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Ab in den Urlaub

Müller & Co. legen die Beine hoch

In weiser Voraussicht hatte die Lufthansa ihr Flaggschiff geschickt. Den Superjumbo Airbus A380. 73 Meter lang, 24 Meter hoch, mit einer Spannweite von 80 Metern und einem Startgewicht von bis zu 560 Tonnen. Denn bei Thomas Müller war einiges an Gepäck zu erwarten: der „Goldene Schuh“ für den besten WM-Torschützen, die Trophäe als „Bester Junger Spieler“, zwei afrikanische Trommeln, die er als zweimaliger „Man of the Match“ erhalten hatte und jede Menge Lobgesänge aus der ganzen Welt.

Als der 20-jährige Überflieger am Montagmorgen um 6.16 Uhr mit der deutschen Nationalmannschaft in Frankfurt am Main landete, hatte er aufgrund des engen Reiseplans einige seiner Trophäen erst einmal in Südafrika lassen müssen. Er freute sich aber über eine andere Belohnung: Urlaub. „Ich bin zwar der Typ, der die Belastung gut wegsteckt. Aber natürlich tut jetzt ein bisschen Abstand auch nicht so schlecht. Dass man mal durchschnaufen kann“, meinte Müller, der in seiner ersten Profisaison insgesamt 66 Spiele bestritten hat.

Drei Wochen hat Müller wie alle acht deutschen WM-Teilnehmer des FC Bayern Urlaub. Am 2. August wird er zusammen mit den übrigen Münchnern im DFB-Team sowie den beiden WM-Finalisten Arjen Robben und Mark van Bommel das Training an der Säbener Straße wieder aufnehmen. Bis dahin will der Shooting-Star „erst mal keinen Ball berühren“ und sich „auf die faule Haut legen.“

Lahm mit Sonderschicht

„Viel schlafen und regenerieren“ - das hat sich Philipp Lahm für die nächsten Tage vorgenommen. Der DFB-Kapitän, mit 67 Einsätzen der meistbeschäftigte FCB-Profi in der zurückliegenden Saison, muss besonders schnell wieder zu Kräften kommen. Am Mittwoch wird er in Aying bei München seine Claudia vor den Traualtar führen. „Dann hoffe ich, dass ich topfit bin. Es sind die Familien eingeladen und die engsten Freunde - rund 100 Gäste. Klar freue ich mich auf die Hochzeit, das hat man nur einmal in seinem Leben“, sagte Lahm, der seine Flitterwochen „höchstwahrscheinlich in Griechenland“ verbringen wird.

Gen Norden zieht es hingegen Jörg Butt. Als dritter Torwart kurzfristig noch auf den WM-Zug aufgesprungen, erlebte der FCB-Keeper im „kleinen“ WM-Finale gegen Uruguay sein persönliches Highlight in Südafrika. Nach mehr als sieben Jahren Länderspielpause kam er zu seinem vierten und vielleicht letzten Einsatz im DFB-Trikot. „Ich denke nicht, dass ich eine große Zukunft in der Nationalmannschaft haben werde“, weiß der 36-Jährige seine Situation einzuschätzen. Urlaub macht er in seiner Heimat Oldenburg. „Ich Süden war ich jetzt lange genug“, schmunzelte er.

'Herausragender' Schweinsteiger

Endlich die Beine hochzulegen, darauf freut sich auch Bastian Schweinsteiger nach 63 Saisonspielen. Er legte bei seinen sieben WM-Einsätzen die zweitgrößte Strecke auf dem Spielfeld zurück: 79,8 Kilometer. Und auch die zweitmeisten Pässe (565) aller Spieler schlug der FCB-Profi. In beiden Kategorien war nur der Spanier Xavi einen Deut besser. Auch als Anführer des jungen DFB-Teams übererfüllte der 25-Jährige nach Michael Ballacks Ausfall die Erwartungen.

„Herausragend in jeder Beziehung“ bezeichnete Joachim Löw Schweinsteigers Leistung in Südafrika. „Bastian ist das Herz dieser Mannschaft, der Motor im Mittelfeld“, sagte der Bundestrainer und bescheinigte dem Münchner „einen unglaublichen Reifeprozess“. Nicht ohne Grund gehörte Schweinsteiger auch zum erlauchten Kreis der zehn Nominierten für den „Goldenen Ball“ als bester Spieler des Turniers.

Neue Ziele

Um den „Goldenen Schuh“, den am Ende Müller gewann, kämpfte lange auch Miroslav Klose. Wegen einer Rückenverletzung musste er im „kleinen“ Finale zusehen. Vielleicht hätte er sonst das fehlende Tor erzielt, um den ewigen WM-Rekord von Ronaldo (15 Treffer) einzustellen. Trotzdem konnte sich der 32-Jährige über eine klasse WM mit vier Treffern freuen. Nebenbei sprengte er auch die 100-Länderspiel-Marke. Doch Kloses Erfolgshunger ist noch nicht gestillt. Der FCB-Stürmer blickt bereits Richtung EM 2012 in Polen und der Ukraine. „Ich bin in Polen geboren, habe dort Verwandte und liebe das Land und die Leute. Es wäre schön, dort noch einmal ein großes Turnier zu spielen.“

Nach der WM ist also vor der EM. Und auch beim FC Bayern gilt es, nach dem wohlverdienten Urlaub wieder anzugreifen. „Kämpfen und ackern“ hat sich daher Müller vorgenommen, sobald er ins Training zurückkehrt. Er weiß, „dass es für mich bei null losgeht, so wie vergangene Saison. Der Trainer wird auf keinen Fall sagen: Thomas, super, du brauchst jetzt drei Wochen nicht trainieren und darfst trotzdem bei mir spielen.“ Auch in der neuen Saison will Müller mit dem FC Bayern wieder Trophäen sammeln.

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