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Schon besser als 2009

Ein eingepflanztes Last-Minute-Auftaktsiegtor

Mark van Bommel wird von den meisten Leuten, die ihn nicht näher kennen, ziemlich verkannt. Der Kapitän des FC Bayern, der von Ex-Coach Ottmar Hitzfeld augrund seiner Spielweise den Beinamen Aggressiv-Leader verpasst bekam, ist abseits des Platzes eine besonnener und äußerst sympathischer Zeitgenosse. Und darüberhinaus ist der holländische Vize-Weltmeister auch ein cooler Analyst.

„Im letzten Jahr hatten wir nach drei Spielen nur zwei Punkte. Jetzt haben wir schon nach dem ersten Spiel drei Punkte. Es geht bergauf“, rechnete Van Bommel den Journalisten nach dem 2:1-Auftaktsieg gegen den VfL Wolfsburg mit einem schelmischen Augenzwinkern vor. „Im letzten Jahr haben wir zum Auftakt unentschieden gespielt, jetzt haben wir drei Punkte geholt“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und betonte: „Im ersten Spiel ist es immer wichtig, zu gewinnen, damit Ruhe herrscht und Selbstvertrauen in die Mannschaft kommt.“

Es war ein hartes Stück Arbeit, diese drei Punkte im offiziellen Saisoneröffnungsspiel für den FC Bayern. Erst in der Nachspielzeit gelang Nationalspieler Bastian Schweinsteiger der in der ausverkauften Allianz Arena frenetisch gefeierte Siegtreffer. „Wir wollten unbedingt noch gewinnen“, sagte der Matchwinner anschließend und betonte: „Wenn man beim FC Bayern spielt, sollte man immer daran glauben, auch wenn schon die 92. Minute läuft. Das ist bei mir so eingepflanzt.“

Mit einer gewissen Portion Glück holten die Bayern nach einem Spiel mit zwei völlig verschiedenen Halbzeiten den ersten Dreier, unverdient war der Erfolg über den Meister von 2009 aber keinesfalls. In alle wichtigen Statistikwerten war die Mannschaft von Louis van Gaal besser. 18:11 Torschüsse, 9:3 Ecken, 16:4 Flanken und 63 Prozent Ballbesitz belegen eindeutig die Münchner Überlegenheit. Trotzdem hätten sich die Bayern nicht beschweren können, wenn sie sich am Ende nur mit einem Punkt hätten begnügen müssen.

Van Gaal froh über nur ein Gegentor

Nach einer schwungvollen ersten Halbzeit und dem frühen Führungstor des gut aufgelegten Thomas Müller (9.) schien es so, als ob die Van-Gaal-Truppe nahtlos an die letzte Saison anknüpfen würde. „Wir haben in der ersten Hälfte genauso dominant gespielt, wie wir letztes Jahr aufgehört haben“, sagte Rummenigge. Wolfsburg hatte in den ersten 45 Minuten nicht eine einzige Torchance. „Da haben wir hervorragend gespielt, nur ein bisschen zu sehr in die Breite“, bemängelte Van Gaal einzig das nicht immer zielstrebige Offensivspiel seiner Elf.

Nach Wiederanpfiff gönnten sich die Bayern aber einen kleinen „Blackout“, wie Müller die Phase bis zum verdienten zwischenzeitlichen Ausgleich durch Edin Dzeko (55.) nannte. „In den ersten zehn Minuten haben wir einen etwas verlängerten Pausentee gehabt, da waren wir sehr unkonzentriert, sehr fahrlässig“, kritisierte Rummenigge. „Es ist unglaublich, dass so viele Spieler so viele Fehler gemacht haben und so viele Ballverluste hatten“, sagte Van Gaal, der glücklich war, dass den Wölfen bei vier oder fünf hochklassigen Chancen nicht mehr als der Ausgleich gelang: „Wir hätten auch zwei Gegentore kassieren können, aber zum Glück war das nicht der Fall.“

Noch Platz nach oben

Schweinsteigers Treffer war dann der Lohn für die Bemühungen und die Moral der Bayern, die nach einer schwierigen Vorbereitung noch nicht auf Topniveau sind und wohl auch nicht sein können. „Man hat bei den Vorbereitungsspielen ein bisschen den Rhythmus gesucht. Körperlich geht es schon wieder ganz gut, aber man muss natürlich Spiel für Spiel wieder reinkommen“, gestand Müller. „Wir sind von der Fitness her noch nicht zu 100 Prozent auf dem Niveau, wo wir hinwollen, aber das ist normal“, erklärte Schweinsteiger.

Es war also zum Auftakt noch ein wenig Sand im Getriebe bei den Bayern, die dennoch zufrieden waren mit der Ausbeute. „Wenn man die erste Viertelstunde der zweiten Halbzeit weglässt, dann war es ein sehr gutes Spiel von uns“, sagte Müller und fügte hinzu: „Wir fühlen uns besser als zu Beginn der letzten Saison. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg und schon viel weiter als letztes Jahr.“ Rechenexperte Van Bommel kann das bestätigen.

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