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FCB feiert, Windeck auch

Ein Pokalspiel mit zwei Gewinnern

Am Ende wurde in beiden Lagern gejubelt. Die Amateur-Kicker des TSV Germania Windeck ließen sich vor der überwiegend mit Bewohnern der Kleinstadt aus dem Rhein-Sieg-Kreis besetzten Nord-Tribüne kräftig feiern und hüpften ausgelassen beim Humba-Humba-Tätärä. Und die Bayern-Profis bedankten sich bei den vielen, vielen Fans im mit 41.100 Zuschauen prächtig gefüllten RheinEnergieStadion für die tolle Unterstützung bei ihrem ersten echten Pflichtspiel der neuen Saison.

Eine Partie, zwei Gewinner - so lautete das Fazit nach unterhaltsamen 90 Pokalminuten. Der eine Gewinner war die Mannschaft von Louis van Gaal, die sich mit einem 4:0 (2:0)-Sieg gegen den Fünftligisten erwartungs- und alles in allem auch standesgemäß für die zweite Runde im DFB-Pokal qualifizierte. Der andere war Windeck und sein TSV Germania, dessen Mäzen Franz-Josef Wernze bei der Bekanntgabe der Zuschauerzahl wahre Freudentänze an der Seitenauslinie aufführte. Noch nie zuvor waren so viele Fans zu einem Heimspiel einer Amateurmannschaft im DFB-Pokal gekommen.

Es war aber nicht nur die Rekordkulisse und der damit verbundene warme Geldregen, der nahezu alle Windecker trotz der Niederlage strahlen ließ. Mindestens genauso freuten sich Trainer Heiko Scholz und die Seinen über die famose Vorstellung, die sie gegen den deutschen Double-Gewinner abgeliefert hatten. „Unser Verein hat sich hier hervorragend präsentiert“, sagte der ehemalige Bundesliga-Spieler und bekräftigte: „Wir können alle stolz sein.“

In der Tat hatte der ambitionierte TSV - das Saisonziel lautet Regionalliga-Aufstieg - allen Grund dazu. Gerade in der ersten Hälfte hatten die Scholz-Schützlinge den Bayern das Leben viel schwerer gemacht als erwartet. „Windeck hat 90 Minuten sehr diszipliniert gespielt“, lobte Louis van Gaal den Gegner. Seine Mannschaft hingegen habe „das schlechteste Spiel der Vorbereitung“ gespielt. „Aber wir haben 4:0 gewonnen und damit getan, was wir tun müssen.“ Nämlich eine Runde weiter zu kommen.

„Es war kein gutes Spiel von uns“, gab Bastian Schweinsteiger zu. „Wir haben nicht zu unserem Spiel gefunden und hatten viele Abspielfehler.“43 Minuten lang fanden die Bayern gegen einen geschickt verteidigenden Gegner kaum ein Mittel und erspielten sich fast keine Torchancen. Erst durch einen Doppelschlag unmittelbar vor der Pause durch den in WM-Form aufspielenden Miroslav Klose (44.) und den spielfreudigen Franck Ribéry (45.) vermieden die Bayern ein mögliches Zitterspiel.

„Das war kein sportlicher Leckerbissen“, gestand Sportdirektor Christian Nerlinger ein. Wie der Rest der Bayern-Crew war aber auch sehr froh über den Sieg, den Rückkehrer Toni Kroos (84.) und Joker Mario Gomez (85.) mit dem zweiten Doppelschlag der Partie noch deutlicher ausfallen ließen. „In solchen Spielen ist es wichtig, ruhig zu bleiben und auf die Chancen zu warten. Das haben wir getan“, so Nerlinger.

„Wichtig war, dass wir gewonnen haben“, meinte Klose nach dem Schlusspfiff: „Aber wir haben ganz schlecht gespielt. Wir haben nie zu unserem Kombinationsfußball gefunden, haben ein bisschen Wille und Laufbereitschaft vermissen lassen. Es war mühsam.“ Thomas Müller sagte: „Natürlich hatten wir gefühlte 80, 90 Prozent Ballbesitz, aber so viele Fehler, wie wir heute gemacht haben, da wird es schwer gegen andere Gegner.“

Zum Beispiel gegen den VfL Wolfsburg. Der Vorjahresmeister gastiert am Freitagabend zum offiziellen Bundesliga-Auftaktmatch in der Allianz Arena und ist sicherlich ein ganz anderes Kaliber als die bis zum Schluss wacker kämpfenden Germanen aus Windeck. „Wir können sicherlich noch einiges verbessern, das hat man heute gesehen. Aber der Sieg wird uns weiter Selbstvertrauen geben“, ist sich Kroos sicher. Und Müller ergänzte: „Ich denke, wir sind gut gerüstet für Freitag.“

Für fcbayern.de in Köln: Dirk Hauser

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