betreuern draußen auf der Bank muss man das merken.“

Frage: Sie haben solche Gruppen-Endspiele schon mehrmals erlebt, ob bei der EM 2004, der EM 2008 und auch jetzt wieder. Worauf kommt es an?
Schweinsteiger: „Entscheidend ist, dass man nicht reagiert, sondern agiert. Natürlich sind Cleverness und Kaltschnäuzigkeit gefragt. Wir sind eine Mannschaft, die vom spielerischen Element lebt. Wir müssen schauen, dass wir den Ball laufen lassen und die Chancen reinmachen.“

Frage: Was erwarten Sie in dieser Drucksituation von den jungen Spielern?
Schweinsteiger: „Es ist immer gut, wenn ein Spieler eine Mischung aus Unbekümmertheit und Cleverness hat. Ich glaube, in unserer Mannschaft haben wir diese Mischung. Auch die Zielstrebigkeit muss man haben. Es kann sein, dass wir nicht schön spielen, aber gewinnen. Es muss der unbedingte Siegeswille zu spüren sein.“

Frage: Welchen Eindruck machen Mesut Özil, Thomas Müller oder Holger Badstuber vor diesem Endspiel auf Sie?
Schweinsteiger: „Einen guten. Die jungen Spieler leben von ihrer Unbekümmertheit. Mesut Özil ist ein Spieler, der die Bälle braucht, der spielen will. Holger Badstuber ist stark genug, dem hat das Spiel gegen Serbien nichts ausgemacht. Wir können froh sein, dass wir solche Talente haben. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass wir mit so einer Mannschaft hier bei der Weltmeisterschaft spielen? Da hätte jeder gesagt: Was? Müller? Badstuber? Die kennt man ja gar nicht. Dass sie schon so weit sind, ist enorm.“

Frage: Im Vorfeld dieser Partie wird immer wieder über die Zukunft von Joachim Löw diskutiert. Blendet die Mannschaft das Thema Trainer aus?
Schweinsteiger: „Ja, total. Wir gehen davon aus, dass Jogi Löw auch nach der WM unser Trainer ist. Wenn man seinen Werdegang sieht, hat sich von 2004 bis 2010 schon viel zum Positiven verändert bei der Nationalmannschaft. Das sollte man berücksichtigen.“

Frage: Wie gehen Sie als Führungsspieler die Partie gegen Ghana an?
Schweinsteiger: „Ich versuche, mein Ideal zu spielen. Ich habe viele Pässe im Spiel, versuche das Tempo zu steuern, die Richtung vorzugeben. Ordnung auf dem Platz muss sein, ich muss auch viel defensiv arbeiten und viel reden auf dem Platz. Natürlich würde ich mir wünschen, ein Tor zu machen, aber das ist nicht so entscheidend. Tore müssen normalerweise die Offensivspieler machen. Mein Job ist es ganz klar, die Mannschaft mit klugen Pässen dahin zu bringen.“

Frage: Wie wird es sein, die Wege auf dem Platz mit Kevin-Prince Boateng zu kreuzen?
Schweinsteiger: „Er ist ein eigener Charakter. Er hat vielleicht den einen oder anderen Fehler in der Vergangenheit gemacht. Er ist ein guter Fußballer und bei Ghana einer der besten. Deswegen muss man versuchen, ihn auf dem Platz zu bändigen. Aber es gibt bei uns keine Trotzreaktion wegen seinem Foul an Michael Ballack.“

Frage: Was würde ein Sieg für den weiteren Turnierverlauf bedeuten?
Schweinsteiger: „Wenn wir gewinnen, würde das Selbstbewusstsein geben. Wir haben schon viel, aber dann hätte man noch mehr. Es würde beflügeln. Man hätte die Gruppe überstanden, wäre im Achtelfinale, hätte das Ziel erreicht - aber mehr auch nicht. Wir haben dann trotzdem noch nicht viel erreicht und wollen dann mehr!“

Frage: Aber es steht viel auf dem Spiel. Noch nie ist Deutschland bei einer WM in der Vorrunde ausgeschieden.
Schweinsteiger: „Für die Afrikaner steht auch viel auf dem Spiel. Der ganze Kontinent hofft, dass Ghana weiterkommt, denn für die anderen afrikanischen Mannschaften sieht es hier bei der WM nicht gut aus. Ghana ist auch unter Druck - mehr als wir.“

Frage: Was für eine Art Spiel erwarten Sie? Rasenschach?
Schweinsteiger: „Das ist nicht unsere Philosophie. Man muss sehen, dass wir nach vorne spielen wollen. Man muss in jeder Aktion sehen, dass wir gewinnen wollen. Und wir müssen hinten wie eine Wand stehen, durch die kein Durchkommen ist.“

Frage: Was verändert sich mit Cacau statt Klose im Sturmzentrum?
Schweinsteiger: „Cacau ist mehr ein spielerischer Typ. Er mag es, den Ball in den Fuß zu bekommen, in der Luft ist er nicht so stark. Das könnte ganz gut sein für das Spiel. Er macht einen frischen Eindruck. Ich würde mir wünschen, er macht ein Tor. Das würde uns gut tun.“

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