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'Traumfinale' geplatzt

Lahm & Co. trauern, Robben & Co. feiern

Philipp Lahm kämpfte mit den Tränen, Bastian Schweinsteiger vergrub das Gesicht in den Händen und kauerte minutenlang auf dem Rasen des Moses Mabhida Stadions von Durban. Der Traum vom WM-Finale war geplatzt. 0:1 gegen Spanien. Das saß. „Natürlich sitzt die Enttäuschung tief. Wahrscheinlich kommt das noch mehr in den nächsten Tagen, wenn man weiß, was man für eine Möglichkeit ausgelassen hat“, sagte Schweinsteiger, Lahm verhehlte nicht: „Es herrscht eine große Enttäuschung. Man hat nicht alle vier Jahre die Möglichkeit, in ein WM-Finale einzuziehen.“

24 Stunden zuvor gingen ganz andere Bilder und Aussagen von Bayern-Profis aus Südafrika um die Welt. In Kapstadt tanzten Mark van Bommel und Arjen Robben vor der holländischen Fankurve und feierten den dritten Einzug der „Elftal“ in ein WM-Finale. „Es war unser Ziel, nach 32 Jahren endlich wieder ein WM-Finale zu erreichen“, frohlockte Robben, „es ist unglaublich, ein super Gefühl.“

Drei Bayern im Finale

Der Turbodribbler, der mit seinem zweiten Turniertreffer maßgeblichen Anteil am 3:2-Sieg der Niederländer im Halbfinale gegen Uruguay hatte, dürfte die Halbfinal-Niederlage des DFB-Teams einen Tag später auch ein bisschen traurig verfolgt haben. Robben hatte sich zuvor ein „Traumfinale“ gegen Deutschland gewünscht. Elf Bayern hätten dann auf dem Platz gestanden. Hätte, wäre, wenn.

So kämpfen mit Robben, Van Bommel und Edson Braafheid immerhin drei FCB-Profis um den WM-Titel. „Ich bin stolz, dass ich in dieser Mannschaft spielen darf. Wir haben ein klares Ziel, das wir uns schon vor zwei Jahren gesetzt haben. Jeder weiß, warum er hier ist“, sagte Van Bommel auf Anfrage von fcbayern.de. Der 33-Jährige ist heiß auf den Titel. „Das ist meine letzte WM, mein letzte Chance. So eine Gelegenheit will ich mir nicht entgehen lassen.“

'Es ist bitter'

Die Chance auf den Titel wollte auch das deutsche Team unbedingt nutzen. „Das große Ziel der Mannschaft war mehr als dieses Spiel um Platz drei“, sagte Lahm. Nach glanzvollen Siegen in den Runden zuvor gegen Argentinien (4:0) und England (4:1) konnte die Deutschen gegen Spanien nicht an ihre zuvor gezeigten Leistungen anknüpfen. „Wir haben nicht zu 100 Prozent das gezeigt, was wir gegen England und Argentinien geschafft haben“, meinte Schweinsteiger, „gegen die beste Mannschaft der Welt kann man natürlich verlieren, aber es ist bitter, wenn man so verliert.“

Trotzdem kann das DFB-Team erhobenen Hauptes nach dem „kleinen“ Finale gegen Uruguay am Samstag nach Deutschland zurückkehren. Abgesehen vom Halbfinale hat sie sich mit ihrer Spielfreude viele Freunde auf der ganzen Welt gemacht. „Unsere Mannschaft hat eine große Zukunft“, sagte Schweinsteiger, „aber wir haben gegen Spanien gesehen, was eine Top-Mannschaft ist. Da müssen wir noch ganz schön arbeiten.“

Holland typisch deutsch

Nicht typisch holländisch, sondern mit typisch deutschen Tugenden wie Effizienz, Disziplin und Kampfgeist hat es die „Elftal“ bis ins Finale geschafft. „Das kommt daher, das wir alle bei großen Mannschaften in Europa spielen. Da steht der Erfolg an erster Stelle, der schöne Fußball erst an zweiter Stelle“, meinte Van Bommel, „bei einem Turnier ist es am wichtigsten, dass man weiterkommt. Und das haben wir gemacht.“

Sechs Spiele, sechs Siege, und nur einer davon mit mehr als einem Tor Vorsprung - noch nie hat eine holländische Mannschaft derart effizienten Fußball gespielt. „Wir würden natürlich auch lieber schöneren Fußball spielen. Aber am Ende ist es das Wichtigste, weiterzukommen“, sagte Robben, der zusammen mit Wesley Sneijder aus dem kompakten Oranje-Team heraussticht, das am Sonntag zum ersten Mal den WM-Pokal in Händen halten will.

Noch Ziele für Müller und Klose

Schweinsteiger, Lahm, Miroslav Klose und der gegen Spanien gelb-gesperrte Thomas Müller waren einige der Hauptfiguren im deutschen WM-Team. Lahm würde sich freuen, „wenn mit Mark van Bommel und Arjen Robben jemand vom FC Bayern den Titel gewinnt.“ Ihm selbst bleibt wie 2006 „nur“ das „kleine“ Finale, auf das er kurz nach dem Schlusspfiff gegen Spanien „keine Lust“ hatte. Am Tag danach hatte er sich wieder aufgerappelt: „Man hat vor vier Jahren gesehen, wie schön auch ein Spiel um Platz drei sein kann. Vor allem, wenn man dieses Spiel gewinnt.“

Klose und Müller werden auch mit ganz persönlichen Zielen in die Partie gegen Uruguay gehen. Beide kämpfen noch um den goldenen Schuh des besten Torschützen, beiden fehlt aktuell ein Tor auf die beiden Führenden Sneijder und David Villa. Müller hat zudem gute Aussichten, Topscorer und bester junger Spieler des Turniers zu werden. Schweinsteiger sagte: „Letztendlich haben wir ein ordentliches Turnier gespielt und darauf können wir stolz sein.“

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