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Truus van Gaal:

'Wir hoffen, lange hier zu bleiben'

Seit 15 Jahren sind sie ein Paar: Bayern-Trainer Louis van Gaal und seine Ehefrau Truus. Ob in Amsterdam, Barcelona oder Alkmaar - überall gab es für das Paar Grund zum Feiern. So wie auch jetzt in München, wo der FC Bayern unter der Regie Van Gaals in dessen ersten Jahr auf Anhieb das Double gewann. Im zweiten Teil des Interviews mit Frau Van Gaal sprach fcbayern.de mit der Trainer-Gattin über die schwierige Anfangsphase beim FCB und warum sie jetzt hofft, noch lange in München wohnen zu bleiben.

Das Interview mit Truus van Gaal, Teil I

fcbayern.de: Frau van Gaal, Sie leben jetzt ein Jahr in München. Wie gefällt es Ihnen?
Truus van Gaal: „Ich fühle mich sehr wohl in München. Ich kannte und mochte die Stadt schon von früher, als ich für meine Arbeit zweimal pro Jahr hier war. Die Menschen sind nett, die Stadt ist wunderschön, es gibt sehr gute Restaurants, und - das finde ich sehr wichtig - es ist eine sehr sichere Stadt. In Amsterdam oder Rotterdam kann ich abends nicht alleine auf die Straße gehen. Hier schon, in München muss ich keine Angst haben.“

fcbayern.de: Trotzdem haben Sie Ihrem Mann geraten, aufzuhören, hätte er das Triple gewonnen.
Truus van Gaal: „Ich habe ihm gesagt: Wenn Du die Champions League gewinnst, was willst Du noch hier? Aber er will nicht aufhören. Er meinte: Nächstes Jahr kann wieder ein gutes Jahr werden. Einmal hat er zu mir gesagt: Bayern München und ich, wir passen zusammen, es kann sein, dass ich hier länger bleibe. Louis ist ein Perfektionist und findet es toll, dass bei Bayern alles so gut organisiert ist. Als wir jetzt im Mai nach Madrid geflogen sind, hat er mir zum Beispiel bei der Landung gesagt: Siehst Du, jetzt ist es halb zwei - genau so wie es im Reiseplan stand. Für ihn ist Bayern ein sehr guter Klub, glaube ich. München ist für uns beide sehr gut. Wir hoffen, eine lange Zeit hier zu bleiben.“

fcbayern.de: Wie gehen Sie damit um, wenn Ihr Mann, wie zu Saisonbeginn, eine schwierige Phase durchmacht?
Truus van Gaal: „Die ersten Monate in München waren die schwerste Zeit, die ich mit Louis bislang erlebt habe. Er war sehr traurig, so hatte ich ihn noch nie gesehen. Dabei hatte er immer ein sehr gutes Gefühl mit dem Klub. Er hatte auch immer Vertrauen in seine Mannschaft und seine Arbeit. Er wusste, dass er nur Zeit braucht. Das war immer so, auch in Barcelona oder Alkmaar. Aber er wusste auch, dass bei großen Klubs die Zeit knapp ist. Wir waren damals beide ziemlich am Boden. Ich lese ja auch die Zeitungen und spreche mit anderen Leuten. Einmal war ich in einem Geschäft, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Da hat die Verkäuferin zu mir gesagt: Bayern München muss besser spielen sonst dürfen Sie hier nicht mehr einkaufen. Ich sagte: Entschuldigung? Was haben Sie gesagt? Ich hatte eine große Rechnung und noch nicht gezahlt. Ich habe dann alles zurückgegeben und gesagt: Ich werde nie wieder zu Ihnen kommen.“

fcbayern.de: Etwa zur gleichen Zeit, im November, ist Ihrem Mann bei der Jahreshauptversammlung trotz der angespannten sportlichen Lage viel Sympathie entgegengeschlagen.
Truus van Gaal: „Louis hat mir damals gesagt, er müsse mit seinen Kapitänen eine Stunde dorthin. Ich war mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist. Aber er wollte hin und ist dann den ganzen Abend dort geblieben. Als er schließlich nach Hause kam, hat er gestrahlt und gesagt: Das ist wirklich ein toller Verein, ich bin so stolz, hier Trainer zu sein, ich habe ein gutes Gefühl für die Zukunft.“

fcbayern.de: Nach der Jahreshauptversammlung hat sich alles zum Guten gewendet. Am Ende der Saison stand Ihr Mann auf dem Rathausbalkon, tanzte mit Oberbürgermeister Ude und hielt eine denkwürdige Rede. Wie haben Sie seinen Balkon-Auftritt nach der Meisterschaft erlebt?
Truus van Gaal: „Das ist Louis. Er ist dann so froh und glücklich, dass es kein Halten mehr gibt. Louis sagt auch privat immer: Alles, was man feiern kann, muss man feiern. Vor zwei Jahren haben wir geheiratet und Louis wollte in unserem Haus in Portugal mit unserer großen Familie heiraten. Ich habe gesagt: Für uns beide ist es das zweite Mal, wir könnten doch auch irgendwo weit weg Urlaub machen und dort für uns heiraten. Aber Louis sagte: Nein, nein, nein, das ist doch so ein schöner Anlass, wir laden alle ein. Wir haben dann mit 80 Personen drei Tage in Portugal gefeiert. Zwei Monate später haben wir auch in Holland noch ein großes Fest gegeben, bei dem dann auch viele Arbeitskollegen von uns dabei waren. Beide Feste haben viel Geld gekostet, aber mein Mann sagt eben auch: Es ist so schön zu teilen.“

fcbayern.de: Sie waren lange in Spanien, jetzt sind Sie in Deutschland. Was vermissen Sie aus der Heimat?
Truus van Gaal: „Schöne Blumen. Vom Vorstand habe ich inzwischen zwei oder drei Mal sehr schöne Blumen bekommen. Aber in Holland sind Blumen wie Zeitungen. In München stehen in jeder Straße Zeitungskästen, in Holland kann man überall Blumen kaufen. Und dann sind die Blumen in München oft ein bisschen alt und auch noch teuer.“

fcbayern.de: Jetzt ist endlich Urlaubszeit. Sie reisen wieder nach Portugal. Wie groß ist Ihre Vorfreude?
Truus van Gaal: „Ich kann es kaum erwarten. Louis hat vor einiger Zeit zu mir gesagt: Am 8. Mai haben wir das letzte Ligaspiel, drei, vier Tage später können wir nach Portugal. Es kann aber sein, dass wir Pokalfinale spielen. Dann wird es eine Woche später. Und wenn wir ins Champions-League-Finale kommen, noch eine Woche später. Wir haben damals gelacht. Und dann waren wir im Pokalfinale und dann im Champions-League-Finale. Aber das ist kein Problem für mich, das ist phantastisch.“

fcbayern.de: Was machen Sie, wenn es jetzt endlich in den Urlaub geht?
Truus van Gaal: „Wir haben ein sehr schönes Haus in Portugal. Es liegt sehr ruhig am Atlantik und in der Nähe von einem Golfplatz. Mein Mann wird dann sehr gerne ein bisschen Golf spielen. Ich muss das noch lernen, spiele lieber Tennis. Aber ich habe ihm versprochen, dass ich mit auf den Golfplatz gehe. Mitte Juni kommen wir nach München zurück, Louis trainiert dann zwei Wochen mit den Spielern, die nicht bei der Weltmeisterschaft sind. Dann kommen noch einmal zehn Tage Urlaub, in denen wir vielleicht nach Holland fahren.“

Das Interview führte: Nikolaus Heindl

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