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Die Freundschaft ruht

Bayerisch-argentinisches Viertelfinal-Duell

Man kennt sich, man schätzt sich, aber wenn am Samstag um 16 Uhr in Kapstadt das WM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Argentinien angepfiffen wird, ruht die Freundschaft mit „Gaucho“ Martin Demichelis. „Heute ist er noch mein Freund, am Samstag kurzzeitig nicht“, verkündete Bastian Schweinsteiger, der als einer von acht Bayern im DFB-Kader ins K.o.-Duell mit FCB-Kollege Demichelis und den Argentiniern geht.

Eine Wette laufe nicht mit „Micho“, erzählte Schweinsteiger. Demichelis seinerseits berichtete von „ein paar SMS“, die er ins deutsche Lager geschickt habe. „Wir sind gute Freunde.“ Doch seit dem Achtelfinale gebe es keinen Kontakt mehr. Auch der bayerisch-argentinische Innenverteidiger wird die Freundschaft am Samstag ruhen lassen. „Ich kenne sie alle, von der Abwehr bis zum Angriff, vom Torwart bis zu Klose. Ich kenne ihre Schwachpunkte und habe schon mit meinem Trainer und meinen Kollegen gesprochen“, sagte er. Spion Demichelis also.

Maradonas 'Señor Central'

„Das ist ein ganz besonderes Spiel für Micho“, sagte José Sosa im Interview mit fcbayern.de, „sein Vorteil ist, dass er viele Spieler der deutschen Mannschaft sehr gut kennt und seinen Mitspielern den einen oder anderen guten Tipp geben kann.“ Umgekehrt gilt das natürlich genauso.

Demichelis ist in Maradonas Viererkette als „Señor Central“ gesetzt. Am Samstag steht er vor dem direkten Duell mit Miroslav Klose. Auch Thomas Müllers und Bastian Schweinsteigers Wege könnte er hin und wieder kreuzen. Und vielleicht kommt ja auch Mario Gomez zum Einsatz. „Es wird sicher ein hartes Spiel“, weiß Klose, der das Duell mit „Micho“ aus dem Bayern-Training bestens kennt.

Revanche für 2006

„Wir haben die Qualität, um Argentinien zu schlagen“, betonte Klose, der am Samstag sein 100. Länderspiel bestreiten wird. Aber der FCB-Stürmer weiß auch, dass die Aufgabe gegen die „Gauchos“ um Weltfußballer Lionel Messi sehr schwer ist. Nicht nur, weil das Maradona-Team bislang bei der WM einen bärenstarken Eindruck hinterließ, sondern auch wegen 2006. „Meine Jungs denken nur an das Spiel und die Möglichkeit, eine Revanche zu haben“, betonte Diego Maradona. Klose sagte: „Wir wissen, dass sie Rache für 2006 nehmen können.“

Damals standen sich beide Mannschaften ebenfalls im Viertelfinale gegenüber. Nach 90 und 120 Minuten stand es 1:1 (Klose traf für Deutschland), im Elfmeterschießen setzte sich das DFB-Team durch. Und nach Spielende kam es zu „Handgreiflichkeiten“ (Schweinsteiger) auf dem Rasen, wobei sich Argentiniens Cufre eine Rote Karte einhandelte und Torsten Frings nachträglich wegen unsportlichen Verhaltens für das Halbfinale gesperrt wurde.

Schweinsteiger: Nicht provozieren lassen!

Einen Gegner, der mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln zu Werke gehen wird, erwarten die Deutschen auch am Samstag. „Es geht schon vor dem Spiel los, wie sie gestikulieren und versuchen, den Schiedsrichter zu beeinflussen. Das gehört sich in meinen Augen nicht, das ist respektlos“, sagte Schweinsteiger, der hofft, „dass der Schiedsrichter ein gutes Auge hat.“

Auch DFB-Kapitän Philipp Lahm sagte: „Wir wissen, dass die Südamerikaner sich sehr impulsiv und temperamentvoll verhalten und nicht wirklich verlieren können. Ich hoffe, dass wir am Samstag erleben, wie sie diesmal mit der Niederlage umgehen.“ Auf jeden Fall dürfe man sich von den Provokationen des Gegners „nicht anstecken lassen“, betonte Schweinsteiger. „Wir müssen die Ruhe bewahren und uns auf uns selbst konzentrieren.“

'Jeder Fehler könnte das Aus bedeuten'

Im argentinischen Lager hat man solche Äußerungen ganz genau registriert. „Wir werden Deutschland attackieren, gewinnen und das ist es, was Schweinsteiger nervös macht“, tönte Maradona. Demichelis meinte, den Deutschen fehle ein bisschen der Respekt. „Aber für mich ist nicht so wichtig, was gesagt wird. Wichtig ist für mich, was Samstag auf dem Platz ist. Da werden wir die Antwort geben.“

Die Wortgefechte im Vorfeld, die Ereignisse 2006, das drohende Aus im WM-Viertelfinale - Deutschland gegen Argentinien ist wieder einmal ein brisantes Duell. „Wir dürfen keine Fehler machen“, weiß Schweinsteiger, der das Halbfinale fest im Visier hat: „Jetzt sind wir unter den acht besten Mannschaften, natürlich will ich unter die besten vier.“ Demichelis sagte: „Wir können vom Titel träumen, aber jetzt könnte jeder Fehler das Aus bedeuten.“

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